Ist das Werbegesicht der „Volks-Rente“ der Bild-Zeitung: Schauspielerin und Moderatorin Sophia Thomalla. © picture alliance / Geisler-Fotopress | Christopher Tamcke/Geisler-Fotopress
  • Von Achim Nixdorf
  • 19.11.2020 um 19:20
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„Wer will später schon alt aussehen?“ – mit diesem Slogan bewerben die Bild-Zeitung und der Versicherer Neue Leben gerade eine sogenannte „Volks-Rente“ für die private Altersvorsorge. Medienwirksam mit dem Gesicht von TV-Star Sophia Thomalla. Die Rente soll einfach, günstig und flexibel sein. Die Stiftung Warentest hat das Produkt geprüft – und kommt zu einem eindeutigen Urteil.

Niedrigzins und Angst vor Altersarmut: Vor diesem Hintergrund wirbt die Bild-Zeitung gerade massiv für eine „Volks-Rente“ – mit Promi Sophia Thomalla als Werbegesicht, Amazon-Gutscheinen und Zeit­druck-Argumenten. Das private Alters­vorsorge-Angebot wurde in Kooperation mit den Sparkassen und dem Versicherer Neue Leben entwickelt und soll Menschen aus allen Bevölkerungs­schichten ansprechen. Die Stiftung Warentest kann die „Volks-Rente“ jedoch nicht empfehlen. Sie rät von einem Abschluss ab.

Die „Volks-Rente“ kann als reine private Rentenversicherung mit defensiver Geld­anlage-Strategie oder als fondsgebundene Rentenversicherung für risikofreudigere Sparer abgeschlossen werden. Auch eine Kombination aus beiden Varianten ist möglich. Der Abschluss ist bei Sparkassen oder direkt online möglich.

Eine Rente für alle?

Ist die „Volks-Rente“ also die ideale Alters­vorsorge fürs „Volk“ – eine Rente für alle? Die Stiftung Warentest meint: eher nicht! Die wichtigsten Kritikpunkte im Überblick:

  • Entscheidet sich der Kunde dafür, sein Geld sicher anzu­legen und Wert­schwankungen möglichst auszuschließen, landet er bei einer klassischen privaten Renten­versicherung des Versicherers Neue Leben. Die Stiftung Warentest hatte den angebotenen Tarif bereits in einem früheren Vergleich auf den Prüfstand gestellt und mit der Note „ausreichend“ bedacht. Vor allem die „hohen Kosten“ und der „schlechte Anlageerfolg“ machten dieses Angebot unattraktiv.
  • Auch die zweite Anlagevariante in eine fonds­gebundene Renten­versicherung, bei der der Sparer mehr Risiko akzeptiert, sieht die Stiftung Warentest kritisch. Wichtig sei hier, dass die Versicherung eine „breite Auswahl an guten Fonds anbiete. Das aber sei bei der „Volks-Rente“ nicht der Fall. Hier könnten Sparer nur aus „teuren, aktiv gemanagten Investmentfonds wählen. Besser und günstiger sei es dagegen, für die lang­fristige Geld­anlage auf welt­weit anlegende ETFs (Exchange Traded Funds) zu setzen.
  • Kein gutes Haar lässt die Stiftung Warentest auch an der Werbeaussage, der Einstieg in die „Volks-Rente“ sei besonders günstig. Die Tatsache, dass unter 28-Jährige das Produkt schon für 25 Euro im Monat abschließen könnten, sage überhaupt nichts darüber aus, wie günstig dies wirklich sei, kritisieren die Warentester. „Wer glaubt, dass geringere Beiträge mit geringeren prozentualen Kosten einhergehen, irrt.“ Die Kosten für die Alters­vorsorge würden in der gesamten Online-Kampagne nicht thematisiert. Erst nachdem sie ihre Kontakt- und Bank­daten angegeben hätten, erhielten Kunden Informationen zu den Kosten – in den Antrags­unterlagen. Das sei legal, aber nicht trans­parent.

Insgesamt, so das Fazit der Stiftung Warentest, könne die „Volks-Rente“ nicht überzeugen. Sowohl bei der klassischen als auch bei der fondsgebundenen Rentenversicherung gebe es bessere Angebote. Positiv sei lediglich zu bewerten, dass Sparer ihre Aufteilung im Vertrags­verlauf zwischen klassischer Renten­versicherung und fonds­gebundener Rentenversicherung ändern könnten. Das sei ein klarer Vorteil dieses hybriden Produkts.

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Achim Nixdorf

Achim Nixdorf ist seit April 2019 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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