Reichstagskuppel in Berlin © Pixabay
  • Von Oliver Lepold
  • 23.07.2018 um 09:10
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Entscheider aus der Versicherungs- und Finanzbranche ziehen ein Fazit zur Regulierungspraxis der vergangenen Jahre. Was ist besonders gut gelungen, was ging daneben und was wird noch auf Vermittler und Produktgeber zukommen?

Hans-Georg Jenssen, Vorstand Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM):

„Es geht nur noch um Nuancen in der Regulierung“

Ich kann ehrlich gesagt keine Vermittler betreffende Regulierung finden, die falsch konzipiert wäre. Insbesondere die Vorgaben der IMD (Insurance Mediation Directive), zum Beispiel zum Register, sind sehr sinnvoll. Mit etwas mehr Augenmaß hätte ich mir ganz aktuell die Datenschutzgrundverordnung (DGSVO) gewünscht. Dort wird alles von Google bis hin zum kleinen Vermittler in einen Topf geworfen.

Was die Versicherungsvermittler betrifft, halte ich die Regulierung für weitreichend und umfassend. Da geht es nur noch um Nuancen, etwa das Level des Ausbildungsniveaus. Im Bereich der Kapitalanlagen hingegen gibt es noch Lücken. Denken Sie an den aktuellen Skandal um die Containerfonds von P&R, das ist sicher kein Ausweis nachhaltiger Regulierung. Dort gibt es natürlich auch schon Vorgaben, aber sie scheinen nicht schnell genug und nicht mit letzter Konsequenz zu greifen.

Wir werden sicher neue Nachregulierungen bekommen. Sämtliche Gesetzgeber werden auch weiterhin detailverliebt an der Regulierungsschraube drehen. Man tut daher gut daran, möglichst wenig Reibungsfläche zu bieten. Wenn laut einem Revisionsbericht der Bafin im Kreditversicherungsbereich die Hälfte der Vermittler eine Provision von über 50 Prozent einstreicht, ist klar, dass Regulierung hier ansetzen wird, auch wenn das überwiegend banknahe Vermittler betrifft.

Die gute Nachricht ist, dass die Regulierung eine Art Artenschutzzaun hochgezogen hat. Sie bringt allen Beteiligten im Markt auch eine gewisse Stabilität. So etwas wie Nokia mit dem Apple-Smartphone passiert ist, dass ein neuer Marktzugang alles andere beiseite wischt, wird es in der Finanzberatung nicht geben. Laut IDD (Insurance Distribution Directive) haben Internetgeschäft und normales Beratungsgeschäft gleiche Voraussetzungen. Das heißt, es gibt keine Spielwiesen mehr für Fintechs, ohne Regulierungsgerüst zu agieren. Das heißt nicht, dass Vermittler sich nicht anpassen müssen, aber es wird zu keinen eruptiven Umwälzungen im Geschäftsmodell kommen.

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Oliver Lepold

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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