Eine Aufgabe für alle

Wie man den Gender Pension Gap endlich beseitigen kann

Seit Jahren gibt es ständig neue erschreckende Zahlen zum Gender Pension Gap. Um die Rentenlücke von sehr vielen Frauen und auch Männern zu beseitigen, hat Cordula Vis-Paulus mit zahlreichen Expertinnen und Experten am 12. September in Düsseldorf diskutiert. Pfefferminzia war auch beim zweiten German Equal Pension Symposium dabei. Warum das Thema auch für Makler relevant ist, lesen Sie hier.
Katrin Turvey, Birgit Happel, Cordula Vis-Paulus und Katrin Fuchs (v.l.) diskutieren beim GEPS 2024: Um den Gender Pension Gap zu beseitigen, müssen nicht nur Frauen umdenken.
© Cordula Vis-Paulus
Katrin Turvey, Birgit Happel, Cordula Vis-Paulus und Katrin Fuchs (v.l.) diskutieren beim GEPS 2024: Um den Gender Pension Gap zu beseitigen, müssen nicht nur Frauen umdenken.

Der Gender Pension Gap ist so eine Sache. Die Rentenlücke geistert dauernd als Schreckgespenst durch die Medien. Und wenn es so weitergeht, wird ein Großteil der Frauen von ihrer Rente im Alter kaum leben können. Soweit die bekannten Fakten.

Aber: „Drei Viertel der Frauen machen sich über den eigenen Gender Pension Gap keine Gedanken“, sagt Mascha Wegener, Fachbereichsleitung Pension & Benefits bei der Allianz Lebensversicherung. Und die Zahl von drei Vierteln ist schon ein kleiner Erfolg. In der Vorjahresbefragung waren es noch 80 Prozent der Frauen, die das Thema lieber ignorieren.

Frauen unterschätzen die Höhe ihrer Rentenlücke

Was die Sache nicht gerade leichter macht: Frauen, die sich ihrer Rentenlücke bewusst sind, unterschätzen deren Höhe. Daher geht ihre Motivation, sich um solch spröde klingenden Themen wie Finanzen und betriebliche Altersvorsorge zu kümmern, gegen Null.

Absolut nachvollziehbar, haben viele Frauen mit Job, Care-Arbeit und Kindererziehung ohnehin schon alle Hände voll zu tun. Aber es ist dennoch bitter, nicht nur für die Frauen, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Es müssen also dringend Lösungen her.

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BAV-Maklerin Cordula Vis-Paulus hat sich das Thema seit Jahren auf die Fahnen geschrieben. Am 12. September hat sie daher zum zweiten Mal das „German Equal Pension Symposium“ veranstaltet. Im Wirtschaftsclub Düsseldorf hat die Spezialistin für betriebliche Altersversorgung knapp 80 Fachleute aus unterschiedlichen Branchen zusammengetrommelt.

Ein ganz großes Problem beim Thema „Rentenlücke“: „Viele Frauen lagern das Thema Finanzen an ihre Männer aus“, sagt Iris Kremers, Mitglied des Aufsichtsrats der Neue Leben Lebensversicherung.

Henriette Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge Management, appelliert klar an die Eigenverantwortung der Frauen: „Altersvorsorge ist ein emanzipatorischer Akt. Ohne eine ausreichende Altersvorsorge kann man die Emanzipation der Frau vergessen. Es wird keiner für die Frauen diese Aufgabe übernehmen.

Den Gender Pension Gap zu beseitigen, ist eine gesamtwirtschaftliche Aufgabe

„Wir Frauen können zwar laut werden und auf das Thema aufmerksam machen, aber wir können das nicht allein stemmen“, so Vis-Paulus. Den Gender Pension Gap zu beseitigen, sei eine gesamtwirtschaftliche Aufgabe mit vielen Dimensionen und Aspekten.

Martin Gräfer, Mitglied des Vorstands bei der Bayerischen (ja, auch Männer waren dort), nimmt auch die Männer in die Pflicht und schlägt ganz pragmatisch vor: „Einen Versorgungsausgleich bei der Hochzeit zu vereinbaren, ist praktischer als dies erst am Ende der Ehe zu tun, ganz einmal von dem Wert einer gleichberechtigten Partnerschaft abgesehen.“

Aktuell arbeiten zwei Drittel der Frauen in Unternehmen in Vollzeit oder Teilzeit. Daher kommt Unternehmen auch die gesellschaftliche Aufgabe zu, den Gender Pension Gap einzudämmen.

