Giovanni Liverani ist Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland. © Generali
  • Von Karen Schmidt
  • 05.11.2019 um 12:02, aktualisiert am 05.11.2019 um 11:02
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In der Versicherungsbranche bricht eine neue Ära an, ist Giovanni Liverani, Chef der Generali Deutschland, überzeugt. Eine Ära, die den Kunden in den Mittelpunkt stelle. Erst für den Kunden da zu sein, wenn es zum Schaden komme, sei zu spät, sagte er auf dem Handelsblatt Insurance Summit 2019 in München. Versicherer müssten ihre Kunden schon…

Die Versicherungsbranche befindet sich im Umbruch und steht vor einer Reihe „epochaler Herausforderungen“, sagte Giovanni Liverani, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland, auf dem Insurance Summit 2019 in München – eine Veranstaltung, die das „Handelsblatt“ und Euroforum jedes Jahr zusammen veranstalten. Eine Abkehr von den negativen Zinsen werde es so schnell nicht geben, die Demografie erhöhe den Druck auf Kundenseite und Arbeitsmarkt, die Regulierung werde zunehmen, und deutliche höhere Erwartungen der Kunden in Sachen Geschwindigkeit, Konnektivität und Service müssten Versicherer heutzutage begegnen.

„Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell neu erfinden, werden bestehen. Die, die weitermachen wie bisher, werden es schwer haben“, so Liverani. Erst für den Kunden da zu sein, wenn es zum Schaden komme, sei zu spät. So bleibe man als Versicherer immer nur der ungeliebte Dienstleister. Vielmehr gehe es aber darum, zum Partner des Kunden zu werden, und ihn sein Leben lang zu begleiten. Die Generali nennt das „Life-time Partner“, sie will ein solcher ihrer Kunden werden und dabei den Fokus auf Versicherung, Prävention und Partnerschaft legen.

Drei Schritte seien dazu notwendig, so Liverani. Nummer 1: die strukturelle Transformation. „Hierbei geht es nicht nur um die Digitalisierung. Man muss alle Prozesse auf den Prüfstand stellen. Man kann nicht Life-time Partner der Kunden werden, wenn man ineffizient ist und die Kosten zu hoch sind.“ In Deutschland habe sich die Generali daher eine „Fitness-Kur“ verordnet. „Aus 14 Einheiten haben wir ein Unternehmen gebaut, Stichwort One-Company-Ansatz. Wir haben unsere Vertriebskraft gestärkt. Und wir haben das kapitalintensive klassische Lebensversicherungsgeschäft eingestellt und uns auf Fondspolicen und hybride Produkte fokussiert.“ Durch diese Maßnahmen habe man rund 300 Millionen Euro an Kosten einsparen können.

Fürsorge statt Kompensation

Der zweite Schritt sei der kulturelle Wandel: Liverani: „Man muss das Leben der Menschen in seiner Gesamtheit betrachten. An die Stelle des Kompensationsgedanken müssen Prävention und Fürsorge rücken. So macht man sich zum unverzichtbaren Partner.“ Eine solche emotionale Verbindung schaffe man zum Beispiel über ein digitales Ökosystem, eine verständliche Sprache und schnellere Prozesse. Auch Versicherungsverträge müssten vollständig digital abschließbar sein – ob vom Kunden alleine oder mithilfe eines Beraters.

Der dritte Schritt schließlich sei es, mit dem Zeitgeist zu gehen. Kunden nutzten Amazon, Booking, Uber und weitere Dienste und bauten dadurch entsprechende Erwartungen auf. Die Generali habe daher eine Smart-Insurance-Offensive gestartet: „Wir treiben den technologischen Wandel voran und bringen Prävention in alle Bereiche des Kundenlebens“, erklärte Liverani. „Mit Generali Vitality animieren wir die Kunden zu einem gesünderen Lebensstil und vermeiden chronische Krankheiten. Generali Domocity setzt auf eine Smart-Home-Technik mit digitalen Frühwarnsystemen, die helfen, Schadenfälle zu vermeiden. Generali Mobility schließlich umfasst einen Telematik-Tarif, der den Kunden dabei unterstützt, seine Fahrweise zu verbessern und ihn mit günstigeren Prämien dafür belohnt.

Nummer 1 als Ziel

„Mit diesen Maßnahmen wollen wir langfristig relevant und wettbewerbsfähig bleiben. Wir wollen Versicherung neu erfinden, um die Nummer 1 zu werden“, so Liverani weiter. Es sei der Beginn einer neuen Ära, in welcher der Mensch im Mittelpunkt stehe. „Die Digitalisierung lässt dabei die Distanz zwischen Kunden und Versicherer verschwinden.“

Auf die anschließende Frage des Moderators Andreas Richter, Professor an der LMU München, wie es denn zusammenpasse, Kunden in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen und gleichzeitig Bestände zu verkaufen, antwortete Liverani: „Der Run-off ist für manche Gesellschaften die einzige Lösung, um das Versprechen, das man den Kunden gegeben hat, langfristig zu halten.“ Mehr als die Hälfte der Lebensversicherer mit klassischem Geschäft würden keine Solvenzquote von mindestens 100 Prozent erreichen ohne regulatorische Hilfe, so der Generali-Deutschland-Chef. Es sei vor diesem Hintergrund eine nachhaltige Lösung, die Verwaltung der Verträge an einen spezialisierten Partner abzugeben. „Das haben wir gemacht. Und die Kunden sind zufrieden. Eine ernsthafte Lösung für Kunden zu finden, ist ein Zeugnis unseres Willens, der Life-time Partner unserer Kunden zu sein“, so Liverani abschließend.

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Karen Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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