Seit einigen Tagen liegt der Gesetzesentwurf für die neue Frühstartrente auf dem Tisch. Wichtige Inhalte dazu lesen Sie hier und hier. Der allgemeine Tenor lautet: Die Idee ist gut, aber sie ist nicht wirklich gut umgesetzt.
Nicht nur Berater- und Vermittlerverbände finden die Frühstartrente in ihrer aktuell geplanten Form … nun ja … semi-gelungen. Auch aus der Investmentbranche ertönt nicht allzu lautstarker Beifall (von uns übrigens auch nicht, wie Sie hier hören können).
Exemplarisch dafür steht Vanguard, seines Zeichens zweitgrößter Vermögensverwalter der Welt. Die Fondsgesellschaft hat detailliert Stellung bezogen und das Werk direkt ans Finanzministerium geschickt. Das Interessante daran: Vanguard hackt nicht wild auf dem Gesetzentwurf herum, sondern lobt erstmal. Dann trägt es präzise Ideen vor. Und die könnten das Konzept tatsächlich erweitern, abrunden … vielleicht retten.
Zu Beginn des Schreibens bezieht sich die Fondsgesellschaft auf die Studie „Kinderdepots im internationalen Vergleich – Was können wir für die Frühstart-Rente vom Ausland lernen?“, die sie zusammen mit dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) veröffentlichte. Darin besahen sich die Autoren vergleichbare Konzepte in Frankreich, Großbritannien, Israel, Kanada und den USA.
Es ist zwar erlaubt, bis zu 6.840 Euro im Jahr hinzuzuzahlen (wer denkt sich eigentlich immer solche Zahlen aus?). Doch Eltern könnten erhöhte Lust dazu verspüren, wenn sie solche Zuschüsse von der Steuer absetzen könnten.
Vanguard: „Dies würde die Attraktivität des Modells erhöhen, zusätzliche Vermögensbildung ermöglichen und die Eigenverantwortung beim langfristigen Vorsorgesparen stärken.“
Im Ausland sind Kinderdepotmodelle nicht nur für die Altersvorsorge, sondern auch andere Dinge gedacht, gibt Vanguard zu bedenken. Die Ausbildung etwa. Erlaubte man das auch in Deutschland, insbesondere für Ausbildung und Studium, nähmen die Heranwachsenden die Frühstartrente viel stärker wahr. Und Eltern und Verwandte wären noch eher bereit, etwas zusätzlich einzuzahlen.
Bei Vanguard bezweifelt man, dass die bloße Existenz des Altersvorsorgedepots zu mehr Finanzwissen im Volk führt. Vor allem die geplante staatliche Auffanglösung (wenn Eltern kein Depot für die Kinder eröffnen) werde kaum dafür sorgen.
Deshalb sollte die Auffanglösung verstärkt so funktionieren wie Verträge mit privaten Anbietern. Insbesondere gehe es dabei um:
Bei Vanguard zeigt man sich überzeugt: Die Frühstartrente wird nur dann ein Erfolg, wenn ausreichend viele Anbieter am Start sind, um passende Produkte zu entwickeln und Familien zu beraten (und ihnen die erwünschte Bildung zu vermitteln, siehe oben).
Damit sie aber wirklich auf den Plan treten und loslegen, müssen Abschluss- und Vertriebskosten erlaubt sein. Das entsprechende im Entwurf verankerte Verbot gehört in dieser Form gestrichen.
Freilich ist auch Vanguard ausdrücklich daran interessiert, dass Kosten in der Frühstartrente niedrig bleiben. Doch dafür sorge schon der vorgeschriebene Kostendeckel in Höhe von einem Prozent im Jahr für Standarddepots im Sinne der neuen geförderten Altersvorsorge. Denn nur die sind für die Frühstartrente zugelassen.
Der Entwurf sieht vor, dass die Frühstartrente für 6- bis 18-Jährige gilt. Losgehen soll es mit Geburtsjahrgang 2020. Dann sollen alle jüngeren Jahrgänge folgen. Alle Älteren bleiben außen vor.
Das sorgt jedoch dafür, „dass die Frühstartrente ihre gesellschaftliche Breitenwirkung zunächst nur schrittweise entfalten kann“, bemängelt Vanguard.
Bei allem Respekt für die finanzielle Lage – der Staat sollte deshalb prüfen, ob die Frühstartrente nicht besser schon mit Geburt startet. Schließlich soll man ja möglichst früh beginnen, Vermögen aufzubauen.
Übrigens ist Vanguard mit solchen Vorschlägen nicht allein. Die Initiative Digitale Altersvorsorge, hat ein ähnliches Schreiben in Richtung Finanzministerium abgeschickt (hier ist es). Einige darin geforderte Punkte decken sich genau mit jenen von Vanguard.
Zur Initiative gehören neben der Fondsgesellschaft auch das bAV-Portal Ginkgo, der Online-Vermögensverwalter Raisin, der Neobroker Smartbroker+, die Baader Bank und einige mehr.
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