Zu den konkreten Maßnahmen sollten aus Sicht der Teilnehmenden zum Beispiel mehr und bessere Kinderbetreuungsangebote gehören, dass die betriebliche Altersversorgung während der Elternzeit weitergezahlt wird und dass es mehr Informationsveranstaltungen zum Thema „Finanzen“ gibt.

Hier gibt es großen Nachholbedarf. Denn bei vielen Personen scheitert es schon an einfachen ökonomischen Zusammenhängen: „Ein Eis hat früher mal 20 Pfennig gekostet. Es kostet diesen Sommer in München 1,80 Euro. Solche Zusammenhänge müssen mehr Menschen verstehen“, sagt Ute Thoma, Leiterin der Unternehmensvorsorgewelt der Bayerischen.

Auf der zweiten Seite lesen Sie, warum bessere Finanzbildung nur ein Teil der Lösung des Gender Pension Gap ist.

Bessere Finanzbildung hilft, beseitigt aber nicht den Gender Pension Gap

Nur reicht bessere Finanzbildung von Frauen und Männern nicht allein als Lösung für das Problem. „Wir brauchen auch mehr Coaches, die mit Menschen an ihrem Money Mindset arbeiten und ihnen die Scheu vor Geld nehmen“, sagt Birgit Happel, Autorin des Buchs „Auf Kosten der Mütter“ und Vortragsrednerin in einer der Diskussionsrunden.

Außerdem sollte Care-Arbeit Teil des Bruttoinlandsprodukts sein, fordert Finanzbildungsexpertin Happel. Katrin Fuchs, Coach und Beraterin für Vereinbarkeit von Lebensphasen und Beruf, hat dazu noch genauere Zahlen: Frauen leisten pro Tag durchschnittlich 4 Stunden und 13 Minuten Sorgearbeit pro Tag „und das unbezahlt“.

  • Pro Jahr schätzen Experten den Wert unbezahlter Care-Arbeit laut Fuchs auf 825 Milliarden Euro.
  • Zum Vergleich: im Jahr 2023 haben Bund und Länder 830 Milliarden Euro an Steuern eingenommen. 

Was passiert, wenn Frauen und Männer in Altersarmut abrutschen, ist nicht schön: Armut reduziert die Zahl gesunder Lebensjahre bei Frauen um 11 Jahre, bei Männern um 15 Jahre.  „Und Menschen in Altersarmut fallen der Solidargemeinschaft vor die Füße, die dann für sie aufkommen muss“, sagt Vis-Paulus.

Frauen sind eine lukrative Zielgruppe für Makler

Und was bei der Diskussion um den Gender Pension Gap gerne mal vergessen wird: Es lohnt sich für Berater, Frauen auf das Thema aufmerksam zu machen und diese zu beraten. Denn Frauen machen nun mal knapp die Hälfte der Bevölkerung aus. Sie sind damit ein großer Wirtschaftsfaktor. Sie benötigen allerdings eine andere Ansprache als Männer.

Aber generell gilt: „Kein Kunde hat einen Bedarf für eine betriebliche Altersversorgung“, erklärt Altersvorsorgespezialist Josef Pilger. Er hat unter anderem als Global Pension and Retirement Leader bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY die Altersvorsorgesysteme vieler Länder reformiert.

Was Kunden stattdessen wollen: „Alle wollen etwas mit ihrem angesparten Geld machen.“ Das ist aus Pilgers Sicht der Anknüpfungspunkt für Berater. Denn viele Personen sind beispielsweise davon fasziniert, finanziell frei zu sein.

Bis der Gender Pension Gap keine Rolle mehr spielt, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Aber um nicht zu negativ zu enden, gibt es zumindest noch eine gute Nachricht zum Schluss: Aus der Sicht von Agenturinhaberin Ines Freiboth gibt es klare positive Signale. Sie beobachtet in ihrem beruflichen Alltag, dass jüngere Kundinnen zunehmend besser informiert zu ihr in die Beratung kommen. Es geht also voran bei diesem Thema.

Mehr Eindrücke der Veranstaltung finden Sie hier.

Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Seit Juli 2024 ist sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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