Monteure verankern für Testreihen das Modell einer Anlage mit schwimmende Windräder im Greifswalder Bodden. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner
  • Von Lorenz Klein
  • 25.09.2020 um 12:27
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 04:20 Min

Kapitalanlage und Altersvorsorgeprodukte der Versicherer müssen auf das grüne und soziale Gewissen der Kunden reagieren. Und auch Vermittler sollten sich darauf einstellen, nachhaltige Versicherungsprodukte beim Kunden anzusprechen.

Jeder möchte alt werden, aber keiner möchte es sein – beim Thema Nachhaltigkeit ist es umgekehrt: Jeder möchte nachhaltig sein, aber keiner möchte es werden. Das ist jetzt eine etwas bösartige Zuspitzung. Klar ist aber, dass es viel Mühe kostet, das eigene Leben so auszurichten, dass der persönliche Konsum möglichst geringe soziale, ökologische und ökonomische Schäden in Umwelt und Gesellschaft hinterlässt.

„Eigenes nachhaltiges Handeln verschafft einerseits ein gutes Gefühl, andererseits werden damit teils auch verbundene Aufwände, Verzichte und Kosten oft noch gescheut“, fasst es das Autorenteam des Marktforschungsunternehmens Heute und Morgen zusammen. Die Grundhaltung der deutschen Verbraucher zur Nachhaltigkeit erscheine insgesamt „noch ambivalent und widersprüchlich“. Diese Einschätzung basiert auf einer Studie, für die 1.000 erwachsene Bundesbürger im Februar 2020 repräsentativ befragt wurden – speziell mit Blick auf ihr nachhaltiges Verhalten in Finanz- und Versicherungsangelegenheiten.

Die „Aufpreisbereitschaft“ sei hier zwar in der Regel gering, sagt Michaela Brocke, Geschäftsführerin bei Heute und Morgen, zugleich sei aber die Wechselbereitschaft bei vergleichbaren Kosten sehr hoch – insbesondere in der strategisch wichtigen Gruppe der jüngeren Generation, so Brocke. Das könnten sich auch Versicherer und Versicherungsmakler zunutze machen. Allerdings ist das nicht ganz einfach. Denn speziell bei der Auswahl von Anbietern oder dem Abschluss einzelner Produkte im Finanzdienstleistungsbereich achteten bisher nur rund 3 Prozent der Verbraucher aktiv auf deren Nachhaltigkeit. Zum Vergleich: Bei Lebensmitteln liegt der Anteil bei 60 Prozent.

Von dieser Bonsai-Zahl sollten sich Versicherer, Banken und Krankenkassen aber nicht entmutigen lassen, findet Marktforscherin Brocke. Vielmehr sollten alle dazu beitragen, dass die Zahl beständig wächst – zumal schon jetzt der Anteil der Zielgruppe der „Nachhaltigen“ in Deutschland bei immerhin 34 Prozent liegt, wie die Heute-und-Morgen-Studie ermittelte. Daher sei es für die Anbieter wichtig, den Trend zu mehr Nachhaltigkeit „aktiv aufzunehmen, zu gestalten und sich entsprechend zu positionieren“, sagt Brocke – und zwar auch jenseits des Drucks von Politik oder Investoren. „Nur passiv hinterherzulaufen oder sich gegenüber Kunden in nur kurzfristigen symbolischen Handlungen zu verlieren“ sei grundfalsch.

Jawed Barna, Vertriebsvorstand der Zurich Gruppe Deutschland, dürfte dem zustimmen. Zurich habe schon 2012 damit begonnen, ökologische, soziale und sogenannte Governance-Faktoren – kurz ESG-Faktoren – im Kerngeschäft zu berücksichtigen, sagt Barna. Zudem habe Zurich als erster Versicherer den „Business Ambition for 1,5 ° C Pledge“ der Vereinten Nationen (UN) unterzeichnet. Barna begrüßt es, dass nun auch die Europäische Union (EU) fordert, „dass alle Finanzmarktteilnehmer zu einer CO2-armen, nachhaltigeren, ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft beitragen, um unter anderem dafür Sorge zu leisten, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen“.

Die rechtliche Grundlage für diese Forderung bietet die bereits in Kraft getretene Verordnung der EU (2019/2088) vom 9. Dezember 2019. Darin werden umfangreiche Offenlegungspflichten in Bezug auf das Thema der Nachhaltigkeit im Finanzdienstleistungssektor angeordnet.

Nachhaltigkeit wird spätestens 2021 auch für Vermittler relevant

Und auch für den Versicherungsvertrieb ist das Papier relevant. So heißt es dort unter anderem: „Finanzmarktteilnehmer und Finanzberater, die Anlageberatung oder Versicherungsberatung für Versicherungsanlageprodukte (insurance-based investment products) anbieten, werden mit dieser Verordnung, ungeachtet der Gestaltung des Finanzprodukts und des Zielmarktes, verpflichtet, schriftliche Strategien zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken zu veröffentlichen und für die Transparenz dieser Einbeziehung zu sorgen.“ Die Verordnung soll ab dem 10. März 2021 national gelten.

Zurich-Vertriebsvorstand Barna betont, dass Vermittler die EU-Verordnung „für sich persönlich nicht als Druck empfinden, sondern bereits heute damit beginnen“ sollten, die Frage, „ob der Kunde an nachhaltigen Produkten interessiert sei, in ihren Beratungsalltag einzubauen“.

autorAutor
Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

smiley-icon

achtung: Sie nutzen einen veraltete Version des Internet Explorer und daher kann es eventuell zu fehlerhaften Darstellungen kommen. Wir empfehlen den Internet Explorer zu aktualisieren oder Google Chrome zu nutzen.

verstanden!