Exklusive Yougov-Umfrage

Altersvorsorgereform: So sehen die Deutschen die Streitpunkte

Staatliches Depot? Mit oder ohne Beratung? Zwei Punkte in der Altersvorsorgereform sorgen für Aufruhr. Grund genug, einmal nachzufragen, wie die Deutschen dazu stehen. Die Marktforscher von Yougov haben das für uns exklusiv getan und nebenbei einige interessante Ansprüche an so ein staatliches Standarddepot herausgefunden.
Beratungsgespräch: Ein Großteil der Deutschen möchte sich Hilfe in der Altersvorsorge holen
© Magnific
Beratungsgespräch: Ein Großteil der Deutschen möchte sich Hilfe in der Altersvorsorge holen

Die große Altersvorsorgereform mag ganz gut sein. Sie ist aber nicht perfekt. Denn sie birgt Streitpunkte, zu denen sogar einige Branchenverbände über Kreuz liegen. Wie sehen denn die Deutschen das? Mit freundlicher Hilfe durch das Marktforschungsinstitut Yougov gingen wir der Sache nach. An der Umfrage nahmen 2.164 erwachsene Menschen in Deutschland bevölkerungsrepräsentativ vom 13. bis 18. Mai teil.

Zunächst geht es darum, wie weit verbreitet Riester-Verträge derzeit überhaupt sind. Das Ergebnis entspricht durchaus den Eindrücken, die man aus Presse und Statistik gewinnen kann. Denn 49 Prozent der Befragten haben ausdrücklich keinen Riester-Vertrag. Weitere 7 Prozent wissen es nicht oder sagen es nicht.

14 Prozent indes sparen aktuell in einen Riester-Vertrag, weitere 5 Prozent haben ein Exemplar, das gerade ruht. Die restlichen Befragten sind schon in Rente.

Gerade letzterer Umstand legt nahe, für die anderen beiden Fragen Rentner auszuschließen. Bleiben somit 1.210 Befragte, die in Lohn und Brot stehen und deshalb vorsorgen sollen, und 220 sonstige nicht Erwerbstätige, die trotzdem vorsorgen könnten.

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Nun zu den Streitpunkten. Den größten Ärger in der Rentenreform handelte sich die Regierung damit ein, dass sie selbst ein staatliches Standarddepot auflegen will. Der Staat zugleich als Spieler und Schiri? Würden die Menschen das überhaupt annehmen?

Unsere Befragten hatten einige Aspekte zur Auswahl und durften alle ankreuzen, die für sie passen. Aber: 30 Prozent können sich generell nicht vorstellen, in das staatliche Depot einzuzahlen. 11 Prozent wissen oder sagen es nicht.

Konkret lautete unsere Frage: Könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen, Ihre private Altersvorsorge im Rahmen eines staatlichen Fonds anzulegen?

  • 31 Prozent: Ja, aber nur, wenn der Fonds verantwortungsvoll und professionell verwaltet wird
  • 29 Prozent: Ja, aber nur bei sehr niedrigen und transparenten Kosten
  • 17 Prozent: Ja, aber nur mit einer gesetzlich garantierten Zugriffssperre
  • 7 Prozent: Ja, ohne jede Einschränkung

1 Prozent kann sich das vorstellen, stellt aber andere Bedingungen, wovon sich die meisten um Sicherheit drehen. Hier sind einige der genannten:

  • Absolute Transparenz
  • Keine Aktien
  • Wettbewerbsfähige Rendite
  • Staat übernimmt Verluste, Garantie auf Mindestbetrag zum Ende
  • Keine Verwaltungskosten

Zuweilen fordern die Befragten auch ausgefallene Dinge, zum Beispiel diese:

  • Mindestrendite
  • Auswahl über die Fonds (was in einem Standarddepot allerdings von vornherein ausgeschlossen ist)
  • Keine Steuern am Ende
  • Ohne staatliche Einmischung, sondern vollkommen privat und mit Abschaffung der gesetzlichen Rentenkasse
  • Hohe Renditen
  • Man kann kündigen, wann man möchte

Der zweite Knackpunkt ist die Frage, ob Altersvorsorge auch ohne Beratung abschließbar sein soll. Ein Aspekt, über den zum Beispiel der Berufsverband BVK und der Versichererverband GDV geteilter Meinung sind.

Unsere Umfrage zeigt, dass jeder fünfte Befragte (20 Prozent) die geförderte Altersvorsorge „eher ohne Beratung“ abschließen würde. Und jetzt kommt die Steilvorlage für Makler und alle weiteren Vermittler: Fast jeder Zweite (48 Prozent) würde „eher mit Beratung“ zugreifen. Für 20 Prozent kommt die ganze Sache nicht in Frage, und alle übrigen enthalten sich der Angabe.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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