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Radikaler Vorschlag zur Pflege Staatliche Vollversicherung statt „Pseudo-Teilkasko“-Schutz

Eine Pflege-Vollversicherung werde alle Bürger mehr kosten, aber auch alle besser absichern, findet SZ-Redakteurin Kristiana Ludwig.
Eine Pflege-Vollversicherung werde alle Bürger mehr kosten, aber auch alle besser absichern, findet SZ-Redakteurin Kristiana Ludwig. © dpa/picture alliance

Die Pflegeversicherung in eine Vollversicherung verwandeln, die alle Kosten trägt – das sei zwar ein radikaler Vorschlag, aber unverzichtbar, um alle Bürger besser abzusichern. So lautet die Forderung der Süddeutschen Zeitung in einem Kommentar. Damit die Versicherungsbeiträge „nicht ins Unendliche steigen“, müsse der Staat zugleich Steuergeld in die Pflege stecken.

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Die Pflegeversicherung werde oft als „Teilkasko“ bezeichnet, dabei stimme der Vergleich nicht, meint die „Süddeutsche“-Journalistin Kristiana Ludwig in einem Kommentar der Zeitung. Wer sein Auto Teilkasko versichere, dürfe darauf vertrauen, dass die Versicherung mögliche Schäden abdecke, so Ludwig. In der Pflege zahle die Versicherung dagegen nur einen Zuschuss, das Kostenrisiko trage der Einzelne.

Dieses Prinzip führe zu einem großen Gerechtigkeitsproblem, findet die Autorin. Wohlhabende seien im Alter besser versorgt als arme Familien. „Oft sind es in diesen die Töchter und Schwiegertöchter, die den Eltern helfen“, konstatiert Ludwig. „Sie verzichten nicht selten auf ihren Job. Vor einem solchen Einschnitt im Leben schützt sie keine Versicherung.“

Der Staat müsse Pflege deshalb „endlich als Daseinsvorsorge begreifen“, heißt es, die er „genauso wie Bildung oder Rente“ gewährleiste. Ein Anfang wäre es, schreibt Ludwig, das Versicherungssystem umzubauen. „Genauso wie bei der Krankenkasse sollte künftig die Gemeinschaft für die Kosten aufkommen, gleichgültig, ob ein Mensch in seiner Wohnung gepflegt wird oder im Heim.“ Die Kasse bezahle ja auch jedes Medikament, argumentiert die Autorin, unabhängig davon, wo der Patient es einnehme.

„Steuergeld in die Pflege stecken“

Zahlen nennt die Autorin nicht und zur künftigen Finanzierung des neuen Systems äußert sie sich eher vage. „Damit die Versicherungsbeiträge nicht ins Unendliche steigen, muss der Staat Steuergeld in die Pflege stecken und zugleich den Geschäftemachern auf dem Pflegemarkt Grenzen setzen“, heißt es. So müsse sich jeder Bürgermeister in Zukunft „um eine funktionierende Infrastruktur für die Pflege kümmern“. Dazu gehörten auch Häuser, die tagsüber alte Menschen aufnähmen, damit pflegende Angehörige arbeiten könnten. „Sie sollten so selbstverständlich sein wie die Kita im Ort. Weil auch das Alter zum Leben gehört“, findet SZ-Redakteurin Ludwig.       

                                                                                      

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