Treppen steigen ist eine von 15 Grundfähigkeiten, die Franke und Bornberg im Rating berücksichtigt. Im Foto: Das Modell spezieller Treppen, die besonders leicht zu steigen sind. © picture all. / YUN SEONG SONG
  • Von Lorenz Klein
  • 23.09.2022 um 14:47
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Für das aktuelle „Grundfähigkeitsrating 2022“ hat das Analysehaus Franke und Bornberg die Grundfähigkeitsversicherungen von 26 Gesellschaften unter die Lupe genommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Gut die Hälfte der Tarife erreichte die höchste Auszeichnung. Hier kommen die Details.

Immer mehr Versicherer drängen in das Geschäft mit Grundfähigkeitsversicherungen (GF). Zu dieser Erkenntnis kommt das Analysehaus Franke und Bornberg, das sich nun erneut mit der Qualität der Tariflandschaft auseinandergesetzt hat. Demnach hat sich der Kreis der Anbieter von 17 im Jahr 2019 auf jetzt 26 Gesellschaften erhöht – und weitere Versicherer stünden aktuell kurz vor der Markteinführung, wie es aus Hannover heißt.

Grund für diese Entwicklung: Die BU-Versicherer wollen das attraktive Geschäftsfeld nicht länger dem Wettbewerb überlassen, so die Vermutung der Analysten. Die GF-Versicherung komplettiere das Angebot der Versicherer zur Absicherung der Arbeitskraft.

Außerdem setze sich die Erkenntnis durch, dass die Grundfähigkeitsversicherung das BU-Geschäft nicht kannibalisiere – im Gegenteil. So biete die GF der Branche zusätzliche Absatzchancen bei Menschen, die wegen ihres Berufes oder aufgrund von Vorerkrankungen keinen bezahlbaren BU-Schutz erhalten würden. Zudem bleibe die GF von schwer kalkulierbaren Entwicklungen am Arbeitsmarkt unberührt, die den Eintritt einer Berufsunfähigkeit erhöhen könnten, wie etwa Leistungsdruck und fortschreitende Digitalisierung.

Wie es aber mit der Qualität des GF-Angebots bestellt ist, hat nun das aktuelle „Grundfähigkeitsrating 2022“ eingehend untersucht. Insgesamt wurden 97 Tarife von 26 Gesellschaften anhand von bis zu 74 Kriterien unter die Lupe genommen (Stand September 2022). Franke und Bornberg unterscheidet dabei zwischen „Grundfähigkeit“ und „Grundfähigkeit Plus“. Bedeutet: Tarife der Plus-Variante bieten Zusatzbausteine mit weiteren Leistungsauslösern, zum Beispiel einen Versicherungsschutz bei schweren Krankheiten.

Die Höchstnote FFF+ erhalten dabei nur Tarife, die alle einheitlich vorgegebenen 15 Grundfähigkeiten in der geforderten Qualität absichern – und das haben erstaunlich viele Anbieter geschafft. „Das Tarifniveau ist erfreulich hoch“, wie die Analysten mitteilten. Jeder zweite Tarif erreicht demnach die Bewertungsklassen Hervorragend (FFF+) oder Sehr gut (FFF).

Die aktuellen Bewertungsrichtlinien sowie alle Ergebnisse auf Tarifebene stellt Franke und Bornberg hier bereit.

Dabei betont Chefanalyst Michael Franke, dass Grundfähigkeiten, die ohne Mehrwert für die Versicherten seien, im Testverfahren „unter den Tisch“ fielen. Dies erleichterte es, unterschiedliche Formulierungen in den Bedingungen vergleichbar zu machen und verhelfe Maklern dazu, Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden, so Franke.

Denn: Mit dem Trend zu immer neuen Leistungsauslösern sinkt auch die Vergleichbarkeit. „Ohne ein belastbares Rating laufen Vermittlerinnen und Verbraucher Gefahr, sich von Marketing-Gimmicks blenden zu lassen“, warnen die Tarif-Experten.

Zudem gilt, dass neue Auslöser, die tatsächlich zu mehr Leistungen führen sollten, nicht zum Nulltarif zu haben seien. „Jeder zusätzliche Auslöser, der hält, was er verspricht, kostet Geld“, gibt Franke zu bedenken. Damit jedoch verteuere sich die GF als vermeintlich günstige Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung oder zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Die mögliche Folge skizziert das Analysehaus so: Die vermeintlich erschwingliche Alternative zur BU-Versicherung werde im schlimmsten Fall zu einem weiteren „Luxusprodukt“.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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