Kolumne

Wie junge Makler arbeiten, denken und wachsen wollen

Der Maklermarkt verändert sich – und die Generation der Jungmakler steht mitten in diesem Wandel. Eine Jungmaklerstudie aus dem Vorjahr zeigt, unter welchem Druck junge Vermittler arbeiten, wo sie Unterstützung benötigen und welche Strategien helfen, um langfristig erfolgreich zu sein. Unternehmensberater Peter Schmidt verbindet in seiner Kolumne die Erkenntnisse der Studie mit seinen eigenen Erfahrungen.
Junger Berater im Gespräch.
© prostophotokate/Magnific
Junger Berater im Gespräch.

Der Arbeitsalltag vieler junger Makler ist geprägt von steigender Komplexität und häufig besonderem Engagement. Das betrifft Einsteiger in die Maklerschaft besonders. Es gilt, fachliche Kompetenz aufzubauen, eine Zielgruppe für die Beratung zu finden, eine effiziente Kunden- und Vertragsverwaltung aufzubauen, in den sozialen Medien omnipräsent zu sein und darüber hinaus den Lebensunterhalt zu sichern.

Junge Makler, die bereits einige Monate und Jahre vertrieblich erfolgreich tätig sind, stehen vor den Herausforderungen, neben der Beratung der Kunden auch das notwendige unternehmerische Know-how aufzubauen und zu stärken. Vielfach werden dazu die Netzwerke und Bootcamps junger Maklerinnen und Makler genutzt. Dieses Networking begrüße und unterstütze ich.

Dennoch habe ich den Eindruck, dass eine Anreicherung der oft eventgetriebenen Bootcamps mit betriebswirtschaftlichen Basics gut tun würde. Das mache ich an meinen Erfahrungen aus den Beratungen von Protagonisten dieser Netzwerke im Hintergrund fest.

Zwischen Regulierungslast und Digitalisierungsschub

Früheren Generationen war der Einstieg in die Versicherungs- und Finanzberatung definitiv einfacher, auch wenn man die Einführung der Sachkundeprüfung mit der EU-Versicherungsvermittlerrichtlinie zum 22. Mai 2007 berücksichtigt. Steigende regulatorische Anforderungen stellen mit 64,4 Prozent die größte Herausforderung dar, wie die Jungmaklerstudie 2025 von Bearingpoint, CoachMeNetto und den Versicherungsforen Leipzig ermittelt hat.

Damit wird sichtbar, was viele im Markt bereits spüren – Dokumentationspflichten und Regulierungsdruck nehmen Jahr für Jahr zu und schaffen massiven Druck für junge Makler, den Schwerpunkt Kundenberatung mit den anderen Herausforderungen effizient zu verbinden. Und das fällt vielen jungen Maklerinnen und Maklern schwer.

Hinzu kommt, dass auch die Zusammenarbeit mit den Versicherern und die zunehmende Arbeitskomplexität als starke Belastungsfaktoren empfunden werden. Fast jeder zweite befragte Jungmakler hat diese als Problem benannt. Uneinheitliche Prozesse verschiedener Versicherer und Pools, fehlende Schnittstellen und Standards sowie hohe administrative Aufwände bremsen die tägliche Arbeit.

Maklerinnen und Makler hinterfragen kritisch, ob es dem gut gemeinten Anliegen der Kundeninformation hilft, wenn bis zu über 100 Seiten lange Ausdrucke oder PDFs unter dem Zeichen des Verbraucherschutzes ausgereicht und erörtert werden sollen.

Mehr Effizienz ist daher der wichtigste strategische Faktor. Die Studie bringt es auf den Punkt: „Da sich bei Jungmaklern personelle Ressourcen knapp bemessen, sind Effizienzsteigerungen in bestehenden Prozessen der Schlüssel zum Erfolg.“

Standardisierte und dokumentierte Beratungsprozesse sind dabei kein Nice-to-have mehr, sondern eine Überlebensstrategie: Das oberste Ziel muss es daher sein, standardisierte Erst- und Bestandsberatungsprozesse zu schaffen. Genau an diesen arbeiten wir zur Zeit mit mehreren Jungmaklerinnen und -maklern, um eine Überlastung bis hin zum Burnout rechtzeitig zu vermeiden. Dazu setze ich in den Beratungen an den nachfolgenden Punkten an.

Zum Vergrößern auf die Grafik klicken. Quelle: Jungmaklerstudie 2025

Zeitmanagement, Effizienz und Markenaufbau

Der Arbeitsplatz junger Makler ist geprägt von vielschichtigen Aufgaben. Die Studie zeigt, wie die Arbeitszeit tatsächlich verteilt wird – und wo Potenziale liegen. Am meisten Zeit investieren junge Makler in die Kundenberatung (35 Prozent) und die Administration (22 Prozent). Hinzu kommt der gestiegene Aufwand für eine aktive und vertriebsfördernde Präsenz in den sozialen Medien.

Genau diese Themenfelder bremsen jedoch das Wachstum, wenn sie nicht effizient gestaltet werden. Die Empfehlung der Studie bestätigt meine Beratungslinie: Administrative Routineaufgaben sollten durch digitale Tools effizienter gestaltet oder an Assistenzkräfte abgegeben werden.

