GDV-Prä­si­dent Wolf­gang Wei­ler © GDV
  • Von Lorenz Klein
  • 08.04.2020 um 18:13
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Wolfgang Weiler, Präsident des Versicherungsverbandes GDV, hat die Versicherer gegen Kritik an deren Agieren in der Corona-Krise verteidigt. „Niemand darf von unserer Branche erwarten, wirtschaftliche Schäden zu übernehmen, die gar nicht versichert sind“, erklärte Weiler in einem Statement. Den Aufbau eines Solidaritätsfonds unter Führung des GDV, wie in Maklerkreisen gefordert, wird es wohl nicht geben.

„Katastrophen gehören zu unserem Geschäftsmodell“, sagt Wolfgang Weiler, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) – doch diesmal sei vieles anders, fügt Weiler hinzu. In einem ausführlichen Statement hat der GDV-Präsident Stellung bezogen zur Lage der Versicherer in der Corona-Krise. Dieses wurde am Mittwoch auf der Website des GDV veröffentlicht.

Darin verweist Weiler auf die Dimension der aktuellen Krise und betont zugleich, dass die Branche ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nehme. Dies gilt Weiler zufolge auch im Hinblick auf die Betriebsschließungsversicherung. Bei diesem Thema ist eine Debatte darüber entbrannt, ob und in welchem Umfang die Policen für Schäden aufkommen müssen, die Einzelhändler, Hotels und Gaststätten aufgrund behördlich verfügter Schließungen erlitten haben beziehungsweise weiterhin erleiden.

Lob für bayerische Lösung

Weiler lobte ausdrücklich den am vergangenen Freitag erzielten Kompromiss zwischen dem bayerischen Wirtschaftsministerium, regionalen Wirtschaftsverbänden und einigen Versicherungsunternehmen (wir berichteten). Dadurch sei gewährleistet, „geschlossenen oder teilweise geschlossenen Unternehmen mit schneller Liquidität beiseite zu stehen“, so Weiler. Zudem verwies der GDV-Präsident auf „weitere gute Initiativen, mit denen Versicherer an der Seite ihrer Kunden stehen, wie etwa die Einrichtung eines umfangreichen Solidaritätsfonds“.

„Kulanz hat ihre Grenzen“

Auf die Kritik, etwa von den Vermittlerverbänden AfW und BDVM, wonach der Aufbau eines derartigen  Solidaritätsfonds nicht nur von einzelnen Versicherern – bis dato durch die Generali –, sondern vom Verband selbst vorangetrieben werden sollte, ging Weiler in seinem Statement nur indirekt ein: So sehr sich die Branche auch bemühe, ihren Kunden „in dieser schweren Zeit beizustehen: Kulanz hat ihre Grenzen“, führte der GDV-Präsident aus.

„Sie lässt sich nicht klar ziehen, auch nicht daraus ableiten, was dem einen Kunden oder von dem einen Versicherer zugesprochen wird. Jeder Fall ist einzeln abzuwägen – unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände. Wie groß ist die Not des Kunden, wie eng die Geschäftsbeziehung? Und inwieweit kann auch der Versicherer die Zugeständnisse vertreten?“

„Niemand darf von unserer Branche erwarten, wirtschaftliche Schäden zu übernehmen, die gar nicht versichert sind“, stellte Weiler klar. Denn da sei ja noch ihre Verantwortung gegenüber allen anderen: den Mitarbeitern, den Vertriebspartnern, den Eigentümern und vor allem den übrigen Kunden. „Sie müssen sich darauf verlassen können, dass die Versicherer ihre berechtigten Ansprüche jederzeit erfüllen“, so Weiler. Das gelte ganz besonders in dieser „für uns alle so schwierigen Lage, die Bundeskanzlerin Angela Merkel zutreffend als größte Herausforderung für unser Land seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet hat“.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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