KI im Makleralltag

Zeug sortieren: Wenn KI ganz allein aufräumt

In seiner Artikelserie tastet sich KI-Experte René Jansen voran. Ging es zuletzt um die Frage, warum und wie KI halluziniert, überträgt er ihr heute gleich eine komplette Aufgabe in Eigenregie: Sie soll seinen Lesestapel aufräumen. Ob das klappt?
René Jansen ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Insuracon GmbH.
© Insuracon
René Jansen ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Insuracon GmbH.

Ich habe eine Sammlung, die vermutlich jeder kennt. Sie heißt „Lese ich später“. PDFs, Links, Whitepaper, eigene Präsentationen, Zusammenfassungen. Gut gemeint abgelegt, selten wieder angefasst. Das Aufräumen schiebe ich seit Jahren vor mir her, es ist wie mit ungelesenen Büchern im Regal: Die schauen einen jeden Tag ein bisschen vorwurfsvoller an.

Vor kurzem habe ich die Sammlung von einem KI-Agenten aufräumen lassen. Ohne Arbeitsanweisung, ohne Vorgaben. Der Agent kennt mein Geschäft, und ich habe es einmal zugelassen. Vorher habe ich eine Sicherheitskopie gezogen, denn ich weiß, was ein Agent aus „räum hier mal auf“ alles machen kann.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Agent hat nach Aktualität sortiert. Basiswissen hat er entsorgt. Aus inhaltlich dünnen Marketingpapieren hat er die brauchbaren Kernaussagen behalten und den Rest gelöscht. Dafür hat er sich eigene Regeln gebaut, und die konnte er mir hinterher sauber zusammenfassen, als fertige Arbeitsanweisung fürs nächste Mal. Der Auftrag ohne Vorgaben hat seine Vorgaben selbst geschrieben.

In den ersten beiden Folgen (hier und hier) unserer Serie ging es um Antworten, die schwanken oder erfunden sind. Ein Agent hebt das auf die nächste Stufe. Er antwortet nicht nur. Er handelt.

Vom Antworten zum Handeln

Genau das unterscheidet einen Agenten vom Chat. Ein Chat liefert Text, den Sie lesen, prüfen und dann verwenden oder verwerfen. Ein Agent führt Arbeitsschritte selbst aus. Er öffnet Dateien, sortiert Ablagen, entwirft Mails, legt Termine an. Das ist ein echter Sprung an Entlastung, und er hat einen Preis: Zwischen jeder schwankenden Antwort und der Wirklichkeit stand bisher ein Mensch, der liest und stutzt. Beim Agenten fehlt dieser Mensch, wenn Sie ihn nicht ausdrücklich einbauen. Aus schwankenden Antworten werden schwankende Entscheidungen.

Den Neuen lässt man ankommen

Wie man damit umgeht, weiß eigentlich jeder Betrieb. Der neue Mitarbeiter bekommt am ersten Tag keine Kontovollmacht und keine Mandantenliste, so gut das Vorstellungsgespräch auch lief. Das ist kein Misstrauen, es ist Schutz: für ihn, für die Kunden, für den Betrieb. Er wächst Schritt für Schritt in die Verantwortung, und ein zweites Augenpaar sieht auf alles, was das Haus verlässt. Beim Agenten überspringen viele diesen Schutz. Er klingt ja kompetent. Und wie wir seit der letzten Folge wissen, klingt er auch dann kompetent, wenn er danebenliegt.

Drei Fragen vor dem ersten Auftrag

Vor dem ersten Einsatz eines Agenten gehören deshalb drei Fragen beantwortet. Was genau soll er tun? Was darf er ausdrücklich nicht, etwa löschen oder versenden? Und wann muss er anhalten und einen Menschen holen?

Nur: Alles aufzuzählen, was ein Agent nicht darf, dauert schnell länger als die Aufgabe selbst. Bei heiklen Prozessen, überall dort, wo Kundendaten, Geld oder ausgehende Post im Spiel sind, lohnt genau diese Mühe. Bei Standardaufgaben frisst sie den Zeitvorteil auf. Dort reicht ein Sicherungsnetz: vorher eine Kopie, nichts endgültig löschen, das Ergebnis stichprobenweise ansehen. Meine Sicherheitskopie war nichts anderes, denn was wir nicht wollen, wissen wir oft erst, wenn es passiert ist.

Dass der Agent seine eigenen Regeln bauen durfte, war Absicht. Denn durchsuchen werde ich diese Sammlung künftig nicht mehr selbst. Das übernimmt er, als Bibliothekar, den man fragt, statt selbst durch die Regale zu gehen. Wer die Ordnung benutzt, darf sie auch bauen.

Für alles Übrige gilt die Faustregel aus der Personalführung: Mehr Rechte erst, wenn das Vertrauen gewachsen ist. Erst lesen, später schreiben, versenden zuletzt. Und für alles, was Kunden erreicht oder Daten verändert, gilt das Vier-Augen-Prinzip. Das zweite Augenpaar sind Sie.

Bleibt die Frage, wer es eigentlich merkt, wenn ein Agent seine Arbeit schleichend schlechter macht. Dazu beim nächsten Mal mehr.

KI liebt Sie nicht. Ein Agent liebt Sie auch nicht. Er tut, was er verstanden hat. Sagen Sie ihm rechtzeitig, was er lassen soll!

Über den Autor

René Jansen ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Insuracon GmbH und seit über 30 Jahren in der Finanz- und Versicherungswirtschaft tätig, vom Vertrieb bis zur Produktentwicklung. Insuracon begleitet Vermittler, Maklerpools und Versicherer dabei, KI so in die eigenen Arbeitsprozesse einzubinden, dass die ethische Verantwortung und die Beziehung zum Kunden beim Menschen bleiben.

Transparenzhinweis: Der Autor hat diesen Beitrag mit KI-Unterstützung erstellt.

Mehr zum Thema

Warum KI-Antworten schwanken – und wie man das abstellt

„KI liebt mich. KI liebt mich nicht.“ Sie kennen das Spiel aus Kindertagen. Blütenblatt für…

Warum Versicherer bei KI an sich selbst scheitern

Während Versicherer zunehmend in künstliche Intelligenz (KI) investieren und immer mehr Anwendungen produktiv gehen, bleibt…

Von Krankenkassen bis Makler: Danach suchen Versicherungskunden

Das Gesamtsuchvolumen zur Versicherungsbranche ist im laufenden Jahr erstmals spürbar zurückgegangen. Die Suchanfragen sanken um…

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert