Ein erhöhter Bedarf an Methionin kann auch bei Leistungs- und anspruchsvollem Breitensport vorliegen. © Pixabay
  • Von Joachim Haid
  • 15.06.2020 um 14:00
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Nach Lysin und Tryptophan beschäftigen wir uns im dritten Teil über die essenziellen Aminosäuren nun mit Methionin. Eine eher unbekannte Aminosäure. Zu Unrecht, wie wir sehen werden.

Methionin kommt beispielsweise in Fleisch, Hühnerei und Lachs vor. Die mit der Nahrung aufgenommene Aminosäure wird im Körper zunächst in Homocystein umgewandelt. Dabei handelt es sich um eine weitere Aminosäure, die oxidativen Stress in den Blutgefäßen verursacht. Bereits leicht erhöhte Homocysteinspiegel stellen einen eigenständigen Risikofaktor für Atherosklerose und damit in der Folge für Schlaganfall, Herzinfarkt und Verengung der Blutgefäße im Allgemeinen, wie beispielsweise auch bei der Schaufensterkrankheit, dar. Daraus könnte man nun den Schluss ziehen, das Methionin möglichst gemieden werden sollte. Das wäre aber eine ganz schlechte Idee.

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Ohne Methionin kein Eiweißaufbau

Ohne optimale Versorgung mit Methionin kann der Körper keine Eiweißsynthese betreiben. Die Trockenmasse unseres Körpers besteht aber zu 80 Prozent aus Eiweiß. Alles, was sich in unserem Körper vermehren kann, basiert auf Proteinen. Sind im Körper alle notwendigen Mikronährstoffe vorhanden, ist es in der Regel kein Problem, dass Methionin in Homocystein umgewandelt wird. Denn mithilfe von Vitamin B12 und Folsäure wird das Homocystein wieder in Methionin zurück gewandelt. In der Fachsprache wird dies Remethylierung genannt. Hierfür ist ein Enzym, die Methionin-Synthase, zuständig und diese ist auf Vitamin B12 angewiesen.

Darüber hinaus kann Homocystein auch in Cystein umgewandelt werden. Dafür ist ein anderes Enzym (Cystathionin-ß-Synthase) verantwortlich. Hierfür muss der Körper aber gut mit den B-Vitaminen B6 und B9, besser bekannt als Folsäure, versorgt sein. Ein Überschuss an Homocystein, der für die Blutgefäße gefährlich werden kann, ist also nicht primär durch ein Zuviel an Methionin verursacht, sondern vor allem durch einen Mangel an B6, B12 und Folsäure. Mitteleuropa ist jedoch ein Folsäuremangelgebiet und bestimmte Medikamente erhöhen den Bedarf an diesem B-Vitamin zusätzlich.

Ein Methioninmangel kann zur Folge haben, dass nicht ausreichend Cystein gebildet wird. Bei Cystein handelt es sich um eine semi-essenzielle Aminosäure. So werden Aminosäuren bezeichnet, die vom Körper zwar selbst hergestellt werden können, in bestimmten Fällen aber eine externe Zufuhr notwendig werden kann. Da Methionin beziehungsweise Homocystein jedoch der Ausgangsstoff ist, kann bei einem Methioninmangel Cystein zu einer essenziellen Aminosäure werden, die dann zusätzlich zugeführt werden müsste. Cystein ist eine von drei Aminosäuren, aus denen die reduzierte Form von Gluthation (GSH) hergestellt wird. Dieses kommt in allen Körperzellen vor und schützt vor Schäden durch freie Radikale.

Weitere Vorteile von Methionin:

  • Aus Methionin wird auch S-Adenosylmethionin (kurz SAM) gebildet. Dabei handelt es sich um die stoffwechselaktive Form des Methionins. SAM spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei der Genexpression, bei Reparaturvorgängen in der DNA und RNA und bei epigenetischen Anpassungen der Gene. Unter Epigenetik wird die Weitergabe von genetischen Eigenschaften auf Nachkommen verstanden, welche durch äußere chemische und physikalische Einflüsse, oder durch psychische Faktoren die Genregulation und -aktivierung beeinflussen können. Eine Substitution mit SAM erhöht bei depressiven Patienten die Serotonin-, und Dopaminspiegel. In einigen Studien war die stimmungsaufhellende Wirkung von SAM vergleichbar mit der von Antidepressiva (Uwe Gröber: Orthomolekulare Medizin; Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte; 3. Auflage).
  • Bei einem Methionin-Mangel, steht auch zu wenig Cholin zur Verfügung. Dieses wird für die Produktion des Neurotransmitters Acetylcholin benötigt. Bei länger anhaltenden Mängeln, kann das Angstzustände und Depressionen zur Folge haben.
  • In der Leber hilft Methionin bei der Vermeidung übermäßiger Fetteinlagerung und unterstützt zusammen mit Zink die Entgiftung von Paracetamol und Blei.
  • Zusammen mit Lysin ist die Aminosäure wichtig für die Bildung von L-Carnitin. Dieses spielt eine Schlüsselrolle beim Fett-, Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsel.
  • Methionin beziehungsweise das daraus produzierte oben genannte Cystein ist die Vorstufe von Taurin, das unter anderem für einen regelmäßigen Herzschlag sorgt und die Fettverbrennung optimiert.
  • Die Aminosäure hilft bei der Vermeidung von Nierensteinen.
  • Methionin ist wichtig bei der Biosynthese von Kollagen und der dortigen Querverbindungen. Ein Mangel kann deshalb das Haarwachstum verlangsamen und zu Haarausfall führen.
  • Methionin kann durch Methylierung (Übertragung einer Methylgruppe) Histamin entschärfen und kann damit hilfreich bei Überempfindlichkeiten und Allergien sein. Es wirkt wie ein natürliches Antihistamin.
  • Eine gute Methionin-Versorgung ist ebenfalls wichtig, um Selen im Körper optimal verwerten zu können.
  • Bei Harnwegsinfekten kann Methionin prophylaktisch, als auch therapeutisch eingesetzt werden. Methionin säuert den Harn an, was zur Folge hat, dass das Wachstum der Bakterien, welche die Harnwegsinfekte auslösen, gebremst wird. Werden Antibiotika eingenommen, die besonders gut im säuerlichen Milieu funktionieren, wird deren Wirkung unterstützt. Das gilt etwa für Ampicillin.
  • Methionin ist für die Regeneration des Körpers vor allem in anabolen Phasen besonders wichtig.

Mit Recht darf also davon gesprochen werden, dass die Aminosäure Methionin wie ein Schutzschild im Körper funktioniert.

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Joachim Haid

Joachim Haid ist Geschäftsführer von Softfin und Initiator des Fitness- und Ernährungsprogramms PaleoMental, zudem Ernährungsberater und Fitnesstrainer mit A-Lizenz.

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