Auch die strategische Ausrichtung kommt zu kurz: Nur 14 Prozent der Arbeitszeit fließen in konzeptionelle Planung – viel zu wenig, um langfristig zu wachsen. Dazu gehört auch das zentrale Thema der Markenbildung. Die Studie betont: Brand Building spielt eine bedeutende Rolle. Für Kunden besteht der Mehrwert darin, dass Kundenzielgruppen ein spezialisiertes Maklerunternehmen schneller finden und so eine direkte Ansprechperson haben.

Gerade in Zeiten digitaler Vergleichsportale und wachsender Konkurrenz wird die persönliche Marke zum Differenzierungsmerkmal. Deshalb sollte die eigene Positionierung im Markt und Wettbewerb bewusst gestärkt werden.

Die Digitalisierung in Verbindung mit einer sich vertiefenden KI bleibt ein Feld mit großem Potenzial. Effizienzgewinne im Workflow entstehen durch klare und standardisierte Prozesse: Arbeitsabläufe sollten zwecks Effizienzgewinnen so weit wie möglich standardisiert werden.

Zukunftssicherheit über Neukundengewinnung bis zur Bestandspflege

Der Vertrieb ist das Herzstück eines jeden Maklerunternehmens – und die Studie beleuchtet diesen Bereich ausführlich. Die Neukundengewinnung und die Pflege der Bestandskunden sind existenzielle Herausforderungen für alle Maklerunternehmen, besonders aber für Neueinsteiger und Jungmakler.

Beim Thema Neukunden zeigt sich ein spannendes Bild: Mehr als die Hälfte der befragten Jungmakler erhält bis zu fünf Anfragen pro Monat für Erstgespräche. Das entspricht im Durchschnitt etwa 30 Neukunden pro Jahr – das ist zu wenig für nachhaltiges Wachstum. Nicht wenige Jungmakler scheitern nach sechs bis zwölf Monaten mit ihrem Geschäftsmodell oder verlassen Vertriebsmodelle, die sich kaum von denen von Strukturvertrieben unterscheiden, wie unsere eigenen Erfahrungen zeigen.

Die Studie empfiehlt daher eine klare Fokussierung: „In Erstgesprächen sollte sich auf potenzielle Neukunden konzentriert werden, die wirklich erfolgsversprechend sind.“ Meine Empfehlung für Jungmakler greift noch etwas früher ein: Die Auswahl einer Kundenzielgruppe, die betriebswirtschaftlich tragfähig sein wird.

Auch mit Blick auf oft teuer erkaufte Leads für Neukunden befasse ich mich bei den Beratungen von Jungmaklern mit dem zentralen Thema der Betreuung der gewonnenen Bestandskunden. Nach den Erkenntnissen der Jungmaklerstudie setzt die Mehrheit auf eine Kombination aus regelmäßigen Terminen und situativer Betreuung. Dabei betont die Studie, wie wichtig strukturierte Prozesse sind: „Standardisierte und gut dokumentierte Prozesse sind der Schlüssel zum Erfolg.“

Spezialisierung, Zielgruppenfokus und ein strukturiertes Leadmanagement sind entscheidende Elemente, um erfolgreicher zu werden. Auch Kooperationen – etwa mit Pools oder anderen Maklern – bieten Synergieeffekte und erleichtern die Akquise. Die Grundausrichtungen meiner Empfehlungen habe ich in der nachfolgenden Grafik zusammengefasst.

Zum Vergrößern auf die Grafik klicken. Quelle: Consutling & Coaching Berlin

Fazit

Die Jungmakler von heute und morgen brauchen Struktur, Fokus und digitale Stärke. Die Jungmaklerstudie zeigt klar: Jungmakler haben enormes Potenzial – doch sie stehen unter starkem Zeit- und Effizienzdruck. Regulatorik und Administration binden Ressourcen, während strategische Aufgaben oft zu kurz kommen.

Die Erfolgsfaktoren lassen sich aus den Studienergebnissen ebenso klar ableiten wie aus den Erfahrungen meiner Zusammenarbeit mit Jungmaklern:

  • Standardisierte Prozesse schaffen Freiräume.
  • Digitalisierung verbessert Kundenerlebnisse und reduziert Aufwand.
  • Brand Building differenziert im Wettbewerb
  • Strategischer Vertrieb mit klarer Zielgruppe macht Neukundengewinnung effektiver
  • Kontinuierliche Arbeit im Bestand ist ein wesentlicher Faktor des Unternehmenswertes

Wer diese Bereiche stärkt, entwickelt nicht nur ein resilienteres Geschäftsmodell, sondern gewinnt auch mehr Zeit für das, was Makler eigentlich tun wollen: Kunden beraten und den eigenen Bestand nachhaltig aufbauen.

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Autor

Dr. Peter Schmidt ist seit 2013 Inhaber der Unternehmensberatung Consulting & Coaching in Berlin und als Experte für Strategie- und Prozessberatung für Versicherer, Maklerpools, Vertriebe und Makler tätig.

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