Die Finanzaufsicht Bafin kontrolliert die Lebensversicherer in Deutschland. © picture alliance/dpa | Boris Roessler
  • Von Lorenz Klein
  • 20.07.2020 um 13:28
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Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundes der Versicherten (BdV) hat einem Viertel der Lebensversicherer Solvenzprobleme bescheinigt – was prompt heftigen Widerspruch in der Branche auslöste. Nun hat sich auch die Finanzaufsicht Bafin in die Debatte eingeschaltet. Was die Behörde sagt, erfahren Sie hier.

Die umstrittene Untersuchung zur Solvenzlage der deutschen Lebensversicherer durch das Analysehaus Zielke Research Consult in Zusammenarbeit mit der Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten (BdV) zieht weitere Reaktionen nach sich – so hat sich inzwischen auch die Finanzaufsicht Bafin bemüßigt gesehen, sich zur Sache zu äußern.

Worum geht es?

Die besagte Studie kam jüngst zu dem Ergebnis, dass 22 von 84 untersuchten Lebensversicherern entweder eine zu geringe Solvenz oder eine negative Gewinnerwartung hätten. Der Branchenverband GDV sowie einige Lebensversicherer traten dieser Darstellung prompt entgegen und unterstellten dem Studienautor Carsten Zielke „handwerkliche Fehler“ (wir berichteten).

So erklärte der GDV, dass zur Beurteilung der Solvenzsituation die jeweils vom einzelnen Lebensversicherer gemeldete Solvenzquote entscheidend sei. Diese drücke das Verhältnis aus anrechenbaren Eigenmitteln zu Kapitalanforderungen (SCR) aus. Dies führe im Ergebnis dazu, dass alle deutschen Lebensversicherer eine Quote von über 100 Prozent aufwiesen, „kein Unternehmen ist also in Schwierigkeiten“, hieß es in der Stellungnahme des Verbandes.

Wie reagiert Zielke auf die Vorwürfe?

Zielke wiederum wies den Vorwurf, handwerklicher Fehler begangen zu haben, in einer Stellungnahme „auf das Entschiedendste zurück“ – und erklärte, dass er in der aktuellen Studie schlichtweg etwas strenger vorgegangen ist als bislang üblich:

„Vergleichsmaßstab unserer Analysen ist die reine Solvenzquote. Hierbei ziehen wir sämtliche Hilfsmaßnahmen beziehungsweise Solvenzerleichterungen ab. In diesem Jahr haben wir die Methodik verschärft und ziehen ebenfalls ergänzende Eigenmittel ab“, erläutert der Autor sein Vorgehen. Man habe „derartiges weiches Kapital“ in diesem Jahr nicht mehr berücksichtigt. Unterm Strich bliebe bei 16 Versicherern eine reine Solvenzquote von unter 100 übrig, setzt sich Zielke zur Wehr.

Was sagt die Bafin?

Inzwischen hat sich sogar die Finanzaufsicht Bafin mit der Studie befasst – wenngleich sie das nicht so dezidiert verstanden wissen will.  

Auf die Studie wolle die Bafin „im Einzelnen nicht eingehen“, heißt es dazu in einem Medienbericht, da die Untersuchung „wesentliche Aspekte der Berechnung der Kapitalausstattung der Versicherer“ ausblende, wird eine Bafin-Sprecherin zitiert. Und auch diese Zeilen dürften die Vertreter der Branche freuen:

„Nach unserer aktuellen Einschätzung können alle deutschen Lebensversicherer die Ansprüche ihrer Kunden erfüllen.“ Die Solvenzquoten der deutschen Lebensversicherer seien „erstaunlich robust – auch im internationalen Vergleich“.

Gleichwohl hat die Bafin-Sprecherin für ihre Stellungnahme auch noch ein paar mahnende Wort gefunden. Das aktuelle Zinsumfeld sei bereits seit Jahren herausfordernd für die deutschen Lebensversicherer, heißt es. Die Corona-Krise komme „erschwerend hinzu“. Und weiter: Derzeit habe die Bafin „20 Lebensversicherer unter intensivierter Aufsicht“ – an dieser Stelle scheint sich also die Finanzaufsicht nicht allzu weit weg von den Erkenntnissen der Zielke-Studie zu positionieren.   

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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