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Holz gilt als erneuerbare Energie – zumindest besagt das eine Richtlinie der Europäischen Union. Für den Naturschutzbund Nabu ist das ein großes Problem, denn er beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung. So habe sich die Waldfläche in der EU seit 2015 deutlich verkleinert. Grund dafür sei die Nachfrage nach der sogenannten Bioenergie. Diese Nachfrage wiederum sei im gleichen Zeitraum stark gestiegen.
Insbesondere in den nordischen und baltischen Ländern sowie auf der iberischen Halbinsel sei die Entwaldung festzustellen. In Estland etwa würden Schutzgebiete abgeholzt, um Holzpellets zu produzieren, die in ganz Europa exportiert würden. Zudem verbrenne beispielsweise in Großbritannien allein ein umgerüstetes Kohlekraftwerk mehr als die gesamte Holzernte des Landes.
Neben der Vernichtung von Waldfläche mit seinen Folgen für die Natur setze das Verbrennen von Holz viel Kohlendioxid frei. In einem „Brandbrief“ haben bereits vor einem Jahr 500 Wissenschaftler aus der EU und aus den USA vor den Folgen der hohen Treibhausgasemissionen durch das Verbrennen von Holz gewarnt. Damit würde die Klimakrise noch beschleunigt. Besonders heikel: Die EU-Mitgliedstaaten subventionieren dem Nabu zufolge die Energie aus Holzbiomasse mit 16 Milliarden Euro jährlich. 60 Prozent der Bioenergie stamme aus der Holzverbrennung.
„Wie wichtig der Wald für das Ökosystem ist, wissen wir eigentlich alle. Darum wundert es mich angesichts der Klimaerwärmung sehr, dass auf Ebene der EU die Richtlinie für Erneuerbare Energie nicht bereits überarbeitet und Energie aus Holzbiomasse entfernt wurde“, sagt Frederik Waller, Geschäftsführer des Marktplatzes für nachhaltige Versicherungen, bessergrün. „Durch die Abholzung verlieren wir die biologische Vielfalt und die globale Erwärmung wird durch die Emissionen zusätzlich vorangetrieben“, so Waller. „Das Ziel, die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius oder gar 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, rückt so in weite Ferne.“
Um gegen diese Entwicklung gegenzusteuern, setzt sich bessergrün für diverse ökologische Projekte ein. „Seit dem Start unseres Marktplatzes 2019 pflanzen wir für jeden abgeschlossenen Vertrag einen Baum. So kamen bereits mehrere Zehntausend Bäume in Schleswig-Holstein, in Brandenburg, im Bergischen Land und im Harz zusammen“, berichtet Waller. Jedoch sei der Erfolg angesichts der gleichzeitig vernichteten Waldflächen anderswo auf der Welt hinfällig.
„Der Nabu macht deutlich, dass jetzt die Chance besteht, hier nicht länger so weiterzumachen. Der Wald ist zu wichtig, um ihn zu verbrennen, dem muss jetzt Einhalt geboten werden“, sagt Waller. Die entsprechende EU-Richtlinie werde derzeit überarbeitet. „Und Holz darf dort nicht länger als Erneuerbare Energie eingestuft werden“, betont der bessergrün-Geschäftsführer.
Allerdings, so heißt es vom Nabu, scheinen sich die von der Forstwirtschaft profitierenden Staaten durchzusetzen. Schweden und Finnland hielten demnach an der derzeitigen Regelung fest. Deutschland müsse hier mehr tun, als die weitere Förderung von Holzenergie abzulehnen. Der Wald müsse geschützt werden, so die Umweltschützer.
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