BU-Leistungsstudie von Franke und Bornberg „Leistungsverweigerung sieht anders aus“

Michael Franke ist Gründer und Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg.
Michael Franke ist Gründer und Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg. © Neuenhausen

Zum 15. Mal in Folge hat das Analysehaus Franke und Bornberg die Regulierungspraxis von BU-Versicherern untersucht. Sechs Unternehmen stellten sich dem Test. Ergebnis: Die Leistungsquote liegt bei über 80 Prozent und die Bearbeitung dauert im Schnitt ein halbes Jahr. Hier kommen die Details.

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Allianz, Aachen-Münchener, Ergo, HDI, Nürnberger und Swiss Life haben sich dem diesjährigen Test der BU-Regulierungspraxis des Analysehauses Franke und Bornberg gestellt. Zum 15. Mal führen die Analysten diese Untersuchung durch. Rund 32.800 Neuanmeldungen von BU-Leistungsfällen (2016: 24.600) bildeten die Datenbasis. 

Ein Ergebnis der Untersuchung: Eine systematische Leistungsverweigerung in der Berufsunfähigkeitsversicherung sei bei den untersuchten Gesellschaften nicht zu erkennen. „Noch nicht einmal eine von fünf BU-Leistungsprüfungen endete hier mit einer Ablehnung; mehr als 80 Prozent der untersuchten Regulierungen sind zu Gunsten der Versicherten ausgefallen. Verweigerung sieht anders aus.“ Bei mehr als 14.000 Regulierungen könne die Studie allerdings nicht jeden einzelnen Fall analysieren, räumt Franke ein.

Von den Anerkennungen im Jahr 2017 erfolgten 92,7 Prozent (Vorjahr: 86,5 Prozent) gemäß der Bedingungen, 5,3 Prozent (Vorjahr 10,9 Prozent) auf Basis einer individuellen Vereinbarung und 2,0 Prozent (Vorjahr 2,6 Prozent) vor Gericht. Am häufigsten kommt es zur Ablehnung, weil der Berufsunfähigkeits-Grad von 50 Prozent nicht erreicht wurde, oder weil die Kunden bei der Gesundheitsprüfung fehlende oder falsche Angaben machten. 

Im Schnitt mit 44 Jahren berufsunfähig

In welchem Alter werden die Versicherten im Schnitt berufsunfähig? Auch dieser Frage gingen die Analysten nach. Danach stellen Versicherte im Alter zwischen 47 und 55 Jahren am häufigsten einen Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente. 10,58 Prozent der Antragsteller waren aber auch jünger als 30 Jahre. Das Durchschnittsalter aller Anspruchsteller lag bei etwa 44 Jahren.

Je nach Krankheitsbild schwankt der Anteil der Anerkennungen deutlich. Bei Krebs („bösartige Neubildungen“) wurden über 90 Prozent der Anträge auf BU-Leistungen anerkannt. Bei psychischen Erkrankungen dagegen wurden mehr als ein Viertel aller Anträge abgelehnt. Ablehnungen bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und Bindegewebes (27,1 Prozent) sowie Kreislauferkrankungen (15,2 Prozent) liegen zwischen diesen beiden Extremen.

Berufsunfähigkeit dauert in der Regel sechs Jahre

Die durchschnittliche Leistungsdauer in der Berufsunfähigkeitsversicherung beträgt laut der Untersuchung rund sechs Jahre. Und wie lange brauchen Versicherer um einen BU-Antrag anzuerkennen? Vom Zeitpunkt der Meldung der vermuteten Berufsunfähigkeit bis zur Leistungsentscheidung des Versicherers (Datum des Postausgangs) vergehen im Schnitt rund 180 Tage. Gerade der Zeitaufwand für Gutachten schlägt hier ins Kontor. Um ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen, brauchen die Experten im Mittel mit 105 Tage.

„Der große Vorteil der Berufsunfähigkeitsversicherung, individuell auf den jeweiligen Beruf abgestellt zu sein, bringt einen zeitlichen Nachteil mit sich“, erklärt Franke. Eine individuelle Prüfung erfordere deutlich mehr Zeit als ein schematisiertes Vorgehen wie beispielsweise zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Es lohne sich hierüber zu sprechen und transpartenter zu sein, um pauschalisierten Vorwürfe entgegenzutreten.

Pfefferminzia-Zukunftstag 2019

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