Rötger Franz, Partner bei der Investmentgesellschaft Plenum Investments © Plenum Investments
  • Von Redaktion
  • 05.08.2022 um 11:02
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Die gestiegenen Renditen am Anleihemarkt, also die Zinswende, haben Versicherern in erster Linie gutgetan, sagt Rötger Franz, Partner bei der Investmentgesellschaft Plenum Investments. In seinem Gastbeitrag nimmt er die neuen Solvenzquoten und die Emissionstätigkeit auseinander.

Der Versicherungssektor ist besser kapitalisiert als noch zu Beginn des Jahres. Die positiven Effekte der Zinssteigerungen überkompensieren andere Marktbewegungen wie zum Beispiel Verluste bei Aktien. Der bisher bedeutendste Anstieg der Solvency-II-Quote wurde von CNP gemeldet. Ihre Solvency-II-Quote erhöhte sich um 26 Prozentpunkte, wovon 20 Prozentpunkte auf steigende Zinsen zurückzuführen waren.

Die Versicherer, die in Q1 2022 niedrigere Solvency-II-Quoten meldeten, erklärten den Rückgang mit unternehmensspezifischen Faktoren, einem allgemein weniger zinsempfindlichen Geschäft und Aktienrückkäufen. Der stärkste Rückgang war bei der Allianz zu verzeichnen, die in Q1 2022 einen Rückgang der Solvency-II-Quote um 10 Prozentpunkte meldete, was auf Aktienrückkäufe, aber auch auf die Bildung einer zusätzlichen Rückstellung für den Vergleich im Rechtsfall „Structured Alpha“ in Höhe von 1,9 Milliarden Euro oder 7 Prozentpunkten in Q1 2022 zurückzuführen ist. Der Emittent teilte mit, dass die Auswirkungen der Zinssätze auf die Solvency-II-Quote positiv waren, was im Einklang mit den von ihm offengelegten Solvency-II-Sensitivitäten steht.

Primärmarkt erwacht wieder zum Leben

Der Primärmarkt erwacht wieder zum Leben und mehrere große Emittenten traten mit Tier-2-Anleihen in Benchmark-Größe an den Markt. Axa begab eine T2-Anleihe im Wert von 1,25 Milliarden Euro zur Refinanzierung der Rückzahlung zweier Anleihen, die von XL begeben wurden, bevor die Gruppe von Axa übernommen wurde. Die Rückzahlung erfordert einen Make-Whole-Call, das heißt Axa kauft die Anleihen mit einem erheblichen Aufschlag auf den Marktwert zurück, was als Zeichen der Zuversicht gewertet werden kann. Die Allianz emittierte eine T2-Anleihe im Wert von 1,25 Milliarden Euro zur Refinanzierung der bevorstehenden Kündigung eines alten Perpetuals. Die Münchener Rück begab zum ersten Mal eine auf Dollar lautende T2-Anleihe im Wert von 1,25 Milliarden Dollar. Die Transaktion erhöht den Leverage leicht, bleibt jedoch unter dem Niveau vergleichbarer Unternehmen.

Athora trat mit einer T2-Emission im Wert von 500 Millionen Euro an den Markt, um die Rückzahlung eines alten Perpetuals zu finanzieren. Alle Neuemissionen entwickelten sich in den ersten Handelstagen positiv, so dass die Anleger – anders als in den Vormonaten – eine gute Neuemissionsprämie erzielen konnten. Das Bild änderte sich im Juni leicht, als die Vienna Insurance Group mit einer T2 und Aviva mit einer rT1 Neuemission an den Markt kamen. Beide schnitten in der ersten Woche in einem schwachen Handelsumfeld nicht gut ab.

Ende Juni folgte dann Generali mit einer weiteren T2 Neuemission, zur Refinanzierung einer während der Sovereign Risk Crisis in 2012 emittierten Anleihe mit sehr hohem Coupon. Mit den jüngsten Neuemissionen wird ein Rückstau beseitigt, der sich in den Wochen zuvor aufgebaut hatte und dieser Rückstau musste abgearbeitet werden, bevor der Markt zur Sommerpause übergehen kann. Für das gesamte Jahr 2022 erwarten wir weiterhin ein niedrigeres Neuemissionsvolumen als in 2021, was den Sekundärmarkt unterstützen sollte.

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