Das Vorurteil ist ein besonders übler Schurke. Nutzt es doch die blanke Unkenntnis als Waffe. So poetisch kann das wahrscheinlich nur eine Schauspielerlegende ausdrücken. In diesem Falle der gefeierte Hercule-Poirot-Darsteller Sir Peter Ustinov.

Dass voreilig gefasste Meinungen besonders hartnäckig sind und oft nur unter größter Mühe unschädlich gemacht werden können, erleben auch Versicherungsmakler jeden Tag. Vor allem in der Beratung zur privaten Krankenversicherung (PKV) sind Makler immer wieder mit Meinungen von Verbrauchern konfrontiert, die sie gerne mal mit „Ich-hab-da-neulich-gelesen“-Sätzen einleiten und die nicht immer auf belastbarem Wissen fußen. Andererseits: Wer will es den Menschen verdenken, dass sie verunsichert sind, wenn sie aktuelle Schlagzeilen wie diese lesen: „Die unmögliche Flucht vor steigenden Beiträgen in der privaten Krankenversicherung“ oder „PKV-Beiträge werden massiv steigen“.



Insofern ist es kaum verwunderlich, dass viele Verbraucher der folgenden Aussage zustimmen: „Umso älter man wird, desto teurer wird die private Krankenversicherung“  –  so zu hören von einer Passantin in einer kürzlich durchgeführten Straßenumfrage von Pfefferminzia TV im Auftrag der Inter Versicherungsgruppe. Was ist dran an dieser Aussage? Nun, Fakt ist zunächst einmal, dass die Beitragsdebatte alle anderen Themen im Zusammenhang mit der PKV klar überlagert. Das zeigt auch die jüngste Pfefferminzia-Umfrage zur privaten Krankenvollversicherung unter mehr als 300 Lesern: Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) sehen in der Sorge vor steigenden Beiträgen das Haupthindernis in der Vermittlung eines PKV-Tarifs (siehe Grafik auf der nächsten Seite) – mit deutlichem Abstand folgen die Hürden Versicherbarkeit von Familienmitgliedern (37,4 Prozent) sowie fehlendes Wissen unter den Kunden (32,3 Prozent).

Vorbehalte gründen häufig auf fehlender Transparenz

Ein Hauptgrund für die Vorbehalte der Bevölkerung gegen die PKV sei die fehlende Transparenz, meint Alexandra Markovic-Sobau, Leiterin des Vertriebs der Halleschen Krankenversicherung. „Genau genommen steigen nämlich die Beiträge in der GKV leicht stärker als in der PKV.“ Sie verweist dazu auf eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP). Demnach sind die Beiträge in der privaten Krankenversicherung seit 2007 durchschnittlich um 3,0 Prozent pro Jahr gestiegen, die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung  (GKV) aber um 3,2 Prozent. „Und das bei gleichzeitiger Verkleinerung  des  Leistungskatalogs der GKV“, wie die Hallesche-Managerin betont.

Gerd Güssler, Geschäftsführer des Analysehauses KVpro.de, setzt die durchschnittliche jährliche Beitragsentwicklung in der GKV sogar bei durchschnittlich 5 Prozent an. „Im vergangenen Jahr sind es 5,1 Prozent gewesen“, sagt der Analyst. Diese Entwicklung vollziehe sich „stillschweigend“, ohne dass die Menschen groß Notiz davon nähmen. „Eine GKV hat im Zeitraum von 1970 bis heute den Beitrag verfünfzehnfacht, den Beitragssatz verdoppelt und die Beitragsbemessungsgrenze versiebenfacht.“