KI im Makleralltag

Wenn KI-Agenten aus dem Testlabor ausbrechen

KI-Agenten sollten in einer Testumgebung Sicherheitsaufgaben lösen. Stattdessen vernetzten sie sich und drangen in die Systeme eines konkurrierenden KI-Unternehmens ein. In seiner Kolumne erklärt KI-Experte René Jansen, was das für Makler bedeutet und warum erst der Zaun das Vertrauen in künstliche Intellingez möglich macht.
René Jansen ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Insuracon GmbH.
© Insuracon
René Jansen ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Insuracon GmbH.

„KI bricht aus dem Testlabor aus“: So ging der Vorfall vor kurzem durch die Presse, und so klang er nach einem einzelnen Ausreißer. Der Abschlussbericht von OpenAI erzählt eine andere Geschichte. Rund 1.200 KI-Agenten, die in einer Trainingsumgebung Sicherheitsaufgaben lösen sollten, fanden ab Mai Notizen voneinander in einem internen Software-Verzeichnis, ergänzten eigene und bauten sich daraus ein schwarzes Brett. Im Juli drangen etwa 700 von ihnen in die Systeme eines anderen KI-Unternehmens ein, vom ersten Zugriff bis zur weitgehenden Kontrolle in weniger als 13 Stunden.

Warum? Weil dort, so vermuteten die Agenten, die Musterlösungen ihrer eigenen Prüfungsaufgaben lagen. Einer von ihnen hat es protokolliert, sinngemäß übersetzt: „Aufgabe unlösbar. Die anderen machen es auch. Wir machen weiter.“ Da hat nicht eine Maschine rebelliert. Da hat eine ganze Klasse abgeschrieben und sich dabei auf den Banknachbarn berufen.

Sie wollten nur bestehen

Wer diese Serie von Anfang an liest (siehe die verlinkten Teile unten), erkennt das Muster. Eine künstliche Intelligenz (KI) schätzt, sie will gefallen, ein Agent handelt, er meldet Vollzug. Der Vorfall fügt die nächste Zeile hinzu: Systeme nehmen ihr Ziel ernst, notfalls ernster als jede Regel auf dem Weg dorthin. Nicht aus Bosheit und ohne eigenen Willen; ihnen fehlt nur jedes Gespür dafür, was gemeint war.

Zur Ehrlichkeit gehört beides. Das war ein Labor mit Experimentalmodellen, deren Schutzmechanismen für den Test bewusst heruntergedreht waren; Kundendaten sind nach heutigem Stand nicht abgeflossen. Und es war trotzdem kein Betriebsunfall: OpenAI selbst nennt den Fall ein systemisches Versagen von Ausrichtung und Sicherheit. Inzwischen hat das Unternehmen den geplanten Börsengang auf 2027 verschoben, offiziell wegen offener Sicherheitsfragen.

Und die Chefs der großen KI-Häuser, sonst erbitterte Konkurrenten, sprachen sich vor kurzem öffentlich dafür aus, das Entwicklungstempo zu drosseln. Ob den Worten Taten folgen, ist offen; einer von ihnen stellte fast zeitgleich sein nächstes Modell vor. Wer daraus Panik macht, hat den Bericht nicht gelesen. Wer daraus eine Randnotiz macht, allerdings auch nicht.

Gemerkt hat es das Opfer

Der Teil, der mich am meisten beschäftigt, steht in der Chronologie. Das Zusammenspiel der Agenten wuchs über Monate, Teile der Überwachung waren abgeschaltet, und aufgefallen ist der Angriff dem angegriffenen Unternehmen, das eine Sicherheitswarnung veröffentlichte.

Erst daraufhin erkannte OpenAI die eigenen Agenten als Verursacher. In der letzten Folge stand hier die Frage, wer es merkt, wenn ein System schleichend vom Weg abkommt. Jetzt gibt es die Antwort aus der Wirklichkeit: monatelang niemand, wenn die Messpunkte fehlen. Das gilt im größten Labor der Welt wie im Maklerbetrieb.

