Pfefferminzia: Sie sind von der Talanx zu Canada Life gewechselt. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Markus Drews: Ich habe mir nicht von Anfang an in den Kopf gesetzt, mal an der Spitze eines solchen Unternehmens zu stehen. Ich wollte vielmehr das, was ich tue, bestmöglich machen. Ich liebe meinen Beruf. Seit der Ausbildung zum Versicherungskaufmann Ende der 80er Jahre bin ich in der Branche und ich bin immer noch so begeistert wie am Anfang. Mir ging es darum, jeden Tag ein Stück besser zu werden. Ich habe mich im Vertrieb nach oben gearbeitet und mich von der Zufriedenheit meiner Kunden und der Begeisterung für guten Service und gute Produkte anstecken lassen.

Nun bin ich Mitglied eines internationalen Vorstands und trage die Verantwortung für Deutschland – das ist eine einmalige Mischung: Auf der einen Seite die Größe eines Konzerns, auf der anderen der Spirit eines wachsenden Unternehmens. Hinzu kommt, dass wir sehr fokussiert arbeiten.

Inwiefern?

Wir sind nur in der Sparte Leben tätig und wir arbeiten ausschließlich mit Maklern und Mehrfachagenten als Vertriebskanal. Weniger ist oft mehr. Wissen Sie, ich komme aus dem Rheingau, einer tollen Weingegend. Wenn Sie einen Winzer besuchen, der 30 verschiedene Weine auf der Karte hat, womöglich noch aus 15 verschiedenen Rebsorten, dann fahren Sie am besten gleich weiter. Suchen Sie lieber einen, der vielleicht drei Rebsorten hat und sechs verschiedene Weine. Denn der legt alles, was er kann – sein ganzes Handwerk, seine ganze Erfahrung, seine ganze Leidenschaft – in diese Handvoll Weine. So ähnlich fühlt sich das bei uns an – und das macht für mich den Reiz aus.

Sie lieben die Branche, sagen Sie. Seit Ende der 80er hat sich aber einiges verändert. Gibt es keine Kritik?

Es stimmt, die Branche hat sich extrem gewandelt und auch der Vertrieb hat sich sehr verändert. Ich könnte vermutlich heute nicht mehr so verkaufen und beraten, wie ich es am Anfang meiner Karriere gemacht habe. Und sicher gab es Herausforderungen, die wir zu meistern hatten und auch gemeistert haben.

Ist das die härteste Krise der Branche?

Mit Sicherheit. Wir bei Canada Life sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite war Canada Life am Anfang vor 15 Jahren in Deutschland ein Underdog – ein neuer Player, der kritisch begutachtet wurde mit seinen Produkten, die damals noch einzigartig auf dem deutschen Markt waren. Heute erfährt unser Geschäftsmodell großen Zuspruch. Wettbewerber bauen jetzt Produkte komplett oder in abgewandelter Form nach, wie wir sie schon seit Jahren anbieten.

Wieso dann das weinende Auge?

Ich sehe die Gefahr, dass die Lebensversicherung in eine Vertrauenskrise rutscht. Sie ist die Basis der Altersversorgung für viele Menschen. Vor dem Hintergrund wäre es schlimm, wenn ein weiteres Eindreschen auf die Branche zu einem Vertrauensverlust führen würde.