Neue Spielregeln

Private Altersvorsorge – was jetzt auf Makler zukommt

Die Altersvorsorgereform steht, und das neue Altersvorsorgedepot kann kommen. Für Michael Hauer vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) ist es nicht weniger als eine neue Ära. Hier erklärt er, was kommt, was das für Makler bedeutet und wann und wo es das hilfreiche digitale Altersvorsorgeforum 2026 gibt.
Michael Hauer ist Professor an der technischen Hochschule Amberg-Weiden und Geschäftsführer am IVFP
© IVFP
Michael Hauer ist Professor an der technischen Hochschule Amberg-Weiden und Geschäftsführer am IVFP

Seit dem 8. Mai 2026 ist es beschlossene Sache: Mit dem Altersvorsorgereformgesetz verabschiedet sich Deutschland vom bisherigen Garantiemodell der Riester-Förderung und öffnet sich dem Kapitalmarkt. Das Herzstück der Reform ist ein Vorsorgeprodukt mit einer neuen Fördersystematik, die folgende Punkte beinhaltet:

  • Beitragsproportionale Grundzulage von 50 Cent für jeden Euro Eigensparleistung bis maximal 360 Euro, 361 Euro bis 1.800 Euro Eigensparleistung 25 Cent Zulage.
  • Beitragsproportionale Kinderzulage pro Kind von 1 Euro für jeden Euro Eigensparleistung (höchstens 300 Euro pro Kind).
  • Förderung von Produkten ohne Garantie und mit garantiertem Kapital zu Beginn der Auszahlungsphase mit zwei möglichen Garantiestufen in Höhe von 80 oder 100 Prozent.
  • 100%, 80%, 0% Garantieniveau nicht in einem Produkt möglich (wegen der Vergleichbarkeit).
  • Förderung eines renditeorientierten und kostengünstigen Altersvorsorgedepots ohne Garantieanforderungen als Standarddepot mit maximal 1% Effektivkosten p.a.
  • Einführung eines von einem öffentlichen Träger angebotenen Standarddepots.
  • Auszahlungsphase: Wahl zwischen lebenslanger Leibrente oder Auszahlungsplan, mindestens bis zum 85. Lebensjahr ohne Restverrentungspflicht.
  • Kostenverteilung über die gesamte Laufzeit.
  • Der geleistete Beitrag zuzüglich Zulagen kann steuerlich geltend gemacht werden (Günstigerprüfung).
  • Wechselmöglichkeiten (förderunschädlich; kostenfrei nach 5 Jahren).
  • Der Begünstigtenkreis wird bei der Altersvorsorgedepot-Förderung auf Selbständige, die Einkünfte aus Gewerbebetrieb (Paragraf 15 EStG) beziehungsweise selbständiger Tätigkeit (Paragraf 18 Absatz 1, Nummer 1 bis 3 EStG) sowie auf Pflichtmitglieder in einem Versorgungswerk („Freiberufler“) erweitert.
Systemwechsel mit Ansage

Die Logik der Reform ist klar: Das bisherige System der geförderten Altersvorsorge war auf Sicherheit ausgelegt – und genau das wurde ihm zum Verhängnis. In Zeiten niedriger Zinsen hat das Garantiemodell kaum noch Rendite erwirtschaften können. Mit der Altersvorsorgereform stellt die Politik die private Vorsorge ab 2027 auf ein neues Fundament. Erstmals wird in Deutschland ein gefördertes Altersvorsorgedepot ohne Garantie- und Verrentungspflicht eingeführt.

Doch dieser Schritt hin zum Kapitalmarkt bringt auch neue Anforderungen. Nicht nur für Anlegerinnen und Anleger, sondern vor allem für diejenigen, die sie beraten. Wer Menschen ohne Wertpapiervorwissen für ein kapitalmarktbasiertes Vorsorgeprodukt gewinnen möchte, muss erklären können, was an den Märkten gerade passiert.

Das Reformgesetz schafft den gesetzlichen Rahmen für das Altersvorsorgedepot, doch viele Detailfragen sind noch ungeklärt: Wie sieht die Produktlandschaft aus? Ist ein Übertrag von Riester in das neue Altersvorsorgedepot immer sinnvoll? Was leistet das Standardprodukt im Vergleich zu komplexeren Angeboten? Fragen, die in der Beratungspraxis nicht mehr zu umgehen sind.

Klar ist dabei schon: Für Vermittlerinnen und Vermittler liegt in der Reform eine echte Marktchance. Sie können künftig eine Zielgruppe ansprechen, die mit Riester bislang wenig anfangen konnte, aber trotzdem von staatlicher Förderung profitieren möchte. Lassen Sie mich den Spagat so zusammenfassen: Deutschland verlässt vertraute Pfade und öffnet sich dem Kapitalmarkt. Das schafft neue Möglichkeiten, stellt aber auch bestehende Strukturen und Beratungsansätze auf den Prüfstand.

Fazit: Wer jetzt handelt, gestaltet den Wandel mit

Die Reform ist da. Für Maklerinnen und Makler heißt das: Wer sich frühzeitig mit den neuen Regelungen vertraut macht, die veränderte Produktlandschaft versteht und seine Kapitalmarktkompetenz ausbaut, wird gestärkt aus diesem Wandel hervorgehen. Wer abwartet, riskiert, abgehängt zu werden.

Genau diesen Wandel in seiner ganzen Tiefe beleuchtet das digitale Altersvorsorgeforum 2026, das das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) gemeinsam mit Ampega am 21. Mai 2026 veranstaltet.

Unter dem Motto „Zwischen Altersvorsorgedepot und Kapitalmarkt: Neue Spielregeln für die Beratung?“ kommen Expertinnen und Experten aus Regulatorik, Fondswirtschaft, Maklerverbänden und Versicherungswirtschaft zusammen, nicht um über die Reform zu philosophieren, sondern um praxisnahe Antworten zu liefern. Das Altersvorsorgeforum 2026 am 21. Mai 2026 von 09:30 bis 12:00 Uhr bietet dafür den richtigen Rahmen. Mehr Infos und die Möglichkeit, sich anzumelden, gibt es hier.

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