Die Wahrscheinlichkeit, dass Sparer bei einem Aktiensparplan ohne Garantie am Laufzeitende nicht mal auf ihre eingezahlten Beiträge kommen, ist äußerst gering. © Pixabay
  • Von Sabine Groth
  • 22.06.2020 um 08:49
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Mit fallenden Zinsen steigen die Kosten für Kapitalgarantien ins Unermessliche. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem langfristigen Aktiensparplan die eingezahlten Beiträge nicht wieder zu bekommen, sehr gering.

In der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts war die Zinswelt noch einigermaßen in Ordnung. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten in einer Spanne von rund 3 bis 5 Prozent. Wer beispielweise für seine Altersvorsorge an den Finanzmärkten investierte, zu Rentenbeginn aber mindestens seine eingezahlten Beiträge wieder sehen wollte, musste für eine solche Kapitalgarantie zwar auch schon mit Renditeverzicht bezahlen, allerdings waren die Kosten deutlich geringer als heute. Denn der Zins ist einer der ausschlaggebenden Faktoren für die Garantiekosten. Je höher der Zins, desto weniger des Sparbeitrags muss in die risikolose, kapitalgarantierende Zinsanlage fließen und desto mehr Kapital kann die Chancen der Aktienmärkte nutzen.

Im vergangenen Jahrzehnt sind die Zinsen aber immer weiter gesunken, und schon seit über einem Jahr haben sich Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen im Minusbereich eingerichtet. Was gut für den Schuldner ist, in diesem Fall der deutsche Staat, ist ein Dilemma für sicherheitsorientierte Anleger. Eine 100-prozentige Kapitalgarantie ist mittlerweile viel zu teuer. Dies zeigt sich auch in den Überlegungen der Politik, wie sie die bislang verpflichtende Kapitalgarantie in der Riester-Rente reformieren kann.

Nachgerechnet: Wissenschaftliche Studie zu Garantiekosten

Wenig erfreulich für Garantieliebhaber ist eine Studie von Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management. Er hat nachgerechnet, wie viel eine 100-prozentige Kapitalgarantie bei einem langfristigen Sparplan kostet. Unterstellt wird eine 25‐jährige Anlegerin, die bis zum erwarteten Rentenalter von 67 Jahren monatlich 50 Euro spart. Die eingezahlte Summe liegt also bei 25.200 Euro.

Um die Garantiekosten zu bestimmen, hat Stotz zwei Sparpläne miteinander verglichen: einen mit Kapitalerhalt und einen ohne, der voll an den Aktienmärkten investiert. Die Differenz des mittleren Endvermögens der beiden Sparpläne versteht Stotz als Garantiekosten. Und die lagen Ende 2016 bei stolzen 160.000 Euro, zehn Jahre zuvor waren es „nur“ rund 50.000 Euro. Da Ende 2016 die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen noch bei 0,2 Prozent lag, dürften die durch Garantien entgangenen Gewinne aktuell noch einmal höher ausfallen.

Die Studie liefert noch eine weitere Erkenntnis, die mindestens ebenso wichtig ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sparer bei einem Aktiensparplan ohne Garantie am Laufzeitende nicht mal auf ihre eingezahlten Beiträge kommen, ist äußerst gering. „Je länger der Anlagehorizont ist, desto geringer fällt diese Wahrscheinlichkeit aus. Eine Absicherung der Beitragsgarantie ist dagegen teuer, und nimmt mit steigendem Anlagehorizont zu. Für Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont sinkt damit das Preis‐Leistungs‐Verhältnis der Beitragsgarantie in der Altersvorsorge“, fasst Stotz zusammen.

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Sabine Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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