Anästhesisten bereiten einen Patienten auf eine Operation vor. © picture alliance/Marijan Murat/dpa
  • Von Juliana Demski
  • 17.02.2020 um 13:51
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Das duale System von gesetzlicher (GKV) und privater (PKV) Krankenversicherung sorgt laut einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung für deutlich teurere Krankenkassenbeiträge. Wären alle Bürger gesetzlich krankenversichert, würde das in der GKV für ein finanzielles Plus in Höhe von rund 9 Milliarden Euro sorgen. Der PKV-Verband kritisiert die Studie scharf.

Die gesetzlich Krankenversicherten sind die Verlierer des dualen Systems von GKV und PKV. So lautet das Ergebnis der Studie „Geteilter Krankenversicherungsmarkt“ des Berliner IGES Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Rund 9 Milliarden Euro gingen den Krankenkassen jährlich durch die Lappen, weil sich Privatversicherte dem solidarischen Risikoausgleich entzögen.

Wären hingegen alle Bundesbürger automatisch gesetzlich versichert, könnten alle Mitglieder und deren Arbeitgeber pro Jahr durchschnittlich 145 Euro an Beiträgen sparen. Gleichzeitig könnte auch der Beitragssatz in der GKV um 0,6 bis 0,2 Prozentpunkte sinken. Würden die durch den Wegfall der PKV anfallenden Honorarverluste der Ärzte ausgeglichen, wären es 48 Euro jährlich.

Gesünder, reicher, günstiger

Grund dafür seien die vielen Gutverdiener, Beamten und einkommensstarke Selbstverdiener, die bisher noch privat versichert seien. Denn zum einen verdienen PKV-Kunden laut Studie im Schnitt 56 Prozent mehr als gesetzlich Versicherte und tragen somit zu einem deutlich höheren Beitragsaufkommen bei. Zum anderen seien Privatversicherte aber auch gesünder: Unter ihnen sei der Anteil mit mindestens einem Krankenhausaufenthalt pro Jahr mit 17 Prozent deutlich geringer als bei GKV-Mitgliedern (23 Prozent). Chronische Krankheiten, Behinderungen oder Pflegebedürftigkeit seien laut Studie deutlich häufiger in der GKV zu finden.

„Nur wenn sich alle Versicherten unabhängig vom Einkommen zusammentun, um die Risiken zwischen Gesunden und Kranken auszugleichen, kann eine tragfähige Solidargemeinschaft entstehen“, sagt Brigitte Mohn vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung. „Die Aufspaltung der Krankenversicherung in einen gesetzlichen und einen privaten Zweig wird diesem Solidaranspruch nicht gerecht und schwächt den sozialen Zusammenhalt.“ Die Mehrheit der Bürger befürworte daher aktuellen Umfragen zufolge eine integrierte Krankenversicherung ohne Aufspaltung nach Einkommens- oder Berufsgruppen.

„Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können“, sagt auch Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung. „Das ist der Preis dafür, dass sich Deutschland als einziges Land in Europa ein duales Krankenversicherungssystem leistet.“ Das Missverhältnis verschärfe sich, so Etgeton, noch dadurch, dass zuletzt wieder mehr Versicherte von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung gewechselt seien, als umgekehrt.

Die Studie untersuchte ebenfalls den Zusammenhang der regionalen Verteilung von Privatversicherten und der Niederlassung von Ärzten am Beispiel Bayern. Das Ergebnis: In Gegenden mit einer hohen Ärztezahl waren auch überdurchschnittlich viele Privatpatienten ansässig. „Einen ursächlichen Zusammenhang konnten wir in der Studie zwar nicht nachweisen. Ich gehe aber davon aus, dass die im Schnitt 2,5-fach höhere Vergütung ärztlicher Leistungen für Privatpatienten die Anreize für Ärzte verstärkt, sich in den bereits gut versorgten Gegenden mit vielen Privatversicherten niederzulassen“, sagt Etgeton. „Dieses Umsatzplus kommt daher nur einem Teil der Ärzte zugute.“

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Juliana Demski

Juliana Demski ist Werksstudentin bei Pfefferminzia und unterstützt die Redaktion in der täglichen Berichterstattung.

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