Alles Geld zur Bundesbank?

Frühstartrente: BVK im Clinch mit Verbraucherzentrale

Das gibt mal wieder Streit: Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg will bei der Frühstartrente Kinder vor privater Finanzwirtschaft und Vertrieb schützen. Deshalb soll die Auffanglösung mit der Bundesbank zum Standard werden. Das will der BVK so nicht stehen lassen.
Mit dem Kind zusammen ins Depot schauen? Die Frühstartrente soll Finanzwissen und -erfahrung vermitteln
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Mit dem Kind zusammen ins Depot schauen? Die Frühstartrente soll Finanzwissen und -erfahrung vermitteln

Welche Rolle soll das staatliche Geld-Auffangbecken in der Frühstartrente spielen? In dieser Frage liegt der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) mit der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kräftig über Kreuz. Denn letztere will das staatliche Angebot zum Standard erheben. Das will dem BVK aber überhaupt nicht schmecken.

Hintergrund: Im neuen Jahr soll die Frühstartrente in Kraft treten. Kinder zwischen 6 und 18 Jahren bekommen dann vom Staat monatlich 10 Euro geschenkt, die in ein Vorsorgedepot fließen sollen (mehr Details erfahren Sie hier und hier). Sollten die Eltern jedoch kein Depot einrichten, fließt das Geld anonym in eine kollektive Anlage bei der Bundesbank. Dort können es die jungen Erwachsenen bis zum 25. Lebensjahr abrufen.

Kollektive Lösung als Regelfall

Doch an dieser eigentlichen Notlösung scheiden sich die Geister. Die Verbraucherzentrale macht einmal mehr keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber der privaten Finanzwirtschaft, vor der man die Kinder schützen müsse. Entsprechend gut findet sie es zum Beispiel, dass für die Frühstartrente keine Abschluss- und Vertriebskosten anfallen dürfen. Außerdem fordert sie aber, dass die erwähnte kollektive Lösung bei der Bundesbank der Regelfall werden soll. Und nicht etwa mit ETFs bestückte Depots bei Neobrokern.

Der BVK wirft sich ebenfalls in sein Element und betont, wie wichtig es sei, dass sich Menschen für ihre Finanzen beraten lassen. Den Plan der Verbraucherschützer lehnt er ab. „Die Vorschläge verengen die Wahlmöglichkeiten der Eltern, schwächen den Wettbewerb und gefährden langfristig die Akzeptanz kapitalgedeckter Altersvorsorge“, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz. „Die Frühstartrente kann nur dann ein Erfolg werden, wenn sie auf Eigenverantwortung, finanzielle Bildung und individuelle Beratung setzt. Eine staatliche Standardlösung für alle ist nicht der richtige Weg.“

Zudem verwahrt sich der Verband dagegen, wie die Verbraucherzentrale die Finanzberatung einschätzt. Wörtlich schreibt die nämlich: „Damit führt die Frühstartrente Eltern und Kinder in einen Markt, dessen strukturelle Fehlanreize, Kostenprobleme und verbraucherbenachteiligende Praktiken seit Jahrzehnten bekannt sind.“ Bähm!

Beratung als gelebter Verbraucherschutz

Der BVK verweist auf die seit Jahrzehnten erhöhten Standards im Vertrieb und hält dem entgegen: „Qualifizierte Beratung ist kein überflüssiger Kostenposten, sondern gelebter Verbraucherschutz. Gerade bei einer Vorsorgeentscheidung, die über Jahrzehnte wirkt, helfen persönliche Ansprechpartner dabei, Chancen und Risiken zu verstehen und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Der vorgeschlagene Beratungsverzicht weist daher in die falsche Richtung.“

Deshalb setzt der Verband einen drauf, indem er fordert: Das Frühstartgeld soll mit Volljährigkeit nicht wie vorgesehen automatisch in ein Standard-Altersvorsorgedepot hinüberfließen. „An die Stelle von Automatismen sollten Beratung, Aufklärung, Wahlfreiheit und individuelle Entscheidungsrechte treten.“

Was sich beide Seiten fragen sollten

Damit treffen einmal mehr komplett unterschiedliche Sichtweisen auf den deutschen Finanzvertrieb aufeinander. Der BVK muss einerseits akzeptieren, dass bei so einem Anfütter-Konzept für Kinder die Kosten angemessen niedrig bleiben müssen (sonst kann es wirklich schiefgehen).

Die Verbraucherzentrale muss sich hingegen die Frage gefallen lassen: Wie soll die Sache mit der Finanzbildung funktionieren, wenn alle Frühstartrenten direkt in den Topf bei der Bundesbank wandern? Kinder und Eltern sollen sich ja regelmäßig damit befassen, draufschauen und so Erfahrungen sammeln. Und dafür braucht man ein eigenes Depot.

Und: Werden Eltern die Frühstartrente wirklich nutzen, wenn niemand sie anspricht und darauf hinweist? Oder wollen das allein die Verbraucherzentralen stemmen? Doch vielleicht hat sich das ja dann auch erledigt, wenn eh alles Geld von Anfang an zur Bundesbank fließt. Dann muss auch keiner mehr was machen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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