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Indexpolicen „Auf Seiten der Versicherer scheint etwas Ernüchterung eingekehrt zu sein“

Thomas Keßling, Assekurata
Thomas Keßling, Assekurata © Assekurata

Viele Makler greifen auf Indexpolicen als Alternative zur konventionellen Lebensversicherung zurück. Thomas Keßling, Analyst der Rating-Agentur Assekurata, sagt im Interview mit Pfefferminzia, warum Versicherer die Produktgattung im Vergleich zu fondsgebundenen Policen und den „Neue Klassik“-Tarifen zunehmend skeptisch beurteilen und äußert sich zum Vorwurf, dass Indexpolicen undurchsichtig seien.

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Pfefferminzia: Bei vielen Versicherern gelten Indexpolicen als Antwort auf das Niedrigzinsniveau, weil sie dem Kunden Sicherheit und zugleich die Chance auf etwas mehr Rendite ermöglichen sollen. Wie hat sich das Interesse von Maklern und Versicherern an der Indexpolice zuletzt entwickelt?

Thomas Keßling: Es scheint, als ob viele Makler auf Indexpolicen als Alternative zur konventionellen Lebensversicherung zurückgreifen. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Maklerbefragung unseres Tochterunternehmens Assekurata Solutions. Mit Blick auf die aktuelle Geschäftslage und die Erwartung für die nächsten zwölf Monate beurteilten die Teilnehmer dabei im Bereich der Altersvorsorgelösungen nur fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherung besser als Indexpolicen.

Auf Seiten der Versicherer scheint jedoch etwas Ernüchterung eingekehrt zu sein. So bewerteten in unserer Marktstudie zu Überschussbeteiligung und Garantien 2017 die Unternehmen indexgebundene Rentenversicherungen nicht nur skeptischer als fondsgebundene Policen, sondern auch als Tarife der Produktgattung „Neue Klassik“. Im Vergleich zu Indexpolicen bieten neue klassische Tarife oftmals den Vorteil, dass sie für den Kunden verständlicher sind beziehungsweise ein geringeres Know-how über die Kapitalmärkte erfordern. Indexpolicen hingegen sprechen vor allem die investmentaffineren Kunden an.

Indexpolicen seien undurchsichtig und taugten auch nicht unbedingt als Renditebringer, lautet eine Kritik von Marktbeobachtern. In welchen Punkten muss sich die Indexpolice berechtigterweise Kritik gefallen lassen?

Ein gerechtfertigter Kritikpunkt ist gewiss in der hohen Komplexität der Produkte zu sehen. So ist aufgrund der Produktkonstruktion von Indexpolicen die maßgebliche Jahresrendite sowohl für Kunden als auch für Makler unterjährig oftmals schwer nachvollziehbar, obwohl die Anbieter mehrheitlich die Beteiligung an bekannten Indizes vorsehen, allen voran dem Euro Stoxx 50 und dem Dax. Denn als Ausgleich für den Ausschluss des Kapitalverlustrisikos begrenzen die Anbieter im Gegenzug durch einen Cap oder eine Quote die Beteiligung an der positiven Entwicklung des zugrunde liegenden Index.

Zugleich werden etwaige unterjährige Verluste in voller Höhe angerechnet, womit die jährlichen Vertragsrenditen von Indexpolicen in der Regel nicht der realen Wertentwicklung des Index entsprechen. Vereinzelt gehen die Produktentwickler auch individuelle Wege, indem sie speziell konzipierte Zielindizes in das Angebot einbetten. In diesem Fall ist es selbst den investmentaffinen Kunden häufig nicht möglich, die Wertentwicklung eigenständig zu verfolgen.

Und wie ist es um die Vergleichbarkeit von Indexpolicen bestellt?

Ein Vergleich von Indexpolicen zueinander ist müßig und in der Regel wenig zielführend, da diese Produkte nicht nur auf verschiedene Investmentvehikel setzen, sondern sich auch der Beteiligungsmechanismus sowie die Garantieelemente im Detail mitunter deutlich unterscheiden.

In puncto Rendite können Indexpolicen aber eine interessante Option für die eher sicherheitsbewussten Kunden sein. So haben Indexpolicen in der Vergangenheit Renditegutschriften zwischen 3,00 und 4,50 Prozent pro Jahr hervorgebracht, in einzelnen Marktphasen sogar 6 Prozent und mehr. Im vergangenen Jahr, das von einer gewissen Nervosität und kurzfristigen Ad-hoc-Kursrückgängen an den Kapitalmärkten geprägt war, mussten Kunden aber bisweilen auch mit Null-Renditen leben.

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