Marktdurchbruch möglich „Wanna-Cry“-Attacke könnte Cyber-Policen-Absatz befördern

Die weltweite Welle von Cyber-Attacken hat auch die Deutsche Bahn getroffen - beispielsweise den Hauptbahnhof Leipzig.
Die weltweite Welle von Cyber-Attacken hat auch die Deutsche Bahn getroffen - beispielsweise den Hauptbahnhof Leipzig. © dpa/picture alliance

Die verheerenden Schäden infolge des Cyber-Angriffs „Wanna Cry“ könnten Cyber-Versicherungen zum Durchbruch verhelfen. Bislang verfügen nur wenige Unternehmen in Deutschland über einen Versicherungsschutz, der sie vor Schäden durch eine Schadsoftware absichert. „Das wird viele Firmen zum Nachdenken bringen“, meint Versicherungsmakler Sven Erichsen.

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In Frankreich stehen Renault-Fabriken still, der britische Gesundheitsdienst sagt Operationen ab, der spanische Telefonanbieter Telefonica muss ganze Abteilungen schließen – so schildert die Süddeutsche Zeitung (SZ) die Folgen der Cyber-Attacke durch die Schadsoftware Wanna Cry – und stellt die Frage, ob dies die Nachfrage von Unternehmen nach Cyber-Versicherungen deutlich befördern wird.

Vor allem in Deutschland sehen die SZ-Redakteure Nachholbedarf, was die finanzielle Absicherung von Hacker-Attacken anbelangt, die unter anderem zu Betriebsunterbrechungen, Datenverlusten und Datendiebstählen führen können sowie zu damit verbundenen Schadenersatzansprüchen von Kunden oder Patienten. Eine Cyber-Police kommt für all diese Kosten auf.

Während allerdings das Prämienvolumen für Cyber-Versicherungen in den USA bei rund drei Milliarden Euro liegt, sind es hierzulande nur 90 Millionen Euro, wie die SZ unter Berufung auf Schätzungen der Unternehmensberatung KPMG berichtet. Zum Vergleich: Für die Versicherung gegen Feuer zahlten deutsche Unternehmen mehr als sechs Milliarden Euro.

Versicherer werden vor Abschluss genau prüfen

Wanna Cry werde dazu führen, dass Versicherer ihre Strategie überprüften, heißt es in dem Beitrag. „Auf jeden Fall werden sie vor den Abschluss noch genauer hinsehen, wie ihre Kunden sich gegen Cyber-Angriffe geschützt haben“, zitiert die SZ, den auf Cyber-Risiken spezialisierten Versicherungsmakler Sven Erichsen. Außerdem würden die Anbieter darauf bestehen, dass die Unternehmen ihre Software „immer aktuell halten“, so Erichsen.

Auch die Politik hat sich dem Thema angenommen: Finanzminister Wolfgang Schäuble verlangte bereits beim G-7-Gipfel im italienischen Bari den Aufbau eines Versicherungssystems gegen Cyber-Angriffe. „Es geht jetzt auch um eine Versicherung gegen Cyber-Attacken“, sagte der Finanzminister nach den Wanna-Cry-Attacken laut SZ. So wurde bekannt, dass es auch bei Notenbanken und Finanzinstituten zahlreiche Vorfälle gegeben habe. Bis Ende Oktober soll es konkrete Vorschläge geben.

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