Boni, Altersvorsorge, Ralf Berndt

BVK: Potenziell kritische Anreize über Vermittler-Boni weiter aktuell

Bonifikationen für Vermittler, Altersvorsorge-Reform und eine Personalie – diese Themen hat der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) vor Pressevertretern auf der Versicherungsmesse DKM besprochen. Die Details gibt es hier.
BVK-Präsident Michael H. Heinz.
© BVK
BVK-Präsident Michael H. Heinz.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) hat auf seiner alljährlichen Pressekonferenz auf der DKM mehrere Themen angesprochen.

Thema Nummer 1: Bonifikationen

Bonifikationen, die Produktpartner gewähren, wenn Vermittler bestimmte Vertriebsvorgaben schaffen. Der BVK findet das im Hinblick auf Paragraf 48a Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) problematisch. Denn: Vermittler sollen nach bestmöglichem Kundeninteresse beraten und vermitteln und nicht nach Vertriebsvorgaben der produktgebenden Versicherer.

Im Rahmen seiner aktuellen Strukturanalyse hat der Verband daher die Anteile der Bonifikationen an den Gesamteinnahmen der Vermittler ausgewertet.

  • Bei Maklern machen sie 4,7 Prozent an den Gesamtumsätzen aus,
  • bei Exklusivvertretern sind es 9,3 Prozent und
  • bei Mehrfachvertretern sind 11,1 Prozent der Gesamteinnahmen variabel.

„Nun gibt es solche und solche Zuschüsse“, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz. „Manche zielen auf das Erreichen gewisser Absatzziele. Das ist im Hinblick auf die Vorgabe, im bestmöglichen Kundeninteresse zu beraten, kritisch.“ Andere Zuschüsse dagegen orientierten sich etwa an geringen Stornoquoten und berücksichtigten Kundenbeschwerden. „Diese entsprechen dann eher dem Paragrafen 48a VAG“, so Heinz weiter.

Die BVK-Strukturanalyse untersuchte in diesem Kontext auch, wie hoch die variablen Erfolgsvergütungen bei den Vertrieben der einzelnen Unternehmen sind. „Hier fanden wir eine recht große Bandbreite an den Umsatzanteilen zwischen 3,7 Prozent und 17,5 Prozent“, sagt Matthias Beenken, Professor an der Fachhochschule Dortmund, der die Daten auswertete.

„Die Untersuchung zeigt, dass variable Vergütungen und potenziell kritische Anreize immer noch eine bedeutende Rolle vor allem im Exklusivvertrieb spielen, aber auch in den anderen Vertriebswegen nicht ausgestorben sind“, so Beenken.

BVK-Vizepräsident Andreas Vollmer wünscht sich, die „kurzfristig wirkenden Vergütungselemente mit einem gewissen Willkürcharakter“ aufzugeben und dafür in vertraglich abgesicherte, laufende Vergütungen wie Bestandsprovisionen und -courtagen umzuverteilen. Vollmer: „Wenn schon besondere Anreize eingesetzt werden, sollten qualitative Merkmale wie die Kundenzufriedenheit und die Qualität der Arbeitsweise des Vermittlers eine Rolle spielen.“

Auf der zweiten Seite lesen Sie, was der BVK ins Sachen Frühstartrente und Riester-Reform zu sagen hat. Und eine Personalie gibt’s.

Thema Nummer 2: Altersvorsorge-Reform

Die Politik plant Neuerungen in der Altersvorsorge, konkret Frühstartrente und eine Reform von Riester-Produkten. Der BVK begrüßt das.

„Wir freuen uns, dass endlich Bewegung in die Reform der privaten Altersvorsorge kommt“, sagt Heinz. Der Verband hat selbst bereits Vorschläge gemacht, wie das gelingen könnte:

  • Zulageverfahren der Riester-Rente vereinfachen,
  • Kreis der Förderberechtigten erweitern und
  • starre Garantiezusagen zugunsten größerer Renditechancen aufgeben.

Der BVK findet grundsätzlich auch das Konzept einer „Frühstartrente“ gut, um die private Altersvorsorge schulpflichtiger Kinder zu fördern. Es sei sehr sinnvoll, so früh wie möglich mit einer ergänzenden privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge zu beginnen.

Der BVK will hier in Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Teckpro im November ein webbasiertes „Transparenzportal Vorsorge“ einführen. Es richtet sich an Entscheider, Bürger und Vermittler. Dabei soll neben der Betrachtung der Versorgungssituation optional auch eine Frühstartrente simuliert werden.

Geplant ist auch, dass neben der Altersvorsorge weitere Vorsorgeziele und Bedarfsszenarien wie Arbeitskraftabsicherung, Pflege oder Vermögensaufbau integriert werden sollen. Eine Expertenversion soll zudem detaillierte Szenarienanalysen für eine Produktentwicklung und politische Beratung ermöglichen.

Thema Nummer 3: Neues Beiratsmitglied

Der BVK hat ein neues Beiratsmitglied: den ehemaligen Vertriebsvorstand der Stuttgarter Versicherung, Ralf Berndt. Er ist seit 28. Oktober 2025 dabei. Berndt war 23 Jahre im Vorstand der Stuttgarter Versicherung, von 2002 bis zu seinem Ruhestand am 31. August 2025.

„Wir freuen uns sehr, mit Ralf Berndt einen ausgewiesenen Experten des Maklermarktes für unseren Maklerbeirat gewonnen zu haben“, so Heinz. Der Maklerbeirat des BVK berät das BVK-Präsidium und gibt Orientierung im sich wandelnden Maklermarkt.

Berndt war 23 Jahre im Vorstand der Stuttgarter Versicherung, von 2002 bis zu seinem Ruhestand am 31. August 2025.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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