Beim EKG-Check schauen die Analysten der Rating-Agentur Assekurata auf Ertragskraft und Garantien. In diesem Jahr habe man die Untersuchung um neue Aspekte erweitert, so Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse bei Assekurata und Autor der Untersuchung. Neu dabei sind nun etwa die Solvenzquoten der Versicherer, die sie unter Solvency II einmal im Jahr ausweisen müssen.

Problematisch sind für die Gesellschaften laut EKG-Check derzeit vor allem die rückläufigen laufenden Kapitalanlageerträge und die hohen Anforderungen der Zinszusatzreserve (ZZR). So liegt die sogenannte Break-Even-Nettoverzinsung, die die Mindestanforderungen an den Kapitalanlageertrag beziffert, bei durchschnittlich 3,15 Prozent.

Heißt: Eine Nettoverzinsung unter 3,15 Prozent hätte rechnerisch zu einem negativen Branchen-Rohüberschuss geführt, erläutert Heermann. Tatsächlich haben die Versicherer eine Nettoverzinsung von 4,34 Prozent erreicht. Das liegt laut der Analyse aber wiederum daran, dass die Anbieter gut verzinste Wertpapiere verkaufen, um die ZZR zu finanzieren.

Versicherer mit hohen Altbeständen ächzen unter der Last

Heermann: „Dieses Vorgehen beeinträchtigt den Bestandszins der Kapitalanlagen und die Güte der Bilanzstruktur. Bei den einzelnen Versicherern konnten wir große Unterschiede bei der Höhe der Nettoverzinsungsmarge feststellen, die sich zwischen 0 und vereinzelt weit über 10 Prozent einordnen.“

Gerade Lebensversicherer mit hohen garantiefordernden Altbeständen hätten derzeit zu kämpfen. Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will: „Dagegen haben Gesellschaften mit hohen Anteilen im Bereich der Biometrie oder der nicht-traditionellen Altersvorsorge weniger Zinslast zu tragen.“ In den nächsten Jahren könnten die Nettoerlöse aus der Kapitalanlage, selbst bei neuerlichen Bewertungsreserveauflösungen, weiter schrumpfen, befürchtet Will.

Die Puffer schmelzen

Die Zinszusatzreserve hat auch die Ertragspuffer abschmelzen lassen. Nimmt man die Kapitalanlageerträge und zieht davon die Forderungen zur Bedienung von Garantien und ZZR ab, liegt der Puffer branchenweit bei 0,22 Prozent der Deckungsrückstellung. Im Vorjahr, 2015, waren es noch 0,44 Prozent, 2014 0,70 Prozent.

„Das erhöht den Druck auf alternative Ertragsquellen und lässt die Querverrechnungsgefahr zwischen den Ergebnistöpfen steigen“, so Heermann. Hiervon seien dann auch die Kunden einer Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung betroffen, die im Falle einer Querverrechnung aus dem Risikoergebnis mit höheren Beiträgen zu rechnen hätten.