Ein Mann im Rollstuhl: Jeder kann berufs- oder arbeitsunfähig werden – die richtige Absicherung ist daher wichtig. © picture alliance / Winfried Rothermel | Winfried Rothermel
  • Von Juliana Demski
  • 23.06.2020 um 17:10
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Wer als gesetzlich Versicherter dauerhaft erkrankt und sich nicht mehr in der Lage sieht zu arbeiten, kann als „Frührentner“ bei der Deutschen Rentenversicherung eine Erwerbsminderungsrente beantragen. Doch von den gut 350.000 Menschen, die 2017 einen Antrag stellten, ging etwa die Hälfte leer aus. Auf diese und weitere Bewilligungsquoten anderer Rententräger hat nun der Versicherungsmakler Matthias Helberg hingewiesen.

„Wer nicht privat vorsorgt, falls er zu krank zum Arbeiten wird, fällt im Fall des Falles wie bei der staatlichen Altersrente in ein finanzielles Loch“, sagt der Versicherungsmakler Matthias Helberg. Um seine These zu untermauern hat Helberg diverse Daten aus dem Jahr 2017 zusammengetragen und grafisch aufbereitet (siehe Schaubild unten). Denn viele Deutsche unterschätzten nach wie vor das Risiko, den Beruf frühzeitig nicht mehr ausüben zu können, sagt der Makler.

Die wichtigsten Ergebnisse lauten: Insgesamt 422.126 Anträge auf „Frührente“ wurden hierzulande von Menschen eingereicht, in denen sie angaben, dauerhaft zu krank zum Arbeiten gewesen zu seien. Geld bekamen mit 228.130 Menschen aber nur etwas mehr die Hälfte von ihnen.

Dazu muss man wissen: Was in der Umgangssprache als Frührente bezeichnet wird, setzt sich im Detail aus den Renten mehrerer Systeme zusammen. Der Löwenanteil dieser 422.126 Anträge entfiel demnach auf die Erwerbsminderungsrente. Diese darf nur von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten beantragt werden oder von Selbstständigen, die freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

Erwerbsminderungsrente

Helberg zufolge wurden 2017 insgesamt 350.547 Anträge auf Erwerbsminderungsrente gestellt. Für gut die Hälfte der Anträge gab es grünes Licht (50,5 Prozent): Das Durchschnittsalter der Betroffenen betrug 51,9 Jahre. „Wessen Antrag bewilligt wurde, bekam im Durchschnitt eine Erwerbsminderungsrente in Höhe von 716 Euro im Monat ausgezahlt. Der Beitrag zur Krankenversicherung der Rentner war davon bereits abgezogen, Steuern nicht“, berichtet der Makler in seinem Blog-Beitrag.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Bei anderen Rententrägern sehen die Bewilligungsquoten immerhin etwas besser aus. So haben etwa die privaten Lebensversicherer 2017 laut Angaben des Versicherungsverbandes GDV immerhin zwei Drittel der dort eingereichten 61.549 Anträge auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung bewilligt. Insgesamt waren es demnach 41.041 Fälle.

Dienstunfähigkeitsrente

Zu dienstunfähig gewordenen Beamten liegt nur die Zahl genehmigter, nicht aber beantragter Renten vor. Gut 10.000 bewilligte Frühpensionen für erkrankte Staatsdiener nennt das Statistische Bundesamt für das Jahr 2017, wie Makler Helberg darlegt. Für Freiberufler wie Ärzte und Rechtsanwälte, die in eigene Versorgungswerke einzahlen, liegen demnach gar keine Zahlen vor.

„Es ist erschütternd, wie viele Menschen in Deutschland allein in einem einzigen Jahr langfristig zu krank zum Arbeiten werden. Nicht weniger tragisch ist, mit wie wenig Rente gesetzlich Versicherte dann auskommen müssen – falls sie überhaupt etwas bekommen“, kommentiert Makler Helberg seine Zahlenbilanz.

Problematisch sei auch, dass den Frührentnern trotz der zwischenzeitlich beschlossenen Erhöhung der Erwerbsminderungsrenten deutliche Einkommensverluste blieben, so der Experte. Der durchschnittliche monatliche Nettolohn eines Arbeitsnehmers habe im Jahr 2017 bei 1.949 Euro gelegen. Unbekannt sei zudem, wie viele Frührentner sowohl eine staatliche Rente als auch eine private Berufsunfähigkeitsrente bekommen.

„Ohne konkrete Zahlen wissen die Menschen nicht, was im Ernstfall auf sie zukommt“, fast Helberg sein Ansinnen zusammen.

Quelle: Helberg.info

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Juliana Demski

Juliana Demski ist Werksstudentin bei Pfefferminzia und unterstützt die Redaktion in der täglichen Berichterstattung.

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