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Kindernachversicherung in der PKV „Offensichtlich macht jeder Versicherer, was er will und das Gesetz interessiert nicht“

Kinder auf dem Spielplatz. © Getty Images

Eigentlich gibt es für die Kindernachversicherung in der privaten Krankenversicherung (PKV) klare Regeln. Die PKV-Experten Frank Dietrich und Andreas Sokol machten aber die Probe aufs Exempel und erfragten bei Versicherern und PKV-Verband das typische Vorgehen. Das Fazit fällt nicht sehr positiv aus. Aber lesen Sie selbst.

Die Problematik Standardtarif als Unisex-Retter für die Versicherer

Der Verband verweigert immer noch die Kalkulation des Standardtarifes – oder er ist kalkuliert und die Mitgliedsunternehmen üben entsprechenden Druck aus, um die Veröffentlichung zu verhindern. Wir möchten zu dieser Problematik auf die einschlägigen Artikel verweisen, die Sie hier nachlesen können. Ganz kurz dargestellt, ergibt sich die Problematik, dass insbesondere wechselwilligen Frauen der Weg in die Unisex-Tarife verwehrt bleibt, da der Standardtarif nicht als Unisex-Variante angeboten wird. Neben anderen juristischen Aspekten stellt sich insbesondere die Frage, warum ein Verband, der vom Gesetzgeber seinerzeit mit der Kalkulation des Standardtarifes beauftragt wurde, sich nunmehr dieser Aufgabe unter Zuhilfenahme peinlicher Argumentation entzieht. Auch bildet dieser Tarif das gesetzliche Niveau, welches Vorgabe bei der Entstehung war, nicht ab.

Es könnte natürlich auch sein, dass es einer neuen Kalkulation gar nicht bedarf und der Versicherungsnehmer – mit vertraglichem Anspruch auf den Standardtarif – dieses Recht auch bei einem Tarifwechsel in Unisex nicht verliert. Dafür sprechen gute Gründe, die auch mit dem Leitfaden zur EU-Richtlinie verträglich sind. Zumindest würde dies das Verhalten der Versicherungsgesellschaften erklären. Während kaum ein Versicherer bei seinen Angeboten, die er den Versicherungsnehmern zukommen lässt, auf den Verlust hinweist (das müsste er selbstverständlich aus seiner gesetzlichen Beratungspflicht heraus), wird dies von dem ein oder anderen Versicherer so dargestellt. Zwangsläufig muss eine Vorgehensweise gegen das Gesetz verstoßen und niemand kann (will) Auskunft geben.

Kindernachversicherung

Hierzu wurde bereits ausführlich geschrieben. Die Problematik Verlust des Standardtarifes wird im Folgenden nur skizzenhaft angerissen (näheres dazu gibt es hier). Eine etwas später erfolgende Anfrage an die einzelnen Versicherungsunternehmen, wie sie mit der Thematik Kindernachversicherung (Elternteil-Verträge sind noch nach Bisex kalkuliert, gegebenenfalls mit Recht auf Standardtarif) umgehen, überraschte uns – nicht zuletzt angesichts der klaren Rechtslage – sehr.

Hier zeigt sich das ganze Elend und Dilemma der privaten Krankenversicherer – jeder strickt sich seine Welt, Gesetze und Aufsicht interessieren Vorstände offenbar nicht mehr im Geringsten. Die Politik und die Behörden sehen weg. Beruf ist hier nicht Berufung. Diese Einschätzung lässt sich im Folgenden exemplarisch belegen.

Rufen wir uns noch kurz das Gesetz ins Gedächtnis. Die Regelungen zur Kindernachversicherung finden sich in Paragraf 198 VVG, Absatz 4:

Der Umfang der Versicherungsleistungen darf nicht höher sein als beim Elternteil welcher privat versichert ist.

Jetzt wird es spannend.

Folgender Sachverhalt wurde zur Beantwortung gestellt:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
begründet durch einen aktuellen Vorfall haben sich Fragen bei der Kindernachversicherung herausgestellt. Gern wüssten wir, wie Sie die Dinge werten und in der Realität handhaben.
Worum genau geht es?
In den letzten Wochen haben wir verstärkt Kindernachversicherung im Bestand. Entsprechend des Versicherungsvertragsgesetzes gilt folgendes:
§ 198 [….] VVG
Demnach kann ein Kind in der Kindernachversicherung nicht besser/höher versichert werden, als die Elternteile/der Elternteil zum Zeitpunkt der Geburt bei der Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen. Natürlich können, je nach Tarif, Besserstellungen möglich sein.
Die logische Folge wäre, dass ein Kind, dessen Elternteil in der Bisex-Welt versichert ist, entsprechend dieses Vertrages (Vertragsänderung) zu versichern ist. Immer wieder erleben wir aber, dass lediglich die Unisex-Welt alternativlos angeboten wird. In der Regel haben diese Tarife Mehrleistungen und würden deshalb nur mit Gesundheitsprüfung versicherbar sein. Das belegen zweifelsfrei auch die Anfragen bei Tarifwechsel, nicht nur nach Paragraf 204 VVG, die von Bisex nach Unisex wechseln.
Bei der „bisher üblichen“ Vorgehensweise würde dem Kind die Möglichkeit genommen werden, zu einem späteren Zeitpunkt in den Standardtarif wechseln zu können. Damit hätte es unserer Auffassung nach gegenüber der Besserstellung im Unisex-Tarif eine Schlechterstellung.
Wir bitten Sie um Benennung der Vorgehensweise Ihres Hauses in einem solchen Fall und der dazugehörigen entsprechenden Argumentation auf rechtlicher Basis.
Vielen Dank für Ihre Mühen. Wir freuen uns auf Ihre Antwort."

Betrachten wir hierzu exemplarisch einige Antworten, die ein bedenklich differenziertes Bild erkennen lassen. 
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