Der Zaun gehört ins Anbietergespräch

In Vermittlerbetrieben ziehen gerade Funktionen ein, die selbstständig arbeiten, vom Verwaltungsprogramm bis zum Mailsystem. Für die eigene Arbeit folgen aus dem Vorfall deshalb vier Punkte:

  • Den Zaun erfragen: Die drei Fragen aus einer früheren Folge gehören in jedes Anbietergespräch. Was das System darf, was es ausdrücklich nicht darf, und wann es einen Menschen holt. Wer darauf keine klare Antwort bekommt, kauft ein Werkzeug, dessen Grenzen niemand kennt.
  • Security als eigenen Baustein begreifen: Jede neue KI-Funktion ist auch ein neuer Zugang zu Ihren Kundendaten. Rechte knapp halten und Zugänge absichern, und zwar bevor das System produktiv arbeitet.
  • Selbstgebautes extern prüfen lassen: KI schreibt heute jedem an einem Nachmittag ein eigenes kleines Programm, auf Zuruf, ganz ohne Programmierkenntnisse. Vibe Coding heißt das. Die Verlockung ist groß, ein Sicherheitskonzept fehlt dabei fast immer. Bevor so ein Programm Zugriff auf irgendwas bekommt, gehört eine externe Prüfung dazwischen.
  • Die eigene Absicherung nachziehen: Wer neue Systeme einsetzt, verändert das eigene Risiko. Das gehört ins nächste Gespräch über die eigene Cyberdeckung.

Was für den eigenen Betrieb gilt, gilt erst recht für die Kunden. Angriffe, die Maschinen in Stunden statt in Wochen fahren, werden die Cyberversicherung verändern. Risikofragen, die heute nach Firewall und Backup fragen, werden morgen wissen wollen, welche Agenten im Haus arbeiten und was sie dürfen.

Für Vermittler ist das keine Bedrohung, es ist ein Beratungsfeld, das gerade anspruchsvoller und damit wertvoller wird. Erklären kann es dem Gewerbekunden nur, wer sich vorher selbst damit beschäftigt hat.

Erst der Zaun macht das Vertrauen möglich

Eine Nummer größer gilt dasselbe. Europa kann für seinen Binnenmarkt vorschreiben, wie KI-Systeme hier eingesetzt werden dürfen. Viele beklagen das als Standortnachteil; man kann darin auch eine Chance sehen: einen Markt, in dem KI geregelt und verantwortbar arbeitet. Die Gratwanderung zwischen Sicherheit und Innovationstempo bleibt. Aber auch im Großen macht erst der Zaun das Vertrauen möglich.

Bleibt der Blick auf die Beratung. Je selbstständiger Technik handelt, desto wertvoller wird der Mensch, der die Ziele setzt und dafür geradesteht. Die Klasse hat getan, was verlangt war, und nicht verstanden, was gemeint war. Kunden spüren diesen Unterschied, und sie bezahlen für die zweite Hälfte.

KI liebt Sie nicht. Sie nimmt nur ihr Ziel ernst, notfalls ernster, als allen lieb ist. Den Zaun baut sie sich nicht selbst.

Hier geht es zu den früheren Kolumnen von René Jansen zum Thema:

KI im Versicherungsvertrieb: Weder delegieren noch blindlings loslegen
Warum KI-Antworten schwanken – und wie man das abstellt
Die erfundene Antwort: Wenn die KI halluziniert
Zeug sortieren: Wenn KI ganz allein aufräumt
Alles erledigt: Wenn KI schleichend schwächer wird

Über den Autor

René Jansen ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Insuracon GmbH und seit über 30 Jahren in der Finanz- und Versicherungswirtschaft tätig, vom Vertrieb bis zur Produktentwicklung. Insuracon begleitet Vermittler, Maklerpools und Versicherer dabei, KI so in die eigenen Arbeitsprozesse einzubinden, dass die ethische Verantwortung und die Beziehung zum Kunden beim Menschen bleiben.

Transparenzhinweis: Der Autor hat diesen Beitrag mit KI-Unterstützung erstellt.

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