Die Politik erwartet von der Versicherungswirtschaft unabhängig von der Bundestagswahl weitere sichtbare Veränderungen. Kommen die nicht, können weitere Markteingriffe drohen. Zu diesem Schluss kommt die Kommunikationsberatung Instinctif Partners nach einer Analyse der Wahlprogramme von CDU/CSU, SPD (zum Artikel über das Rentenkonzept der SPD geht es hier), Die Linke, Grünen, FDP (über das Wahlprogramm der FDP hatten wir schon berichtet) und der AfD.

Zu den möglichen Eingriffen könnte ein staatliches Konkurrenzprodukt zur privaten Altersvorsorge gehören (Stichwort: Deutschlandrente), ebenso Änderungen in der Vermittleraufsicht und eine Bürgerplattform mit strengen Transparenzanforderungen an Vorsorgeprodukte, die alle Leistungen und Ansprüche einheitlich aufführt.

„Alle Parteien sind sich der langfristigen Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Rentenkassen bewusst und sehen Handlungsbedarf. Produktgeber und Vermittler müssen jetzt glaubwürdig und öffentlichkeitswirksam eigene Lösungsansätze vorlegen. Sonst können die Themen Deutschlandrente, Bürgerfonds und Co. eine Dynamik entwickeln, die sich kaum noch wirksam beeinflussen lässt“, sagt Hubert Becker, Partner bei Instinctif Partners.

Folgende Thesen im O-Ton haben die Analysten von Instinctif Partners nach Durchsicht der Wahlprogramme formuliert. Auf Seite 2 dieser News finden Sie auch eine übersichtliche Tabelle.

>>> Zur ausführlichen Analyse von Instinctif Partners geht es hier, .

>>> Und hier geht es zum Wahlkampf-Navigator von Instinctif, der laufend mit News zur Bundestagswahl 2017 aktualisiert wird.

Altersvorsorge

Auch wenn die baldige Einführung einer verpflichtenden Deutschlandrente unwahrscheinlich erscheint: Wenn der Markt es nicht erreicht, mehr Menschen zu mehr Vorsorge zu bewegen, wird die Schaffung eines staatlichen Konkurrenzprodukts zur privaten Altersvorsorge wahrscheinlich. Produktgeber müssen überzeugend darlegen,weshalb dies nicht notwendig sein wird.

Zwar ist das Thema Betriebsrenten aus Sicht der großen Parteien nach der Reform vorerst abgeschlossen, doch abhängig vom Wahlergebnis dürfte insbesondere die Frage wieder auf den Tisch kommen, ob und wie Unternehmen außerhalb der Tarifverträge betriebliche Altersversorgung anbieten müssen. Produktgeber und Vermittler sollten hierfür Lösungswege zeigen.

Krankenversicherung

CDU/CSU und FDP bleiben zwar Garanten des dualen Krankenversicherungssystems, doch in jeder anderen Regierungskonstellation als Schwarz-Gelb wird der Druck auf die privaten Krankenversicherer größer.

Vertrieb / Provisionen

Die strikte Trennung von Provisions- und Honorarberatung ist vorerst vom Tisch. Versicherer und Vermittler sind nun in der Bringschuld, Transparenz und Qualität zu belegen und Nettopolicen als echte Alternative im Markt zu etablieren. Ansonsten drohen für die Vermittlerbranche schmerzhafte Eingriffe.

Verbraucherschutz

Seit mehreren Jahren wird im Finanzsektor darüber diskutiert, ob Finanzanlagevermittler nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung nicht besser der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) unterstellt werden sollten. CDU und FDP möchten bei der aktuellen Regelung bleiben, während SPD, Grüne und Linke für eine Änderung plädieren und die Bafin mit der Beaufsichtigung beauftragen wollen. Weil die CDU sich jedoch vorbehält, ihre Position bei Bedarf zu ändern, dürfte dieser Punkt im Fall einer Regierungsbeteiligung der Union Gegenstand der Koalitionsverhandlungen sein.

Die Einführung einer Bürgerplattform zur einfachen Übersicht der Einkünfte im Alter ist wahrscheinlich. Anbieter und Vermittler von Finanzanlageprodukten sind also gut beraten, sich aktiv und konstruktiv an der Ausgestaltung dieser Pläne zu beteiligen.