Verschlüsse eines Sattelaufliegers sichern die Ladung eines Lkw auf einem Parkplatz an der Autobahn 2 bei Garbsen. Immer wieder kommt es zu Diebstählen auf Rastplätzen durch sogenannte Planenschlitzern. © dpa
  • Von Lorenz Klein
  • 10.01.2020 um 04:09
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Die Ladung eines Lkw zu stehlen wird von Kriminalexperten als lukrativer eingeschätzt als ein Banküberfall. Eine Transportversicherung deckt Risiken im Güterverkehr ab – und schützt sowohl Hersteller als auch Logistiker.

Nachdem der Lastwagen über Nacht auf einem Autohof in Wertheim-Bettingen abgestellt worden war, schlugen die Diebe zu. Der Fahrer, der am nächsten Morgen sein Gespann überprüfte, fand die hintere Ladetür offen vor: Die Plombe zum Versiegeln war herausgerissen, die Plane aufgeschlitzt. Mehrere neue Fahrräder wurden gestohlen, berichtet die Polizei laut „Main Post“ über den Vorfall, der sich 2019 in einer Novembernacht zugetragen hatte.

Was sich, wie hier geschehen, in der Regel in tiefster Dunkelheit auf deutschen Autobahnrastplätzen abspielt, ist der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Dabei ist das Ausmaß gewaltig: Jedes Jahr werden hierzulande die Ladungen von fast 26.000 Lkw gestohlen, machte der Versicherungsverband GDV bereits im Februar 2018 auf das kriminelle Treiben aufmerksam. Statistisch gesehen schlagen die Täter somit alle 20 Minuten zu. „Allein die gestohlenen Güter haben einen Wert von 1,3 Milliarden Euro, weitere Schäden von 900 Millionen Euro entstehen durch Konventionalstrafen für Lieferverzögerungen, Reparaturkosten sowie Umsatzeinbußen und Produktionsausfälle bei den eigentlichen Abnehmern“, fassen die Schadenexperten des GDV zusammen.

„Der Ladungsdiebstahl ist lukrativer als Bankraub“, berichtete der „Spiegel“ im März dieses Jahres und berief sich bei dieser Aussage auf Expertenkreise. Björn Kupfer, Referent Transportversicherung beim GDV, erklärt, warum dieser Vergleich aus seiner Sicht zutreffend ist: „Eine Lkw-Ladung voller Smart­phones geht in die Millionenwerte. Wenn die Täter gefasst werden und niemanden bedroht oder verletzt haben, dann ist das zwar immer noch ein besonders schwerer Diebstahl – aber gemessen am spektakulären Bankraub fällt die ­Strafe vergleichsweise milde aus.“ Kupfer zieht daher folgendes Fazit: „Viel Beute, die von den Tätern zwar erst noch zu Geld gemacht werden muss, gepaart mit einem geringen Entdeckungsrisiko, macht solch ein Vorgehen interessant.“

Auch Mathias Bergel, Manager Risk Engineering beim Versicherer Ergo, teilt diese Einschätzung. „Ladungsdiebstahl wird noch immer nicht so beachtet und behandelt wie andere kriminelle Delikte. Die Täter hatten oftmals keine tiefergehenden Ermittlungen zu befürchten. Meiner Einschätzung nach ändert sich das jedoch – 2019 waren einige Erfolge in der Ermittlungsarbeit zu verzeichnen.“

„Ladungsdiebstahl ist in den seltensten Fällen eine Zufallstat“

Diese positive Entwicklung beobachtet auch der GDV-Experte. Kupfer macht der sogenannten Projektgruppe Cargo, die vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt aufgebaut wurde, „ein großes Kompliment“. Zuletzt kam es demnach zu Rückgängen von 50 bis 80 Prozent bei Ladungsdiebstählen auf Autobahnen in der polnischen Grenzregion. Viele Täter seien von den Beamten aufgespürt und auch aufgescheucht worden, so Kupfer.

„Ladungsdiebstahl ist in den seltensten Fällen eine Zufallstat, sondern in der Regel hervorragend geplant“, weiß Ergo-Manager Bergel. Über Informanten kommen die Kriminellen an sensible Daten zu Ladung, Route und Stellplatz des Fahrzeugs, oder sie operieren mit Erkundungsteams auf den Parkplätzen – den sogenannten Planenschlitzern. „Erkundungsteams, Abgreifer, Transporteure, Lagerhalter und Verkäufer sind zumeist unterschiedliche Personen, die sich oft nicht kennen und nicht wissen, woher der Auftrag stammt“, erklärt der Schadenexperte der Ergo.

Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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