Zimmer auf einer Privatstation in Zürich, Schweiz: Angesichts sprunghaft gestiegener Beiträge zur privaten Krankenversicherung (PKV) wirbt der PKV-Verband in Berlin um eine angemessen Einordnung der Zahlen. © picture alliance/KEYSTONE | MELANIE DUCHENE
  • Von Lorenz Klein
  • 30.10.2020 um 16:15
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lesedauer Lesedauer: ca. 01:40 Min

Die Beiträge für die private Krankenversicherung (PKV) steigen im kommenden Jahr um durchschnittlich 8,1 Prozent. Das habe eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherungen WIP ergeben, so ein Medienbericht. Der PKV-Verband ist nun darum bemüht, die deutliche Steigerung nachvollziehbar zu erklären.

Keine 17,6 Prozent wie bei der Debeka, aber deutlich höher als gewohnt: Die privaten Krankenversicherer werden ihre Beiträge ab 1. Januar vergleichsweise kräftig anheben – um 8,1 Prozent im Durchschnitt. Das ergab eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherungen WIP, auf die sich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ beruft.  

Beim PKV-Verband ist man sich der Brisanz der Zahlen bewusst – und räumt auf der eigenen Website auch ein, dass die Briefe der Versicherer, die nun nach und nach bei den Privatversicherten eintrudeln, „zum Teil starke Erhöhungen mit sich bringen“. Zugleich will der Verband aber dem Eindruck entgegentreten, dass die „erforderlichen Beitragsanpassungen ab 1. Januar 2021“ unverhältnismäßig seien.  

Verband zieht Vergleich zur GKV

Die Beitragssteigerungen beruhten „auf einem deutlichen Anstieg der medizinischen Leistungsausgaben sowie stetig sinkenden Kapitalerträgen infolge der europäischen Niedrigzinspolitik“, heißt es zur Erklärung. Zudem fließe ein „sehr großer Teil der höheren Beiträge“ in das Vorsorgekapital für die Versorgung im Alter. Diese Werte blieben den Versicherten also erhalten, so der Verband weiter.

Zugleich verweist der PKV-Verband darauf, dass die Beiträge in der gesamten PKV in den letzten zehn Jahren „nicht stärker gestiegen“ seien als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – die jetzige Erhöhung für 2021 eingerechnet. Fast schon flehentlich betonen die Verbandsfunktionäre dann auch, dass die Versicherten „im Falle einer aktuell besonders starken Erhöhung stets ihre langfristige Beitragsentwicklung im Blick haben“ sollten.

So lag nach Berechnungen des WIP die durchschnittliche Beitragserhöhung für Vollversicherte in der PKV im Zeitraum 2011 bis 2021 bei 3,0 Prozent im Jahr . Im gleichen Zeitraum käme die GKV auf eine jährliche Steigerung von 3,3 Prozent.

Branche hadert mit Beitragsmechanismus

Es ist kein Geheimnis, dass die Branche unzufrieden ist mit dem derzeit gültigen Mechanismus, wie Beitragserhöhungen zustande kommen. Denn laut den gesetzlichen Vorgaben dürfen die privaten Krankenversicherer ihre Beiträge erst nachträglich an den tatsächlichen Kostenanstieg anpassen. Das gilt zudem erst dann, wenn bestimmte vorgegebene Schwellenwerte – die sogenannten auslösenden Faktoren – überschritten werden.

Der PKV-Verband spricht dabei von einem „Wechselbad“ zu dem es oft komme, indem auf mehreren Jahren ohne jeden Anstieg einzelne größere Erhöhungen folgten. „Das wollen wir den Versicherten gerne ersparen“, heißt es aus Berlin. Dafür gibt es laut PKV-Verband „konkrete Vorschläge, die auch von Verbraucherschützern unterstützt werden“. Doch leider blockiere die SPD die dazu nötige Gesetzesänderung, so der Vorwurf der Interessenvertreter.

