Die DWS-Zentrale in Frankfurt am Main. © dpa/picture alliance
  • Von Achim Nixdorf
  • 17.06.2021 um 16:21
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 01:55 Min

Weil sich die Regierungskoalition auf keine Reform der Riester-Rente einigen konnte, zieht die Fondsgesellschaft DWS jetzt Konsequenzen: Zum 1. Juli wird sie das Neugeschäft mit Riester-Produkten komplett einstellen. Der deutsche Fondsverband BVI spricht von einem Schaden für die Sparer und übt scharfe Kritik an Bundesfinanzminister Olaf Scholz.

Diese Nachricht hat Signalwirkung: Zum 1. Juli wird die Fondsgesellschaft DWS ihr Neugeschäft mit sämtlichen Riester-Produkten einstellen. Diese Entscheidung habe man aufgrund der ausbleibenden Reformen zu dem Produkt getroffen, heißt es dazu in einer Mitteilung der Deutsche-Bank-Tochter. In Zeiten von Negativzinsen sei eine Bruttobeitragsgarantie einfach nicht mehr zeitgemäß. Man werde sich daher zukünftig verstärkt auf garantiefreie fondsbasierte Sparformen und Produktlösungen konzentrieren.

Mehr zum ThemaMehr zum Thema
„Total komplizierter, unrentabler Quatsch“

„Heute-Show“ verreißt Riester-Rente

„An der Zeit, über etwas Neues nachzudenken“

Generali-Deutschlandchef geht auf Distanz zur Riester-Rente

„Wir haben wirklich alles für die Verbreitung der kapitalgedeckten Vorsorge in Deutschland getan. In unserer Funktion als Treuhänder für unsere Kundinnen und Kunden zwingt uns die unterlassene Reform der Riester-Gesetzgebung leider dazu, bis zu einer Änderung keine neuen Verträge mehr anzunehmen, sagt Sebastian Mentel, Leiter Private Vorsorge und Vermögensaufbau bei der DWS.

In ihrem Koalitionsvertrag hätten CDU/CSU und SPD vereinbart, zügig die private Altersvorsorge zu reformieren. Trotzdem sei in der nun auslaufenden Wahlperiode keine gesetzliche Änderung eingebracht worden. Die Entscheidung, das Neugeschäft einzustellen, so Mentel, sei daher nötig, um die Interessen zukünftiger Anlegergenerationen zu schützen.

Beitragsgarantie als Bürde

Aus Sicht des Vermögensverwalters erweist sich die vollständige Beitragsgarantie der Riester-Produkte im Umfeld anhaltender Niedrigzinsen für Vorsorgesparer zunehmend als Bürde, da das Kapital fast ausschließlich in konservative und negativ rentierende Anleihen investiert werden müsse und so kein Spielraum für chancenreiche Aktienanlagen bleibe. Man habe sich deshalb schon vor Jahren dafür eingesetzt, dass der Gesetzgeber die verpflichtende Bruttobeitragszusage bei Riester-Produkten flexibler ausgestalte.

Bestandskunden nicht betroffen

Konkret betroffen von der Einstellung sind nach Angaben des Unternehmens die DWS Riester Rente Premium, der DWS Vermögenssparplan Premium, der DWS Premiumsparplan für Versorgungsausgleich und die DWS Top Rente. Die Einstellung betrifft nur das Neugeschäft, die Verträge der 665.000 Bestandskunden werden unverändert weitergeführt. Zudem werde auch die DWS Basis Rente Komfort, ein garantiefreies Rürup-Produkt, weiterhin verfügbar bleiben.

BVI: „Davor haben wir oft gewarnt“

Für Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI, kommt die Ankündigung der DWS nicht überraschend. „Die Bundesregierung hat ihr Versprechen gebrochen, die private Altersvorsorge in dieser Legislaturperiode zu reformieren. Eine politische Entscheidung, die Folgen hat: Anbieter ziehen sich vom Markt zurück, Sparer stellen ihre Sparbemühungen ein. Davor haben wir oft gewarnt, die Konsequenzen waren allen Entscheidungsebenen bekannt“, betonte er in einer ersten Stellungnahme.

Während Wissenschaftler, Verbraucherschützer und Anbieterverbände eine Abkehr von der 100-Prozent-Beitragsgarantie gefordert hätten, habe Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) nicht davon lassen können – wohlwissend, dass der Garantiezwang die Riester-Sparer seit Jahren unnötig Rendite koste und für die Anbieter zu viel Eigenkapital binde. „Parteipolitisches Taktieren war offenbar wichtiger als die Interessen von Millionen Riester-Sparern, die angesichts anhaltend niedriger Zinsen weiter das Nachsehen haben“, so Richter.

„Die Aufgabe bleibt: Wer die Altersvorsorge zukunftsfest machen will, braucht ein Gesamtkonzept. Eine tragfähige Lösung erfordert, die gesetzliche Rentenversicherung um eine kapitalgedeckte Komponente zu ergänzen. Flexible Garantien müssen im Niedrigzinsumfeld Bestandteil der geförderten Altersvorsorge sein. Es ist auch höchste Zeit für eine Entlastung der Kleinsparer.“

autorAutor
Achim

Achim Nixdorf

Achim Nixdorf ist seit April 2019 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

smiley-icon

achtung: Sie nutzen einen veraltete Version des Internet Explorer und daher kann es eventuell zu fehlerhaften Darstellungen kommen. Wir empfehlen den Internet Explorer zu aktualisieren oder Google Chrome zu nutzen.

verstanden!