EZB-Chefin Christine Lagarde im November 2019 mit 20 Euro: Dessen Kaufkraft lag Ende Juni 2022 unter 18 Euro © picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst
  • Von Andreas Harms
  • 08.08.2022 um 17:21
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Die Zinswende hat Renditen steigen und Anleihekurse fallen lassen. Und die Zentralbank hat sich nun doch aufgemacht, der Inflation entgegenzutreten. Wie gehen Versicherer damit um? Wir haben nachgefragt und einige Auskünfte erhalten.

Eine Abfrage bei vier Versicherern zeigt, wie sehr diese mit der Europäischen Zentralbank (EZB) hadern. Berücksichtigt man noch die normalerweise vorhandene professionelle Höflichkeit, ergeben sich recht deutliche Worte. Zum Beispiel von der Signal Iduna. Dort stellt man einerseits auf Anfrage von Pfefferminzia klar: „Die Eindämmung der Inflation ist eine Kernaufgabe der Zentralbanken.“ Doch sofort schiebt man nach, dass die EZB eben diese vornehme Aufgabe lange vernachlässigt hat, „in der Hoffnung, dass sich die aufkommende Inflation auch ohne Eingriffe wieder verflüchtigen werde“.

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Über Licht und Schatten der gestiegenen Zinsen

Ähnlich reserviert fällt das Urteil bei der HDI-Gruppe aus. So teilt ein Sprecher auf Anfrage von Pfefferminzia mit: „Sie [die EZB] hat einerseits in ihren Inflationsprognosen die tatsächliche Entwicklung mehr als einmal unterschätzt. Andererseits hat sie Zweifel geweckt, inwieweit das Mandat der Geldwertstabilität tatsächlich im Mittelpunkt steht oder ob auch eine eigentlich untersagte Staatsfinanzierung beabsichtigt wurde.“

Bei der Bayerischen sieht man die EZB deshalb in einem Dilemma: „Sie will die Zinsen eigentlich nicht erhöhen, um die Risikotragfähigkeit der Staaten und damit ihre eigene Existenz nicht zu gefährden“, heißt es von dort. Weshalb man folgendes annimmt: „Die EZB muss die Zinsen erhöhen, wird das aber nur soweit machen wie die eigene Forward Guidance zur Inflation das erzwingt.“

2024 nur noch 2,1 Prozent Inflation?

Und in dieser Hinsicht zeigen sich die Zentralbanker offenbar recht entspannt. Zwar rechnen sie für dieses Jahr mit 6,8 Prozent Inflation, für 2023 aber schon mit 3,5 Prozent und 2024 nur noch mit 2,1 Prozent. Da muss man doch gar nicht allzu stark eingreifen, oder?

Doch egal, wie weit sich die Zentralbank nach ihrem Zinsschritt um einen halben Prozentpunkt im Juli nun weiter bewegt – am Anleihemarkt ist die Zinswende bereits angekommen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt dauerhaft über null. Zurzeit sind es schier unglaubliche 0,88 Prozent. Allerdings greift wie immer die Regel, dass Anleihekurse sinken, wenn die Renditen steigen (mehr dazu erfahren Sie hier). Gemessen am Anleihe-Index Rexp verloren Bundesanleihen in der ersten Hälfte des Jahres über 7 Prozent an Wert.

Wie viel das ausmacht, dabei lassen sich die angefragten Unternehmen nicht so richtig in die Karten gucken. Teils zu Recht, wie die Signal Iduna beispielsweise darlegt: „Unsere Kapitalanlagestrategie orientiert sich im Schwerpunkt an den versicherungstechnischen Verpflichtungen.“ Von sämtlichen Geldanlagen des Konzerns liegen 82 Prozent in Anleihen, und die vorherige Aussage heißt frei übersetzt: Die Papiere werden ungefähr dann fällig, wenn der Versicherer das Geld für seine Kunden braucht. Insofern ist es tatsächlich einigermaßen egal, was in der Zwischenzeit mit dem Anleihekurs passiert – abgerechnet wird im Normalfall am Schluss zu 100 Prozent. Wobei es sich als Vorsichtsmaßnahme lesen lässt, dass die Vermögensmanager derzeit bei Käufen die Laufzeiten etwas kürzer wählen (je kürzer die Laufzeit, desto geringer schwankt der Kurs).

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Andreas Harms

Andreas Harms ist seit Januar 2022 Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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