Alle reden vom Wachstum, aber keiner vom Preis dafür. Wenn über Unternehmertum gesprochen wird, klingt es oft wie ein Wettbewerb: mehr Umsatz, mehr Mitarbeiter, größeres Büro. Wer nicht ständig wächst, hat scheinbar etwas falsch gemacht.
Lange Zeit habe auch ich gedacht, dass Skalieren der logische nächste Schritt sei. Doch irgendwann merkte ich: Wachstum kann sich genauso anfühlen wie eine Last. Und manchmal bedeutet es, weniger erfolgreich zu sein – zumindest im eigenen Leben.
In meiner Hochphase hatte ich drei festangestellte Mitarbeiter, zwei Teilzeitkräfte und fünf Freelancer, die projektweise für mich arbeiteten. Zehn Menschen, die alle in irgendeiner Form von mir abhängig waren. Zehn Menschen, mit zehn Meinungen, zehn Charakteren, zehn Bedürfnissen.
Am Anfang fühlte es sich gut an: Aufgaben abgeben, mehr schaffen, endlich entlastet sein. Doch je größer das Team wurde, desto mehr Energie ging verloren – in Abstimmungen, Diskussionen, Reibungspunkten. Aus dem unternehmerischen Alltag wurde ein permanentes Krisen- und Erwartungsmanagement.
Gleichzeitig stieg der finanzielle Druck enorm. Jeder Monat musste ein Top-Monat werden. Nicht, um Luxus zu finanzieren – sondern schlicht, um Gehälter zahlen zu können. Während ich früher meine Leistung anpassen konnte, wie es in mein Leben passte, war das nun keine Option mehr. Die Verantwortung lastete schwer.
Der endgültige Knackpunkt kam in mehreren kleinen, aber bezeichnenden Momenten. Mitarbeiter, die gerade so ihre Umsatzziele erreichten, verlangten Gehaltserhöhungen. Andere stellten plötzlich meine Arbeitsweise infrage – zum Beispiel, wenn ich mir einmal erlaubte, später zu starten.
Ich fragte mich: Wer gibt hier eigentlich den Takt vor? Bin ich die Angestellte meiner Angestellten? Oder ist es nicht genau andersherum? Diese Rollenverdrehung fühlte sich falsch an – und sie zeigte mir, dass mein Unternehmen nicht mehr zu mir passte.
Natürlich hatte Skalieren auch positive Seiten. Ich konnte ungeliebte Aufgaben delegieren und musste mich nicht mehr mit jeder Kleinigkeit befassen.
Doch die Nachteile überwogen bei weitem:
Irgendwann zog ich die Reißleine. Ich baute das Team wieder ab, verabschiedete mich von dem Gedanken, Mitarbeiter seien der Schlüssel zu mehr Erfolg. Heute arbeite ich fast ausschließlich mit Freelancern – und setze auf Automatisierung.
Der wohl größte Gewinn: Ich habe den direkten Kontakt zu meinen Kunden zurück. Früher übernahm eine Mitarbeiterin Teile der Kommunikation, und ich spürte plötzlich nicht mehr so genau, was meine Community bewegte. Heute weiß ich wieder, worüber sie spricht, was sie braucht – und das macht mich als Unternehmerin stärker.
Gerade in der Maklerbranche ist das Thema Wachstum ständig präsent. Doch Skalieren ist kein Muss – und schon gar nicht ein Garant für Erfolg. Deshalb meine Ratschläge:
Wir leben in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz viele repetitive Aufgaben übernimmt. Wer das ignoriert, verpasst eine riesige Chance.
So bleibst du flexibel, ohne monatlich in voller Verantwortung zu stehen.
Willst du wirklich ein Team führen – mit allen Konflikten, Verantwortungen und Risiken? Oder willst du einfach gute Arbeit machen und dabei frei bleiben?
Mitarbeiter einzustellen ist keine Spielerei. Jeder, der bei dir unterschreibt, setzt auf dich. Das bedeutet mehr als eine Probezeit – es bedeutet Verantwortung für ein Leben.
Heute weiß ich: Erfolg bemisst sich nicht in der Zahl der Mitarbeiter oder in der Größe des Büros. Erfolg bedeutet für mich, ein Unternehmen zu führen, das zu mir passt. Und wenn das bedeutet, kleiner zu bleiben – dann ist das kein Rückschritt, sondern ein Schritt nach vorne.
Ich möchte Maklern und Unternehmern Mut machen: Du bist kein Versager, wenn du nicht skalierst. Du bist mutig, wenn du bewusst entscheidest, wie dein Weg aussehen soll.
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