Michael H. Heinz ist Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). © BVK
  • Von Lorenz Klein
  • 03.09.2020 um 18:10
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Im Frühjahr fürchteten viele Versicherungsvermittler starke Umsatzeinbußen infolge der Corona-Pandemie – nun hat der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) erneut nachgefragt. Das Ergebnis: Bei der Mehrheit haben sich die Umsätze um durchschnittlich 20 Prozent verschlechtert – gegenüber der Erstumfrage im April hat sich die Lage aber zumindest verbessert. Ein Vermittlersterben durch Corona erwartet der BVK nicht.

Eine Mehrheit von 62 Prozent der Versicherungsvermittler, die Mitglieder im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) sind, gaben im August in einer BVK-Online-Umfrage an, dass sich ihre Umsätze im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert haben – und das um durchschnittlich 20 Prozent. Bei der Vorumfrage im April lag das Umsatzminus noch bei 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (wir berichteten). Dabei gilt, dass die Umfragen-Teilnehmer wie schon bei der Vorbefragung zu 90 Prozent aus Exklusivvermittler bestehen und nur zur 4 Prozent aus Mehrfachvertreter und zu 6 Prozent aus Maklern.

Große Einschnitte bei Bonifikationen erwartet

Dennoch befürchte das Gros der Versicherungskaufleute Liquiditätseinbußen, wie der BVK am Donnerstag mitteilte. Demnach erwarten knapp 64 Prozent der Exklusivvermittler Rückgänge bei Bonifikationen für das Jahr 2020. Diese machten immer noch bei vielen Exklusivvertrieben einen wesentlichen Bestandteil des Einkommens aus, berichtete der Verband, der das zugleich kritisch sieht (wir berichteten). So fordert der BVK eine Vergütung und Kompensation ausschließlich über vertragsbezogene Provisionen. „Jetzt drohen also existenzielle Einschnitte über dieses Jahr hinaus“, schlussfolgert der Verband. Zudem befürchtet rund jeder dritte Vermittler (31,5 Prozent) negative Auswirkungen für die eigene private Altersvorsorge.

Kein Hinweis auf Vermittlersterben

Weiter stellte der BVK klar, dass die Umfrageergebnisse „keinen Hinweis auf ein Vermittlersterben durch die Folgen der Corona-Krise“ geben. Demnach planten nur 2,5 Prozent der befragten Vermittler den Marktaustritt beziehungsweise einen Ruhestand.

„Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass die Vermittler aufgrund der wirtschaftlichen Situation gezwungen sind, weiterhin zu arbeiten“, kommentiert BVK-Präsident Heinz das Ergebnis. Trotz einer leichten Entspannung im Vergleich zur Vorumfrage bleibe die Situation in vielen Vermittlerbetrieben unsicher, so Heinz. Zudem würden sich Einbußen bei den Bestandsprovisionen erst zeitversetzt zeigen. „Die Vermittler sollten deshalb intensiv und rechtzeitig Gegenstrategien vor einer erneuten Verschärfung der Pandemie ergreifen“, so die Empfehlung des BVK-Präsidenten.

Besonders erfreut zeigen sich Heinz und seine Verbandskollegen darüber, dass fast 80 Prozent der Befragten sich mit der bisherigen Unterstützung des BVK in der Corona-Pandemie zufrieden zeigten – so bot die Organisation etwa eine „Beratungs-Soforthilfe“ an. Zum Vergleich: Die Unterstützung durch die Versicherer schnitt mit einer Zustimmung unter den Vermittler von gut zwei Dritteln vergleichsweise mau ab.

An der Umfrage beteiligten sich nach eigenen Angaben 943 BVK-Mitglieder, bei der Vorumfrage im April waren es 1.628. Die Auswertung der Umfrage habe in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftler Matthias Beenken von der Fachhochschule Dortmund stattgefunden.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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