Altersvorsorge für die Generation Y „Wir haben Versicherungen und ihre Vermittler einfach satt“

Immer auf Erlebnisse aus: Drei junge Damen beim sogenannten Color Run in Barcelona.
Immer auf Erlebnisse aus: Drei junge Damen beim sogenannten Color Run in Barcelona. © Getty Images

Keine Ahnung von Altersvorsorge, Angst vor lang laufenden Verträgen, nicht sparwillig? So lassen sich die Klischees über die sogenannte Generation Y, also der ungefähr ab 1990 Geborenen, zusammenfassen. Alles Blödsinn, sagt Maklerin Katharina Heder. Wie Makler diese Generation am besten beraten, erklärt sie in ihrem Kommentar.

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Heute lese ich wieder eine dieser Studien. Sie handelt von meiner Generation. Sie erzählt wie meine Schwester (24) und ich (29) in Versicherungsfragen ticken und welche Beratung wir uns wünschen. Ich arbeite als Versicherungsmaklerin und kenne viele Gleichaltrige und deren Bedürfnisse. In den Aussagen der gängigen Studien erkenne ich selten meine Kunden und mich selbst wieder.

Wenn ich darüber nachdenke, wie wir sind und warum Altersvorsorge (k)ein Thema für uns ist, finde ich klare Argumente – und die haben nichts mit der Frage eines social-media-affinen Kundenberaters zu tun.

Individuell wie nie – sicherheitsbedürftig wie immer

Meine – um nicht zu sagen unsere – Generation sei die erste seit vielen Jahrzehnten, die zu Friedenszeiten aufwächst. Das lese ich in einem Buch. Es versucht die Sorgen und Probleme ebenso aufzuzeigen, wie die Chancen einer Generation, die zwischen Kaltem Krieg und Micky Mouse aufgewachsen ist. Am Ende der achtziger Jahre geboren, in den Neunzigern aufgewachsen und um die Jahrtausendwende das Internet entdeckt. So lassen sich fast 29 Jahre Leben zusammenfassen.

Grenzen kennen wir keine, denn wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in der alles möglich war. Altersvorsorge, Generationenvertrag und sich für die gute Sache einsetzen schließen sich für uns nicht aus. Verantwortung zu übernehmen gehört für meine Generation, die man als Generation Y bezeichnet, dazu. Deshalb wollen 84 Prozent von uns laut einer Umfrage nicht, dass Rentner heute weniger Geld bekommen.  Risiken mögen wir trotzdem nur im dosierten Maß und am liebsten dann, wenn wir sie selbst bestimmen können.

Fast 30 und was nun?

Immer öfter fragen mich Freunde und Bekannte nach Ratschlägen für die Altersvorsorge. Es ist mein Job, ihnen eine (gute) Empfehlung zu geben. Dabei finde ich es selbst oft riskant, sich vorschnell festzulegen und verstehe die Angst davor, einen Vertrag zu wechseln oder zu kündigen. Die damit einhergehenden Verluste schrecken Viele ab – und ich finde das richtig.

Altersvorsorge ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Folgt man Erhebungen, dass jeder zweiter Lebensversicherungsvertrag vor dem Ablauf gekündigt wird, erscheint mir die Zurückhaltung beim Abschluss angemessen.

In meinem Umfeld verzichtet man öfter auf den Abschluss von Altersvorsorgeverträgen oder schaut sich nach alternativen Anlageformen wie Banksparverträgen um. Dabei ist die Kritik stets dieselbe: Die Produkte sind zu wenig flexibel, sie passen sich nicht an unser Leben an. Wir sind nicht mehr mit 20 Eltern und die Anzahl der Singles ist der deutlichste Indikator für neue Lebensformen. Wir wollen leben – und dabei nicht von Verträgen, die 20 und mehr Jahre in die Zukunft gerichtet sind, erstickt werden.

Rente auf dem Bierdeckel? Ohne uns

Studien belegen, dass wir keine Ahnung von Altersvorsorge haben. Dabei verkennen viele die Realität: Wir haben gelernt, das Internet zu benutzen. Wenn wir Informationen haben wollen, googlen wir so lange, bis wir wissen, was uns interessiert. Unwissen ist für uns also stets eine Frage der Priorität.

Rechnet uns ein Vermittler die Rente auf einem Bierdeckel vor, würde ich es ebenso wie viele Freunde, die ich nach ihrer Meinung befragte, als unpassend empfinden. Wir wollen nicht geduzt werden, sondern Service auf Augenhöhe erhalten. Allein dieses Grundmissverständnis zeugt davon, wieso wir Versicherungen und ihre Vermittler einfach satt haben.

Bleibt authentisch!

Viele meiner Kunden empfinden es nach wie vor als angenehm, dass wir uns siezen. Dabei sind wir gleich alt. Komisch fühlt sich dabei keiner. Das „Du“ würde sich dabei komischer anfühlen. Vor einigen Jahren sagte mir eine Kundin, dass dies ein „Kumpelsein“ impliziert, welches ihr unangenehm wäre.

Kollegen rate ich daher immer wieder, authentisch zu bleiben. Dazu zählt eine offene Grundhaltung, eine Präsenz im Internet, die Informationen anbietet, und ein Service-Angebot. Was Kunden davon nutzen möchten, sollte man ihnen überlassen.

Wer über Altersvorsorge sprechen möchte, findet auch für solche Themen Gehör. Dabei sollte es um Lösungen und nicht Probleme gehen. Wir wollen ja etwas tun und haben das Problem längst erkannt. Was uns fehlt, sind gute Lösungen. Produkte, die vorgeschlagen werden, sollten flexibel sein und nicht frühzeitig auf das Ende der Vertragslaufzeit fixieren.

Vielleicht wollen wir ein Haus kaufen, auswandern oder uns künstlich befruchten lassen. All diese Eventualitäten sollte eine Altersvorsorge abbilden, denn übersetzt bedeutet dies: Wir wollen langfristig Geld ansparen, um größere Investitionen zu leisten, aber auch kurzfristig über unser Geld weltweit verfügen können. Ob das am Ende staatlich gefördert ist oder unser Arbeitgeber mit spart, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Ob unser Berater dann via WhatsApp, Facebook oder Telefonanruf reagiert, ist uns auch egal. Solange er sich kümmert und wir uns in Ruhe unseren Vorhaben widmen können, sind wir zufrieden.
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