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Altersvorsorgereform: „Der Kuchen wird wieder größer“

Die ALH Gruppe sieht in der geplanten Altersvorsorgereform neue Chancen für die Branche. Gleichzeitig verändern Konsolidierung im Maklermarkt und der Einsatz künstlicher Intelligenz das Geschäft grundlegend. Das machten die Vorstände der Gruppe bei einem Pressegespräch deutlich.
Vier Männer in Businesskleidung sprechen über Altersvorsorge und Reformen.
© ALH Gruppe
Ein Teil des Vorstands der ALH Gruppe (oben, v.l.): Christoph Bohn (Vorstandsvorsitzender), Jürgen Bierbaum (stellvertretender Vorstandsvorsitzender). Unten v.l.: Christian Pape (Vertriebsvorstand) und Jochen Kriegmeier (Vorstand Digitalisierung und KI).

Die geplante Reform der geförderten privaten Altersvorsorge sieht die ALH Gruppe als Chance, nicht als Bedrohung. „Ich bin Optimist, das Glas ist halb voll“, sagte Jürgen Bierbaum, stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Er rechnet nicht mit einem abrupten Systemwechsel, sondern mit einem Markt, in dem sowohl Fondsprodukte als auch Rentenversicherungen ihren Platz finden werden. „Der Kuchen wird wieder größer“, ist Bierbaum überzeugt.

Bierbaum betonte, sein Haus habe Riester-Produkte während der gesamten Niedrigzinsphase weiter angeboten – trotz der damals belastenden 100-Prozent-Beitragsgarantie. Diesen Weg will die ALH Gruppe fortsetzen: „Wir werden jetzt auch eine geförderte Vorsorgerente anbieten, in mehreren Varianten.“ Von der vollständigen Beitragsgarantie will man aber Abstand nehmen, sie sei „zu konservativ und zu wenig chancenträchtig“.

Riester-Wechsel: „Wird nicht ohne Beratung gehen“

Für Bestandskunden mit laufenden Riester-Verträgen sieht Bierbaum keinen Automatismus zum Wechsel. Viele bestehende Verträge mit höheren Rechnungszinsen könnten sich auch weiter lohnen. Entscheidend sei die individuelle Beratung: „Das wird nicht ohne Beratung gehen.“ Um Vermittler dabei zu unterstützen, prüft die ALH Gruppe technische Vergleichs-Tools, mit denen alte und neue Systematik gegenübergestellt werden können.

Vertriebsvorstand Christian Pape ergänzte, man verstehe sich als aufklärender Partner für Makler und Vermittler: „Wir versuchen wirklich viel Aufklärung zu betreiben, sodass die Vermittler genau den Dialog mit ihren Kundinnen und Kunden pflegen können.“ Die geförderte Rente könne ein Einstieg sein – reiche aber allein nicht für eine ausreichende Altersvorsorge aus.

Maklermarkt: Konsolidierung erhöht die Anforderungen

Im Maklermarkt beobachtet die ALH Gruppe eine ausgeprägte Konsolidierungsphase. Größere, professioneller aufgestellte Einheiten entstehen, Pools und Vertriebe gewinnen Marktanteile. „Dem muss man sich einfach stellen“, sagte Pape. Die wachsenden Einheiten stellen aus seiner Sicht höhere Anforderungen an Versicherer – bei Prozessqualität, technischer Unterstützung und Produktstärke gleichermaßen.

Die ALH Gruppe will deshalb in Betreuungsqualität und Servicee investieren, um auch für größere Maklerhäuser der bevorzugte Versicherungspartner zu bleiben.

Gleichzeitig will sich die ALH Gruppe nicht allein auf den Maklerkanal verlassen. Omnikanalfähigkeiten sollen ausgebaut, der digitale Direktvertrieb gestärkt werden. Als Benchmark diene dabei nicht nur der Wettbewerb aus der Branche, sondern die besten digitalen Kundenerlebnisse insgesamt.

Künstliche Intelligenz: Vom Piloten in den Produktivbetrieb

Beim Thema künstliche Intelligenz sieht sich die ALH Gruppe auf einem guten Weg – und will deutlich mehr Gas geben. Jochen Kriegmeier, Vorstand für Digitalisierung und Serviceprozesse, beschrieb den Übergang vom Experimentieren zum produktiven Einsatz: „KI ist für uns kein isoliertes Innovationsthema mehr, sondern der zentrale strategische Werthebel.“

Konkret läuft KI bereits in mehreren Bereichen: In der Berufsunfähigkeitsversicherung wertet Software medizinische Dokumente und Arztberichte automatisch aus und erstellt Zusammenfassungen für Sachbearbeiter. In der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und der Lebensversicherung werden eingehende E-Mails klassifiziert und – wo möglich – vollautomatisch verarbeitet. In der Krankenversicherung der Halleschen ist ein KI-basierter Voicebot in der Telefonzentrale im Einsatz, zunächst für die Kundenauthentifizierung – weitere Anwendungsfälle sollen folgen. Zusätzlich gibt es Chatbots für interne Arbeitsrichtlinien und Beihilfeverordnungen, die den Rechercheaufwand der Mitarbeiter reduzieren sollen.

„Kein Stellenabbauprogramm“

Auf dem Weg in die Breite setzt das Unternehmen bei den Mitarbeitenden stark auf Mitnahme statt Druck. Es gibt verpflichtende Trainings bei jedem KI-Einsatz, 14-tägige Gesprächsrunden zu ChatGPT wurden konzernweit eingeführt, Prompting-Workshops und E-Learning-Formate ergänzen das Angebot. „KI ist bei uns explizit keine Bedrohung, sondern in vielen Fällen eine Arbeitserleichterung“, so Kriegmeier. Auch der Betriebsrat wurde frühzeitig eingebunden – was die Implementierung erleichtere.

Auf die Frage, ob KI Stellen abbaue, antwortete der Vorstandsvorsitzende Christoph Bohn: „Ich sehe im Moment keine Veranlassung, Mitarbeiter aktiv abzubauen.“ Den demografischen Effekt – bis 2035 scheiden rund 26 Prozent der Belegschaft altersbedingt aus – und die technologische Entwicklung sehe er als sich gut ergänzende Faktoren. Kriegmeier ergänzte: „KI ist bei uns explizit kein Stellenabbauprogramm.“ Das Ziel sei vielmehr, das überdurchschnittliche Wachstum der vergangenen Jahre mit dem bestehenden Personalstamm bewältigen zu können.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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