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Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

kommentare
Fink
Vor 1 Monat

An allem ist wieder die SPD schuld. Und die Krankenversicherer machen ja nur was von der Politik vorgegeben wird! Jämmerlicher und Heuchlerischer geht es nicht mehr!

    Ridschie Blanko
    Vor 1 Monat

    Sämtliche Systeme haben sich derart in allen Richtungen verrannt. Dieses mittlerweile in die die Enge getriebene und verrückt gewordene Tier kann niemand mehr bändigen. Es ist schlimm den engen Verbündeten nämlich der Versorgungsindustrie in diesem Zustand beiseite zu stehen. Austherapiert und ausgemergelt. Ein schlimmer Zustand. Hinzu kommt das diese Industrien völlig stimm und machtlos sind und man sich täglich in der Basis mit steuerfinanzierten Versorgungssystemen vergleichen muss.

p.schwandt
Vor 1 Monat

Warum gehen beide großen Käufergruppen, die GKV und die PKV, so mies mit ihrer Marktmacht gegenüber den Kostentreibern um?
Pharmazie und Medizingerätehersteller vergolden ihre Messer und Gabeln und erreichen mit ihrer Lobbyarbeit, dass sie immer wieder extreme Preisregelungen anwenden dürfen, die letztlich die Hauptargumente für Beitragssteigerungen gegenüber den Versicherten darstellen. Niedrigzinspolitik und Corona kommen lediglich dazu. Eine gesündere Lebensweise der Bürger, die Nutzung alternativer Heilmethoden, die beide zugleich wesentlich kostengünstiger für die Kassen wären, bekommen so nicht mehr Raum. Es sollen die Kranken wohl verwaltet werden, weil nur die Geld in die Kassen der Vorgenannten einspielen. Die Versicherten bekommen für gesunde Ernährung und Lebensweise höhere Kranenversicherungsbeiträge. Wohin soll das führen???
Es ist hier übrigens unter jeglicher Regierung zumindest seit 1990 so.

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Fink
Vor 1 Monat

An allem ist wieder die SPD schuld. Und die Krankenversicherer machen ja nur was von der Politik vorgegeben wird! Jämmerlicher und Heuchlerischer geht es nicht mehr!

    Ridschie Blanko
    Vor 1 Monat

    Sämtliche Systeme haben sich derart in allen Richtungen verrannt. Dieses mittlerweile in die die Enge getriebene und verrückt gewordene Tier kann niemand mehr bändigen. Es ist schlimm den engen Verbündeten nämlich der Versorgungsindustrie in diesem Zustand beiseite zu stehen. Austherapiert und ausgemergelt. Ein schlimmer Zustand. Hinzu kommt das diese Industrien völlig stimm und machtlos sind und man sich täglich in der Basis mit steuerfinanzierten Versorgungssystemen vergleichen muss.

p.schwandt
Vor 1 Monat

Warum gehen beide großen Käufergruppen, die GKV und die PKV, so mies mit ihrer Marktmacht gegenüber den Kostentreibern um?
Pharmazie und Medizingerätehersteller vergolden ihre Messer und Gabeln und erreichen mit ihrer Lobbyarbeit, dass sie immer wieder extreme Preisregelungen anwenden dürfen, die letztlich die Hauptargumente für Beitragssteigerungen gegenüber den Versicherten darstellen. Niedrigzinspolitik und Corona kommen lediglich dazu. Eine gesündere Lebensweise der Bürger, die Nutzung alternativer Heilmethoden, die beide zugleich wesentlich kostengünstiger für die Kassen wären, bekommen so nicht mehr Raum. Es sollen die Kranken wohl verwaltet werden, weil nur die Geld in die Kassen der Vorgenannten einspielen. Die Versicherten bekommen für gesunde Ernährung und Lebensweise höhere Kranenversicherungsbeiträge. Wohin soll das führen???
Es ist hier übrigens unter jeglicher Regierung zumindest seit 1990 so.

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