Mehrheit fordert Reformen

Industriebeschäftigte verlieren Vertrauen in gesetzliche Rente

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hat knapp 4.600 Mitglieder zu ihrer Rente befragt: 83 Prozent glauben nicht, dass die gesetzliche Altersvorsorge ausreicht, um den Lebensstandard zu halten. Und viele sehen sich nicht in der Lage, bis zum Renteneintritt zu arbeiten. Weitere Ergebnisse lesen Sie hier.
Industriearbeiter füllt Tank in einer Fabrik auf: Viele Industriearbeiter gehen laut einer aktuellen Umfrage nicht davon aus, bis zum Renteneintrittsalter arbeiten zu können.
© picture alliance / Marcin Balcerzak/Shotshop
Industriearbeiter füllt Tank in einer Fabrik auf: Viele Industriearbeiter gehen laut einer aktuellen Umfrage nicht davon aus, bis zum Renteneintrittsalter arbeiten zu können.

Beschäftigte aus den Branchen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) haben das Vertrauen in das staatliche Rentensystem verloren. Vier von fünf Befragten (83 Prozent) gehen davon aus, dass ihre gesetzliche Altersvorsorge im Ruhestand nicht ausreichen wird, den eigenen Lebensstandard zu sichern.

Gleichzeitig hält es angesichts stetig wachsender Arbeitsbelastung nicht einmal jede Dritte für denkbar, seiner Arbeit überhaupt bis zum Erreichen des regulären Renteneintritts nachgehen zu können.

Das sind zwei zentrale Ergebnisse einer aktuellen IGBCE-Umfrage unter ihren Mitgliedern. An der Umfrage nahmen knapp 4.600 Personen aus allen Branchen im Organisationsbereich der zweitgrößten Industriegewerkschaft teil – vor allem aus der Chemie-, Pharma-, Energie-, Kunststoff- und Kautschukindustrie.

„Rente mit 70 ist keine Lösung“

„Wenn nicht einmal die arbeitende Mitte, die im Kern unser Rentensystem finanziert, im Ruhestand von ihrer gesetzlichen Altersversorgung leben kann, sollte das in der Politik alle Alarmglocken läuten lassen“, sagt der Vorsitzende der IGBCE, Michael Vassiliadis.

„Wir brauchen Reformen, die das System als Ganzes endlich nachhaltig stärken und keine neuen Debatten über eine weitere Verlängerung der Lebensarbeitszeit“, fordert Vassiliadis.

Wer von der Rente mit 70 Jahren fabuliert, der oder dem empfehle ich ein Praktikum am Chemie-Cracker, im Kautschuk-Mischsaal oder am Glasofen.

Nur 32 Prozent trauen sich die Arbeit bis zur Rente zu

In der Umfrage gaben lediglich 32 Prozent an, in ihrem Job („voll und ganz“ oder „eher ja“) bis zum Erreichen des regulären Renteneintrittsalters arbeiten zu können. Im Bereich der Produktion waren es sogar nur 21 Prozent.

Oft sind es psychische oder körperliche Gründe, die das verhindern. Fast 34 Prozent der Befragten gaben sogar an, dass sie es sowohl körperlich als auch psychisch nicht bis zur Rente schaffen werden. In der Produktion waren es 48 Prozent.

Die meisten Beschäftigten wollen mit 65 Jahren oder früher in Rente gehen

Der Löwenanteil der befragten IGBCE-Mitglieder (82 Prozent) will mit 65 Jahren oder früher in Rente gehen. Dafür haben die meisten Beschäftigten vorgesorgt. Für die Mehrheit spielt dabei die Betriebsrente eine entscheidende Rolle: 78 Prozent haben bereits eine.

In allen großen Branchen ihres Organisationsbereichs hat die IGBCE dazu tarifliche Vereinbarungen durchgesetzt – etwa bereits 2002 mit dem heute größten unternehmensübergreifenden Pensionsfonds Deutschlands in der Chemieindustrie. „Die zweite Säule der Altersvorsorge staatlich zu stärken, muss ein zentrales Element der Neuaufstellung sein“, glaubt Vassiliadis.

Reformvorschläge der Beschäftigten

Für ein stabiles Rentensystem fordern die Teilnehmer der IGBCE-Umfrage:

  • Mehr Menschen in Vollzeit und besser bezahlte Jobs (65 Prozent),

  • höhere staatliche Zuschüsse (44 Prozent),

  • den Ausbau der Aktienrente (43 Prozent).

Zusätzlich befürworten 90 Prozent den Umbau zu einer Erwerbstätigenversicherung, in die auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete einzahlen. Auch wenn 70 Prozent skeptisch sind, ob es dazu kommt.

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Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Von Juli 2024 bis Dezember 2025 war sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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