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Kommentar „Handyversicherung ist mehr als nur Diebstahlschutz“

Ein gesplitterter Touchscreen eines Smartphones: Vor allem Displayschäden kommen häufig vor.
Ein gesplitterter Touchscreen eines Smartphones: Vor allem Displayschäden kommen häufig vor. © dpa/picture alliance

Handyversicherungen lohnen sich nicht. Das berichteten vergangene Woche die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg. Tobias Haff, Geschäftsführer Betrieb des Insurtechs Massup, hält nun dagegen. Die Verbraucherschützer hätten den Kern des Produktes nicht verstanden.

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Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg haben neue Erkenntnisse verkündet. Per Umfrage untermauert, stellen sie fest, dass die meisten Kunden bei einem Handy-Diebstahl keine Leistung erhalten würden. Das stimmt. Tatsächlich bestehen hohe Anforderungen an den Kunden, wenn er Schutz bei Diebstahl in Anspruch nehmen will. Der Kern des Produkts wurde aber nicht erkannt.

Nichts ist einfacher als ein Gerät „verschwinden“ zu lassen. Genau deshalb wird auch das „Liegenlassen" nicht mehr versichert. Die Missbrauchspotenziale sind schlichtweg zu groß. Das betrifft die Handyversicherung insgesamt. Und zeigt sich jedes Mal wieder eindrucksvoll, wenn einer der großen Hersteller ein neues Premium-Gerät auf den Markt bringt. Aus dem Nichts kommt es plötzlich zu einer Schadenwelle bei den Vorläufergeräten. Gerätetausch oder Kaufpreiszuschuss per Handyversicherung ist ein Volkssport.

Die „echten“ Schäden passieren in einem anderen Bereich. Ich kenne keinen Fall von Diebstahl. Dafür sehe ich ständig Handys mit kaputtem Display. Es sind die Sturz-, Bruch und Flüssigkeitsschäden, die den Versicherer Geld kosten. Kaputte Displays und funktionsuntüchtige Geräte machen Schadenfrequenz und Leistung an den Kunden aus.

Man kann den Diebstahlschutz ausschließen

Wer davon ausgeht, dass der Versicherer sowieso nicht zahlt, kann sich die Prämie sogar sparen. Im Fall des Diebstahlschutzes ist es recht einfach. Viele Tarife sehen die Möglichkeit vor, darauf zu verzichten. Ein Hinweis darauf ist sinnvoller als unterschwellig den Sinn der Versicherung durch die Betrachtung eines Teilbereichs infrage zu stellen. Diese schlaglichtartige Betrachtung bringt zwar Aufmerksamkeit für den Herausgeber, hilft aber sonst nicht weiter.

Statt sich einseitig nur auf ein abgesichertes Risiko zu stürzen, ist die Frage interessant, ob die Handyversicherung insgesamt sinnvoll ist. Aus Sicht eines existenziell abzusichernden, finanziellen Risikos ist das Ergebnis ein klares Nein. Sie ist dennoch weit verbreitet und bei den Kunden beliebt.

Schaltzentrale des Lebens

Das Smartphone ist für viele die Schaltzentrale des Lebens: Kommunikation, Nachrichten, Fotoalbum, Navi und Lexikon zum Mitnehmen. Wer einen Eindruck erhalten will, welch zentrales Element es geworden ist, dem empfehle ich einen Tag in der Handyabteilung eines Elektromarkts. Dort ist inzwischen der Brennpunkt für die Gefühle von Freiheit und sozialer Teilhabe.

Das ist der Grund, dass 40 Prozent der Unter-30-Jährigen und 17 Prozent aller Erwachsenen laut Forsa-Umfrage angeben, ihr Handy versichert zu haben. So erklären sich auch die kontinuierlich steigenden Preise für Premium-Geräte und damit eine einzigartige Entwicklung im Elektronikbereich, der sonst nur stetigen Preisverfall kennt.  
Ein kritischer Blick auf die Angebote ist wichtig. Wer aus Sicht des Kunden denkt, sollte dann aber bitte umso mehr auf das Gesamtprodukt schauen und nicht nur auf Teilbereiche davon. Handyversicherung ist mehr als nur Diebstahlschutz.

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