Pfefferminzia: Herr Roß, dass Cyberversicherungen für Unternehmen sinnvoll sind, ist den meisten Versicherungsnehmern bewusst – anders im privaten Umfeld. Wie stehen Ihre Kunden zum Thema private Cyberversicherung?

Jan Roß: Ja, das ist in der Tat eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Es ist durchaus so, dass auch potenzielle Endkunden sich der abstrakten Gefahr bewusst sind. Nur das konkrete Risiko sehen sie nicht: „Was soll mir schon passieren, ich bin doch im Vergleich zu großen Firmen unbedeutend“, oder: „Ich mache doch so wenig am PC,“ sind hier ganz häufige Aussagen. Das fehlende Gefahrenbewusstsein im Privaten sehen wir ja auch in anderen Bereichen. Beispielsweise bei Anbietern von Antivirenprogrammen. Nur wenige Verbraucher sind wirklich bereit, hier Geld für ihre Sicherheit in die Hand zu nehmen.

Welche anschaulichen Beispiele haben Sie für Ihre Kunden parat, um auf die private Absicherung gegen Cyberrisiken aufmerksam zu machen?

Um möglichst genau und anschaulich auf Gefahren im Netz hinweisen zu können, haben wir bei Inter einen eigenen Blog zu dem Thema Cybersicherheit ins Leben gerufen. Hier schaffen wir für unsere Kunden nicht nur mit aktuellen Zahlen und Statistiken eine fundierte Faktenlage, sondern geben auch ganz konkrete Beispiele, um die Fülle verschiedener Risiken zu beleuchten – angefangen bei Schadsoftwareprogrammen über Risiken beim Onlineshopping bis hin zu Cybermobbing. Fälle, die natürlich auch unsere Berater im Gespräch aufgreifen können. Ebenso wie die Inhalte unserer Digidor-Kampagne, in der wir über Cyberrisiken aufklären.

Welche Schadenfälle kommen aus Ihrer Sicht am häufigsten vor?

Ganz klar sind das immer noch Phishing-Kampagnen. Allein in diesem Jahr wurden 36 Milliarden Phishing-Mails verschickt und es tauchten 115.000 Fake-Websites im Netz auf. Viel interessanter ist meiner Meinung nach aber die Frage, was die Zukunft bringt. Mit welchen Herausforderungen haben wir es zukünftig zu tun? Schon jetzt ist es ja so, das Cyberkriminelle wesentlich professioneller vorgehen, als noch vor einigen Jahren. Die Betrüger sind trickreicher geworden. Die Phishing-Mails viel persönlicher auf die Vorlieben der Nutzer zugeschnitten und sie sind auch viel hochwertiger. Früher konnte man die üblichen Anschreiben noch an Rechtschreibfehlern oder falscher Grammatik erkennen. Heute ist das längst nicht mehr so.

Erkennen Sie in puncto Phishing denn in Ihren Kundengesprächen ein gestiegenes Gefahrenbewusstsein beziehungsweise vielleicht haben die Kunden Angst davor, selbst Opfer werden zu können?

Es gibt da zwei Typen: die einen, die sich sehr sicher fühlen, die angeben auch auf Feinheiten der Seiten zu achten und meinen, alle Cyber-Tricks zu kennen. Und auf der anderen Seite die Vorsichtigen, die lieber gar nicht erst online einkaufen oder sich durch Dinge wie Online-Banking unnötigen Gefahren aussetzen wollen. Überraschenderweise sind es die sich sicher Fühlenden, die Betrügern öfters auf dem Leim gehen. Und dennoch sind sich auch solche Kunden, die bewusst mögliche Cybergefahren umschiffen, gar nicht der Tragweite des Themas bewusst. Auch, wenn wir online nicht einkaufen, hinterlässt ja jeder von uns digitale Fingerabdrücke – unser Kaufverhalten wird dokumentiert und Kreditkartendaten können ebenfalls abgefischt werden. Man kommt an vielen Punkten nicht mehr umhin, sich zusätzlich über weiteren Schutz Gedanken machen zu müssen. Genauso, wie wir unser Eigenheim schützen, indem wir Sicherheitsglas einbauen und gute Türschlösser, und uns dennoch zusätzlich gegen Einbruch- und Sturmschäden absichern, gilt das genauso online.