Aspekte weggelassen?

DIA schießt gegen Verivox-Rechnung

Der Online-Vermittler Verivox rechnet das Altersvorsorgedepot gegen ein (kostenloses) ETF-Depot – und zieht damit Ärger aus dem Deutschen Institut für Altersvorsorge auf sich. Die dortigen Spezialisten werfen Verivox vor, einige wichtige Umstände unterschlagen zu haben.
Person prüft Rechnungen am Laptop mit Taschenrechner.
© Freepik
Richtig rechnen? Laut DIA hat Verivox zu viele Aspekte weggelassen

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) zeigt sich mit einer Rechnung des Vergleichsportals Verivox überhaupt nicht einverstanden. Sie enthalte „methodische Fehlannahmen“ und lasse „zentrale Förder- und Steuerwirkungen unberücksichtigt“, so der Vorwurf.

Verivox, das auch eine Lizenz als Versicherungsmakler hat, hatte vor einigen Tagen zwei Sparmodelle miteinander verglichen. Auf der einen Seite stand ein nicht gefördertes, aber kostenloses ETF-Depot. Auf der anderen Seite das geförderte Altersvorsorgedepot, mit Kosten von einem Prozent im Jahr. Das entspricht dem geplanten gesetzlichen Kostendeckel für Standarddepots.

Das Fazit der Rechnung packte Verivox in die Überschrift des Artikels: „Neues Altersvorsorgedepot: Gebühren können die staatliche Förderung komplett aufzehren.“ Mehr zu den Details lesen Sie hier.

Das ganze Konstrukt sorgt nun bei den DIA-Leuten für einigen Groll. Sie werfen Verivox vor, wichtige Aspekte unterschlagen oder beschönigt zu haben. Einer davon ist die Annahme, ein ETF-Depot sei kostenlos. „Selbst günstige ETFs verursachen laufende Kosten von typischerweise 0,2 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Wer 1,0 Prozent gegen null rechnet, erzeugt eine künstliche Kostenschere“, meint DIA-Sprecher Peter Schwark.

Noch dramatischer finden man beim DIA jedoch den Umstand, dass Verivox die Steuern außen vor gelassen hat. Tatsächlich müssen Anleger in normalen ETF-Depots auf sämtliche Gewinne Abgeltungsteuer von 25 Prozent zahlen (der jährliche Freibetrag von 1.000 Euro pro Kopf hilft irgendwann nicht mehr viel).

In seiner Rechnung hatte Verivox eine Rendite von 7,5 Prozent unterstellt. Laut DIA gehen davon fast 2 Prozentpunkte für die Steuer drauf. Schwark weiter: „Gleichzeitig bleiben die steuerlichen Vorteile des Altersvorsorgedepots, etwa die Abzugsfähigkeit der Beiträge inklusive Zulagen und die Günstigerprüfung, komplett außen vor.“

Und dann wird es noch richtig wissenschaftlich. Denn Verivox hat wohl auch den sogenannten intertemporalen Progressionseffekt weggelassen. Der besagt im Grunde, dass der Steuersatz im Erwerbsleben höher liegt als im Rentnerdasein. Wenn man also Beiträge fürs Altersvorsorgedepot von der Steuer absetzen kann und später niedriger versteuern darf, hebt das die Rendite nach Steuern.

„Kosten sind wichtig, keine Frage“, fasst Schwark zusammen. „Aber wer Kosten bewertet, muss Förderung und Steuern zwingend mitrechnen. Alles andere ist keine sachgerechte Verbraucherinformation. Die Aussage, die Förderung werde schon bei 1,0 Prozent Kosten ‚aufgezehrt‘, ist nicht haltbar.“

Mehr zum Thema

Ex-Finanzminister Kukies fordert auf MMM-Messe entschlossene Reformen

Deutschland wächst kaum noch. Das ist die nüchterne Diagnose, die Ex-Bundesfinanzminister Jörg Kukies mit zwei…

„Der kostenlose Zusatznutzen der Fondspolice wird kaum thematisiert“

Pfefferminzia: Warum sind Fondspolicen das passende Altersvorsorgeinstrument? Ralf Meyer: Kapital allein ist keine Absicherung für…

PKV-Antrag vorbereiten: So erhöhen Sie die Annahmechancen

Unvollständige Angaben, fehlende Voranfragen, unklar formulierte Diagnosen: Wenn ein PKV-Antrag scheitert, liegt das fast immer…

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert