Ein Richterhammer im Gerichtssaal: Die Mehrheit der Deutschen unterschätzt Anwalts- und Gerichtskosten. © picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann
  • Von Juliana Demski
  • 10.11.2021 um 07:48
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Einer aktuellen Umfrage zufolge kann die Mehrheit der Deutschen Anwalts- und Gerichtskosten nicht richtig einschätzen. Dass vor allem viele junge Bundesbürger kein Interesse an einer Rechtsschutzversicherung zeigen, sei ein Zeichen von „trügerischer Sicherheit“, so Jens Lison, Vorstand der Württembergischen Versicherung.

Mit 88 Prozent der unterschätzt die klare Mehrheit der Deutschen potenzielle Anwalts- und Gerichtskosten nach der ersten Instanz, wie eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Württembergischen zeigt. Als Beispiel diente in der Befragung ein Unfall mit einem Sachschaden in Höhe von 10.000 Euro. Laut dem Versicherer würden hier in etwa 5.000 Euro anfallen. 69 Prozent der Befragten gehen von weniger als 3.000 Euro aus.

Gleichzeitig empfinden 42 Prozent derjenigen ohne Rechtsschutz die Kosten für eine Versicherung als zu hoch. Das ist ein möglicher Grund dafür, dass nach Angaben der Württembergischen nur rund jeder zweite Befragte (52 Prozent) eine Rechtsschutzpolice abgeschlossen hat. Jeder Fünfte (20 Prozent) plant aber immerhin einen Abschluss.

„Jüngere wähnen sich in trügerischer Sicherheit“

Anders ist das bei jungen Menschen: 41 Prozent der 18- bis 24-Jährigen planen auch künftig keinen Abschluss. Denn 28 Prozent von ihnen gehen davon aus, nie in einen Rechtsstreit verwickelt zu werden, und 40 Prozent haben sich noch nicht damit beschäftigt.

„Die Jüngeren wähnen sich in trügerischer Sicherheit“, kommentiert Jens Lison, Vorstand der Württembergischen Versicherung. „Dabei lauern zum Beispiel im Internet zahlreiche Gefahren durch Social-Media-Posts mit urheberrechtlich geschützten Bildern oder Links auf der privaten Webseite.“ Der Umfrage zufolge waren von den 18- bis 24-Jährigen 27 Prozent bereits mindestens einmal virtuellen Beleidigungen ausgesetzt. Und weitere 10 Prozent hatten schon einmal Probleme mit Urheberrechtsverletzungen auf Social-Media.

Interessant ist zudem: Die Hälfte aller Befragten hat bereits schon einmal Geld für einen Anwalt ausgeben – 29 Prozent davon einmalig, 21 Prozent sogar mehrmals. Die Kosten lagen dabei pro Fall durchschnittlich bei rund 2.500 Euro. Außerdem mussten 29 Prozent der Befragten zusätzlich auch schon einmal Gerichtskosten bezahlen. Besonders teuer wird es, wenn Kosten für Gutachter hinzukommen. Laut der Württembergischen Versicherung können für Gerichtskosten in diesem Fall schnell fünfstellige Beträge anfallen.

Verkehrsschutz auch ohne Auto sinnvoll

Außerdem verursachten gerade Unfälle im Straßenverkehr schnell hohe Kosten für Sach- und Personenschäden. 59 Prozent der Befragten waren bereits in einen Verkehrsunfall verwickelt. Am häufigsten waren sie als geschädigte Autofahrer mit Schaden am eigenen Fahrzeug, aber auch als Fußgänger oder als Radfahrer beteiligt.

„Auch Personen ohne eigenes Auto können in einen Verkehrsunfall mit rechtlichen Folgen verwickelt werden – etwa mit Fahrrad, Carsharing-Auto oder E-Scooter“, so Lison. „In diesem Fall kann es nicht nur zu Problemen mit dem Unfallgegner, sondern auch mit dem Sharing-Anbieter kommen. Eine Rechtsschutzversicherung ist dann sehr hilfreich.“

Unter den privaten Rechtsschutzversicherungen ist der Verkehrsrechtschutz am weitesten verbreitet. Bei 48 Prozent der Befragten mit Absicherung ist dieser Bereich abgedeckt, gefolgt von Berufsrechtsschutz und Mieterrechtsschutz.

Frühzeitige Vertragsprüfung schützt vor Ärger

Die Studie zeigt auch: 10 Prozent der Deutschen sind sich unsicher über Klauseln im Mietvertrag. Zwei Drittel von ihnen wünschen sich daher eine juristische Beurteilung ihrer Mietverträge. „Versicherte können Mietverträge bei Anwältinnen und Anwälten prüfen lassen. Dieser Vertrags-Check gilt auch für Arbeits- oder Kaufverträge“, sagt Lison.

Noch wichtiger erscheint den Bürgern aber die rechtliche Hilfe im Job: 70 Prozent hätten zumindest manchmal gern Hilfe bei der Beurteilung von Arbeitsverträgen. Und auch darüber hinaus gibt es häufig Situationen, in denen rechtlicher Rat hilfreich wäre: Fast die Hälfte der Befragten hat im Berufsleben schon negative Erfahrungen gemacht – etwa mit Diskriminierung am Arbeitsplatz oder mit Kündigung.

Bei Verbraucherverträgen wünschen sich 64 Prozent der Befragten Unterstützung bei einer rechtlichen Prüfung. Jeder Fünfte wurde bei Online-Käufen bereits betrogen. Als kompliziert empfinden viele auch das Thema Pflege: 62 Prozent hätten hier gerne eine rechtliche Unterstützung, zum Beispiel bei der Beantragung des Pflegegrads.

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Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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