Mitgründer und Geschäftsführer von Thinksurance: Christopher Leifeld. © Thinksurance
  • Von Manila Klafack
  • 27.05.2020 um 09:22
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lesedauer Lesedauer: ca. 02:25 Min

Digitale Plattformen werden für den Versicherungsvertrieb immer wichtiger. Worauf es dabei insbesondere im sehr komplexen Gewerbebereich ankommt, besprach Pfefferminzia mit Christopher Leifeld, Geschäftsführer und Mitgründer der Plattform Thinksurance.

Pfefferminzia: Vor einem Jahr haben Sie Ihr Unternehmen Gewerbeversicherung24 in Thinksurance umbenannt. Warum?

Christopher Leifeld: Als wir Anfang 2016 mit Gewerbeversicherung24 an den Start gegangen sind, war wesentlicher Bestandteil unseres Geschäfts, Online-Makler für gewerbliche Endkunden zu sein. Das hat sich im Laufe der Jahre grundlegend geändert. Wir haben uns voll und ganz zu einem Technologieanbieter entwickelt. Daher passte der ursprüngliche Name nicht mehr. Thinksurance spiegelt unser Ziel und die Strategie passend wider. Gewerbeversicherung24 lebt als eigenständige Marke jedoch weiter.

Und welches Ziel verfolgen Sie nun?

Die zentrale Plattform für den Versicherungsvertrieb zu sein. Wir streben dabei an, alle Gewerbeversicherungsprodukte für sämtliche Vertriebswege sowie die zugehörigen Prozesse vollständig digital abzuwickeln. Jeder Makler soll abgestimmt auf seine eigenen Vertriebsprozesse für seinen Geschäftskunden eine voll digitale und kundenzentrierte Beratung durchführen können – und zwar möglichst schnell und unkompliziert.

Wie bilden Sie das ab?

Indem wir als Technologieunternehmen Lösungen selbst entwickeln. Im Bereich des Vergleichsrechners bedeutet das beispielsweise knallharte Knochenarbeit: Manche Versicherungsunternehmen liefern uns bereits Schnittstellen zu ihren Produkten und Antragsstrecken. Doch meist gibt es keine. Wir müssen sie folglich selbst erstellen. Dazu erhalten wir die Tarifbücher der Versicherer. So haben wir schon mehr als 150 Tarife von Gewerbeversicherungen digitalisiert.

Mit welcher Technologie arbeiten Sie dabei?

Wir nutzen die vorliegenden Daten für selbstlernende Prozesse, also künstliche Intelligenz. Das sehen wir als Riesenchance an. Ein Beispiel: Wenn Underwriter ein Risiko ablehnen oder aber ein Angebot abgeben, können wir daraus Schlüsse ziehen und bei zukünftigen vergleichbaren Risiken dem Makler bereitstellen. Fehlt wiederum immer eine bestimmte Angabe, dann fragen wir die Angabe beim nächsten Mal automatisch im Voraus ab. Des Weiteren lernt das System von anderen Maklern aus der „Community“, beispielsweise während der Bedarfsanalyse, welche Versicherungen ein Unternehmen benötigt. Diese werden dann automatisch vorgeschlagen.

Welche Produkte haben Sie im Portfolio?

Alle Gewerbeprodukte aus über 45 Sparten können über die Plattform abgewickelt werden. Ein Drittel davon direkt über Vergleichsrechner, alle anderen über unsere Ausschreibungsplattform. Wichtig ist uns dabei zu betonen, dass unser Vergleichsrechner lediglich ein Baustein in unserem Angebot ist.

Worin unterscheiden Sie sich von Vergleichsrechnern?

Während reine Vergleichsrechner Produkte abgleichen, bekommt der Makler von uns eine vollständige und kundenzentrierte Vertriebsunterstützung. Das reicht von der Bedarfsanalyse über die Angebotsauswahl inklusive Ausschreibungsplattform bis hin zur Dokumentation. Lediglich ein Baustein in diesem Prozess betrifft den Vergleich. Wir arbeiten außerdem kundenorientiert aus Perspektive einer ganzheitlichen Beratungssituation. Ein Vergleichsrechner agiert dagegen produktorientiert.

Wie gewinnen Sie Versicherer?

Mittlerweile arbeiten wir mit allen relevanten Versicherern zusammen. Einzelne fehlende Angebote fragen wir nachfragegetrieben aktiv an. Ein großer Vorteil unseres Konzepts besteht in unserer Datenkompetenz. Im Rahmen unseres Data Analytics Angebots bieten wir Unterstützung in den Bereichen Marktnachfrage, Marktangebot und Produkt- sowie Preisbenchmarking.

Wie viele Nutzer haben sich bei Ihnen bislang angemeldet?

Derzeit haben wir über 37.000 registrierte Nutzer. Damit konnten wir unsere Zahlen von 2018 zu 2019 mehr als verdoppeln und setzen das Wachstum 2020 fort.

 Und wer greift auf Ihr Angebot zu?

Wir zählen sowohl Pools, Verbünde und Vertriebe, Groß- und Industriemakler, digitale Geschäftsmodelle als auch Banken zu unseren Vermittler-Kunden.

Welche Auswirkungen haben Sie aufgrund der Corona-Pandemie festgestellt?

Bei Gewerbeversicherungen war der Anteil an persönlichen Gesprächen immer sehr hoch, deutlich höher als im Privatkundenbereich. Die Kontaktbeschränkungen haben sich daher sehr stark ausgewirkt, der Bedarf nach digitaler Unterstützung ist deutlich gestiegen, unter anderem bei der Risikoerfassung. Hier bieten wir nun auch digitale Unterstützung mit der Risikoerfassung @Home.

 Wie kann ein interessierter Makler Ihr Angebot nutzen?

Für kleinere Vertriebspartner, die bereits an einen Pool angeschlossen sind, empfiehlt sich der Weg darüber. Bei allen führenden Pools sind wir meist mit einem White-Label-Angebot als „Gewerbeplattform“ vertreten. Für Makler mit besonderen Ansprüchen oder auch für diejenigen, die viel oder gar ausschließlich Gewerbeversicherungen vermitteln, ist oftmals eine eigene Lizenz lohnenswert.

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach ihrer Ausbildung zur Redakteurin verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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