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Tesla und SpaceX-Chef Elon Musk steht zusammen mit US-Präsident Donald Trump am 30. Mai 2020 im Kennedy Space Center in Florida. Anlass ist der Start einer mit zwei US-Amerikanern besetzten SpaceX-Rakete zur internationalen Raumstation ISS. Ehrgeizige Pläne hegt Musk auch beim Aufbau eines eigenen Versicherungsunternehmens. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Alex Brandon
  • Von Lorenz Klein
  • 27.07.2020 um 17:18
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lesedauer Lesedauer: ca. 01:50 Min

„Wenn Sie an revolutionärer Versicherung interessiert sind, kommen Sie bitte zu Tesla“ – mit diesem ungewöhnlichen Aufruf hat Elon Musk, Chef des US-Autoherstellers Tesla, um die Dienste von Aktuaren geworben. Die Versicherungsmathematiker sollen mithelfen, ein „bedeutendes Versicherungsunternehmen“ aufzubauen – auch in Deutschland.

Der US-Fahrzeughersteller Tesla will mehr als nur Autos bauen – schon bald sollen auch Versicherungen dazukommen. Die Pläne des schillernden Tesla-Chefs Elon Musk sehen vor, dass sein Unternehmen auch in Deutschland mit einer eigenen Versicherungsgesellschaft präsent ist, die es seinen Fahrern zur Verfügung stellen möchte (wir berichteten).

Für Berlin sucht Tesla bereits einen Versicherungsmanager/in – und das dürfte erst der Anfang sein. In einer Web-Konferenz am vergangenen Mittwoch warb Musk laut dem Portal „Teslamag“ höchstpersönlich um die Dienste von Versicherungsmathematikern, für deren Beruf er „großen Respekt“ hege. Tesla brauche „revolutionäre Aktuare“, denen ihre Branche zu langsam sei, wird Musk zitiert.

„Wir bauen ein großartiges, bedeutendes Versicherungsunternehmen auf“, versprach der Tesla-Chef – und wandte sich direkt an potenzielle Bewerber: „Wenn Sie an revolutionärer Versicherung interessiert sind, kommen Sie bitte zu Tesla.“

Wie revolutionär diese Versicherung am Ende sein wird, steht allerdings noch in den Sternen – womöglich droht sogar eine Entzauberung der vermeintlichen Wunder-Police. So berichtet der „Versicherungsmonitor“ am Montag, dass „der Preisunterschied zwischen der Versicherung für die Tesla-Modelle und für andere Fahrzeuge in Deutschland sehr viel niedriger als im Heimatland des Herstellers“ sei. Das hätten Berechnungen durch das Vergleichsportal Verivox ergeben.

Walmart scheiterte einst an der Eroberung Deutschlands

Mit anderen Worten: Der hart umkämpfte deutsche Kfz-Versicherungsmarkt könnte sich für Tesla noch als harte Nuss erweisen – und weckt Erinnerungen an die aggressive Wachstumsstrategie des US-Lebensmittelgiganten Walmart. Dieser unterschätzte die Konkurrenz durch die hiesigen Lebensmittel-Discounter und verabschiedete sich hierzulande rasch wieder von seinen ehrgeizigen Eroberungsplänen.

Immerhin könnte Tesla von der hohen Markenloyalität seiner Fahrer profitieren, mutmaßt der „Versicherungsmonitor“ – ein Vorteil, den Walmart damals nicht für sich beanspruchen konnte. Außerdem sollten die einheimischen Kfz-Versicherer nicht den unbedingten Siegeswillen des Tesla-Chefs unterschätzen. So machte Musk am Mittwoch noch einmal deutlich, dass „seine“ Versicherung „eine ganz spezielle werden soll“, wie es bei „Teslamag“ hieß.

„Keine andere Versicherung könne derart viele Informationen auswerten wie Tesla“

„Das bisherige Tesla-Angebot in Kalifornien sei noch ziemlich normal mit ein paar speziellen Elementen“, wird Finanzchef Zachary Kirkhorn zitiert. Er würde es als Version 1 bezeichnen – woraufhin Musk einwarf, man könne allmählich wenigstens von Version 0.9 sprechen.

Schlussendlich solle Teslas „Telematik-Produkt“ als Version 2 auf den Markt kommen, fuhr Kirkhorn fort. Das Prinzip: Die vom jeweiligen Auto erfassten Daten sollen dazu genutzt werden, um ein Fahrer-Profil zu erstellen. Auf dieser Grundlage soll dann die Wahrscheinlichkeit von Unfällen berechnet werden, wonach sich wiederum die monatliche Prämie für die Tesla-Versicherung bemisst.

Das sei das Aufregende an dem Projekt, so Kirkhorn weiter: „Keine andere Versicherung könne – die Zustimmung des Kunden vorausgesetzt – derart viele Informationen auswerten wie Tesla“, zitiert „Teslamag“ den Finanzchef des Unternehmens. Und das wird womöglich auch den ein oder anderen Versicherungsmathematiker begeistern.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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