Der Paukenschlag blieb bisher aus: Im Bundestagswahlkampf 2017 spielte das Thema private Krankenversicherung (PKV) im Vergleich zu anderen Wahljahren eher eine Nebenrolle. Nun ist das Thema Bürgerversicherung durch die Verhandlungen zu einer möglichen Großen Koalition aus Unionsparteien und SPD zwar wieder auf dem Tisch. Allerdings erteilte die Kanzlerin dem Konstrukt jüngst eine Absage.

Aus Sicht des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) ist das natürlich gut so. Er warnt in einem eigens erstellten Flyer „Vorsicht Einheitskasse“ vor der Bürgerversicherung. Die Folgen eines solchen Systems seien weniger Wettbewerb, weniger Selbstbestimmung und ein eingeschränkter Leistungskatalog für alle. Zudem zeige die Erfahrung in anderen Ländern, dass in diesem System nur diejenigen den Zugang zur Spitzenmedizin haben, die es sich leisten können.

Besteht überhaupt Bedarf nach einer Änderung des Gesundheitssystems hierzulande? Wohl eher nicht. Zumindest zeigt eine Studie des Krankenversicherers Continentale vom September 2017, dass 89 Prozent der Befragten mit ihrer Krankenversicherung zufrieden sind. Und 86 Prozent halten das deutsche Gesundheitswesen für eines der leistungsstärksten der Welt. Weitere 73 Prozent sind der Meinung, dass die PKV dauerhaft eine gute medizinische Versorgung sichern wird. 65 Prozent trauen das Gleiche der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu. Und rund drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass sie weiterhin vom medizinischen Fortschritt profitieren werden, sowohl in der PKV (76 Prozent) als auch in der GKV (72 Prozent).

Also ist doch alles im Lot, oder? Nicht ganz. Denn nach wie vor sinkt die Zahl der neu abgeschlossenen PKV-Vollversicherungen – wenn auch mit deutlich gebremstem Schaum. „Allein ein kontinuierlicher Anstieg der Jahresarbeitsentgeltgrenze der vergangenen Jahre erschwert den Wechsel eines Angestellten von der GKV in die PKV“, sagt Abdulkadir Cebi, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Rating-Agentur Assekurata.