Pfefferminzia: KVProfi Thorulf Müller hat in unserem Interview zur IDD-Umsetzung gesagt, dass er glaubt, Moneymeets werde von Markt verschwinden. Er halte das Geschäftsmodell sowieso für fraglich, da es Kollektive trenne. Was halten Sie von Müllers Einschätzung?

Johannes Cremer: Wir sind immer dankbar, wenn wir Feedback zu unserem Geschäftsmodell erhalten. Wir haben natürlich eine tiefere Kenntnis als Herr Müller, was unser Geschäftsmodell und dessen Entwicklung angeht und für uns hört sich das ein wenig nach Pfeifen im Walde an.

Neben der Preisoptimierung über Provisionsrückgabe ist der wesentliche Bestandteil unseres Geschäftsmodells die Qualitätsoptimierung bestehender Versicherungen. Unser Motto „Alle Finanzen – Ein Portal“ heißt also, dass wir Personal Finance Management digital und aus Kundensicht heraus abbilden. Dazu gehört auch, die Arbeit eines Versicherungsprofis zu digitalisieren. Das bedeutet für uns, zunächst die Ist-Situation des Kunden zu kennen, seine Ziele zu erfahren und daraus die optimalen am Markt erhältlichen Produkte zu finden, vorzuschlagen und digital umzusetzen.



Der Bereich der privaten Krankenversicherung ist nicht der,  mit dem wir beginnen, insofern wird die Arbeit von Herrn Müller sicher noch am Markt benötigt. Das Personal Finance Management Kollektive trennt, sehen wir nicht. Das Kollektiv aller Moneymeets-Kunden erhält jedenfalls die gleiche hochwertige Beratung und die gleichen Konditionsvorteile. Spannender aus der Sicht der Trennung der Kollektive ist aus unserer Sicht die Frage immer granularer werdender Versicherungsprodukte, beispielsweise in der Kfz- oder Krankenversicherung.

In der Tat sieht der Referentenentwurf zur Umsetzung der IDD ja unter anderem vor, das Provisionsabgabeverbot zu erhalten. Sie haben nun gerade vor Gericht hart für das Gegenteil gekämpft und Recht bekommen. Wer wird sich Ihrer Ansicht nach durchsetzen? Politiker oder Rechtsprechung?

Wir sind nicht davon überzeugt, dass Politiker eine andere Qualität der Gesetzgebung anstreben, als eine, die eine Halbwertzeit von wenigen Monaten aufweist. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass das im Entwurf zu sehende Provisionsabgabeverbot weder eine Marktverhaltensregel darstellt noch grundgesetzlich oder europarechtlich legitim ist. Wir sind also ganz zuversichtlich, dass das Gesetz kein Provisionsabgabeverbot enthält, weil das Interesse von Politikern und Rechtsprechung auf Sicht immer übereinstimmen wird.