Pfeffi fragt nach

Was macht die Regierung mit externen Reformvorschlägen?

Der „Herbst der Reformen“ soll kommen – und immer wieder gibt es neue Vorschläge von außen, wie man den Sozialstaat fit für die Zukunft machen könnte. Was passiert eigentlich mit solchen Ideen von externen Experten? Wir haben in Berlin nachgefragt.
Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister, und Bärbel Bas (SPD), Bundesarbeitsministerin, müssen unter anderem Sozialstaat und Altersvorsorge (mit-)reformieren
© picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister, und Bärbel Bas (SPD), Bundesarbeitsministerin, müssen unter anderem Sozialstaat und Altersvorsorge (mit-)reformieren

Wenn sich die Bundesregierung über irgendwas nicht zu beklagen braucht, dann sind das wohlgemeinte Ratschläge von außen. Sie drehen sich um das Rentensystem, Altersvorsorge, Gesundheitssystem. So viele Experten, so viele Ideen.

Um nur drei Beispiele zu nennen:

  • Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) würde Riester-Rente und Rürup-Rente gern zusammenlegen. Durch die Wahl zwischen Zulage und steuerlicher Absetzbarkeit können Gering- und Gutverdiener dasselbe Produkt für sich passend nutzen.
  • Der Mittelstandsverband würde sogar jegliche staatlich geförderten Spar- und Vorsorgeprodukte zusammenlegen. Dann würde ein einziges Produkt pro Person ausreichen.
  • Volkswirt Sven Ebert aus dem Flossbach von Storch Research Institute plädiert für die Einheitsrente: Jeder Rentner bekommt grundsätzlich die selbe Rente ausgezahlt, unabhängig vom Gehalt davor. Und wer mehr Rente will, muss auf eigene Faust vorsorgen.

Verfängt so etwas eigentlich in Berlin, oder verpufft das wirkungslos? Wir haben in zwei Ministerien nachgefragt.

Immerhin scheinen die Augen geöffnet zu sein. Denn aus dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) teilt ein Sprecher mit: „Grundsätzlich gilt: Das BMF beobachtet generell aufmerksam aktuelle Debattenbeiträge, Fachpublikationen, Studien und Gutachten. Dazu gibt es auch externe, unabhängige Beratergremien, wie etwa den Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium der Finanzen.“

So weit, so erfreulich. Doch was das Ministerium von den einzelnen Ideen hält, bleibt unter Verschluss. Der Sprecher klärt: „Externe Vorschläge kommentieren wir als BMF nicht.“

Auch das Arbeitsministerium zeigt sich aufgeschlossen. So teilt ein dortiger Sprecher mit: „Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales verfolgt die Debatte um Vorschläge zur Weiterentwicklung der Altersvorsorge aufmerksam. Der Austausch mit externen Akteuren gehört dabei zum normalen Prozess – etwa über Länder- und Verbändeanhörungen, Fachtagungen oder künftig auch durch die Arbeit der anstehenden Rentenkommission.“

Diese erwähnte Rentenkommission ist – wie bereits gemeldet – zusammengestellt und betriebsbereit. Für das Arbeitsministerium ist sie offenbar so etwas wie die erste Wahl unter den Vorschlaggebern. So lässt sich zumindest die Auskunft deuten: „Die Rentenkommission soll eine neue Kenngröße für ein Gesamtversorgungsniveau des gesamten Systems der Alterssicherung über alle drei Säulen hinweg prüfen und somit auch Empfehlungen für die Zeit nach 2031 entwickeln.“

Doch wenn diese Empfehlungen vorliegen, will man sie mit anderen Konzepten abgleichen. Denn der Sprecher führt weiter aus: „Diese Kommission wird einen geeigneten Rahmen bieten, um verschiedene Modelle zu prüfen und unterschiedliche Ansätze miteinander zu vergleichen. Die Arbeit soll früh im kommenden Jahr beginnen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir einzelne Vorschläge auch vor diesem Hintergrund nicht kommentieren.“

In unserer Serie „Pfeffi fragt nach“ haben wir bisher folgende Fragen beantwortet:

Mehr zum Thema

Arbeitgeber befürchten Sozialbeiträge von mehr als 50 Prozent

Ein Vertreter der Arbeitgeberschaft hat sich zur Abgabenlast in Deutschland geäußert. So warnte der Präsident…

Die Kommission zur Sozialstaatsreform legt los

Es geht los. Die Kommission, die den Sozialstaat auf Vordermann bringen soll, hat ihre Arbeit…

CDU bekennt sich zu Riester-Reform und Altersvorsorgedepot

Die wohl wichtigste Frage ist zugleich die letzte. David Krahnenfeld, der bei Ampega Investment den…

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Eine Antwort

  1. Fazit (leider wie immer): „Wir prüfen zwar alles eingehend und das kann aber dauern..“ und dann ist die Legislaturperiode wieder fast vorbei und die nächste Regierung braucht auch wieder 3,5 Jahre zum Prüfen usw. usw.. bis in die Unendlichkeit!

    Es fehlen auch und vor Allem in der Politik Menschen, die einfach mal MACHEN! (und ggf. nachjustieren ..)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia