IW-Studie

Ausgaben-Moratorium würde der GKV kaum helfen

Um die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) auf stabile Füße zu stellen, will mancher das Ausgabenwachstum an die beitragspflichtigen Einnahmen (also Gehälter) der Versicherten koppeln. Ein Moratorium also. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt jedoch, dass das nicht reichen würde.
Neue Technologien (wie hier die Operation mit 3D-Brille) treiben die Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung: Hilft ein Ausgabenmoratorium?
© picture alliance/dpa | Jens Kalaene
Neue Technologien (wie hier die Operation mit 3D-Brille) treiben die Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung: Hilft ein Ausgabenmoratorium?

Diskutiert wird es schon eine Weile. Doch selbst wenn man es durchziehen und die Ausgaben der Krankenkassen an Löhne und Gehälter koppeln würde, würde das die Finanzlage nicht oder nur wenig stabilisieren. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

Darin geht das Institut auf die allgemeine Frage ein, wie man das Milliardenloch in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schließen könnte (wie groß es ist, lesen Sie hier). Höhere Beiträge sind die eine Seite der Medaille, die Ausgaben über ein sogenanntes Moratorium deckeln ist die andere.

Das Ausgabenwachstum der GKV künftig an die beitragspflichtigen Einnahmen aller Versicherten zu koppeln, gehört jedenfalls zu den nicht so sinnvollen Ideen, zeigt sich Studienautor Jochen Pimpertz überzeugt.

Das Problem: Die alternde Gesellschaft. In seiner Studie geht Pimpertz davon aus, dass bis 2028 die Zahl der Menschen über 65 Jahre um 1,2 Millionen steigt. Und jene Menschen bis 64 Jahre werden 850.000 weniger. Und je älter die Menschen sind, desto teurer werden sie für die Krankenversicherung.

Ein Beispiel, um das Ausmaß zu verdeutlichen. Eine Frau Anfang 20 kostet die GKV im Durchschnitt jährlich knapp über 2.000 Euro. Eine Frau über 90 sorgt für Ausgaben von 10.610 Euro. Ein Mann in dem Alter schlägt sogar mit 12.700 Euro zu Buche, in den Zwanzigern mit nur 1.500 bis 1.700 Euro.

Indem die Versicherten also im Durchschnitt älter werden, steigen allein dadurch ihre Gesundheitsausgaben stärker als die Gehälter nachziehen können. Nur dieser Effekt lässt die Ausgaben der GKV bis 2028 um etwa 5 Milliarden Euro steigen. Allein das kostet knapp 0,3 Prozentpunkte Beitrag.

Um das auszugleichen, müssten die Ausgaben pro Kopf jedes Jahr um 0,4 Prozentpunkte weniger wachsen als die beitragspflichtigen Einnahmen, meint Pimpertz.

Und das – wohlgemerkt – berücksichtigt noch nicht, dass die Inflation im Gesundheitswesen höher sein kann als im normalen Leben. Dann würden die Preise und Ausgaben dort dem normalen Gehaltsniveau zusätzlich weglaufen.

Die komplette Studie können Sie hier herunterladen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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